Sonja Zietlow irritiert mit Facebook-Posts zum Coronavirus

  • Kontaktsperren, um Risikogruppen zu schützen? Sonja Zietlow scheint mit dieser Lösung nicht einverstanden zu sein – das legen Posts auf ihrer Facebook-Seite nahe.
  • Inzwischen werden die Beiträge der Moderatorin auch in rechten Verschwörungskreisen gefeiert.
  • Im Netz hagelt es Kritik.
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Köln. Mehr als vier Wochen lang befindet sich Europa inzwischen im Corona-Shutdown – eine Situation, die bei vielen Menschen nicht nur Existenzängste auslöst, sondern auch jede Menge Ungeduld. Nicht zuletzt deshalb mehren sich inzwischen Stimmen, die die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie offen infrage stellen. Zu diesen Stimmen gehört auch Sonja Zietlow.

Beinahe täglich postet die Dschungelcamp-Moderatorin auf ihrer Facebook-Seite Videos und Artikel zu den Corona-Maßnahmen. Diese allerdings stoßen im Netz inzwischen auf deutliche Kritik: Nutzer auf Twitter rücken die RTL-Moderatorin in die Nähe von Verschwörungstheoretikern, einige bezeichnen sie gar als neues Sprachrohr der rechten Szene.

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Die Autorin Hatice Ince hat das Problem am Montag in einem Tweet dargestellt. “Auch Sonja Zietlow entpuppt sich als Sprachrohr für Verschwörungstheoretiker*innen und Rechte”, schrieb Ince. “Scheint so ein RTL-Ding zu sein oder wie?” Verschiedene Screenshots belegen, wie die Moderatorin von Verschwörungstheoretikern und rechten Facebook-Nutzern für ihre Aussagen gefeiert wird.

Was postet Zietlow auf Facebook?

Doch was postet Sonja Zietlow da überhaupt auf Facebook? Und handelt es sich dabei wirklich um rechte Verschwörungstheorien?

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Bei einem Blick auf die Seite der Moderatorin zeigt sich vor allem: Zietlow scheint der aktuelle Konsens, nämlich das Schützen von Risikogruppen auf Kosten der Wirtschaft, ganz und gar nicht zu gefallen. In einem Post vom 5. April beispielsweise poltert die Moderatorin gegen Raucher.

“Mir ist es so was von egal, wer raucht und ob es verboten wird. Jeder kann selbst entscheiden. Nur momentan sind viele Menschen in ihrer Entscheidungsfreiheit begrenzt worden, um eben diese ‘selbst gewählte’ Risikogruppe zu schützen!”, schreibt Zietlow. “Und ja, natürlich gibt es noch andere Risikogruppen. War eigentlich eine Frage an die Politiker, denen ist die Gesundheit aller ja so wichtig!”

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Naidoo, Hildmann, Jebsen: 3 Verschwörungstheorien im Faktencheck
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Aktuell geistern diverse Verschwörungstheorien über die Corona-Pandemie. Wir haben uns drei davon genauer angeschaut.  © RND/Matthias Schwarzer

Risikogruppen “sollen zu Hause bleiben”

Ganz ähnlich klingt ein Post der Moderatorin vom 23. März. “Wie wäre es, wenn wir nicht erst dann handeln, wenn wir krank sind??? Wie wäre es, wenn wir mehr dafür Sorge tragen würden, gesund zu bleiben?” Und weiter: “Wie wäre es, wenn die Krankenkassen uns dabei unterstützten, unser Immunsystem zu stärken???? Tja, Pech für die Industrie, dass man z. B. Vitamin C nicht patentieren kann und ein verschreibungspflichtiges Medikament daraus machen kann! (...) Das Wertvollste, das ihr haben könnt, ist ein intaktes IMMUNSYSTEM!!!”

Um ihre Position zu festigen, teilt Zietlow am 3. April noch einen langen Beitrag der Ärztin Barbara Dirhold. Darin heißt es unter anderem als Forderung: “Abschirmen der Risikogruppen, und Bewegungsfreiheit für gesunde Arbeitnehmer zur Ausübung ihres Berufes und damit Aufrechterhaltung unserer Wirtschaft und mittelfristig auch unseres Gesundheitswesens, wobei hier Freiwilligkeit gelten muss: Wenn jemand Angst hat, soll er zu Hause bleiben.”

Am 12. April teilt Zietlow schließlich das Video eines deutschen Krankenpflegers. Dieser berichtet vom Alltag aus dem Krankenhaus – und kommt, grob zusammengefasst, zu dem Schluss: Das Coronavirus ist am Ende nur so gefährlich wie eine Grippe – und alte Menschen sterben ja sowieso. Auch er empfiehlt die Abkehr von den starken Einschränkungen, hin zu mehr Hygieneregeln im Alltag.

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Verschwörungstheoretiker feiern Moderatorin

Klar wird: Um das Schicksal von Risikogruppen scheint sich die Moderatorin nicht sonderlich zu scheren, hält sich selbst offenbar für gänzlich ungefährdet. Aber macht sich Zietlow damit tatsächlich zum Sprachrohr von rechten Verschwörungstheoretikern?

Heikel ist, dass die Argumentationskette der 51-Jährigen tatsächlich ein beliebtes Mittel in rechten Kreisen ist: Sie versuchen, die Pandemie als übertriebene Hysterie herunterzuspielen, als lang durchdachten Plan der Regierenden. Gerade das Video des deutschen Krankenpflegers wird im Umfeld rechter Verschwörungstheoretiker rasant geteilt und weiterverbreitet. Unter Zietlows Posts versammeln sich inzwischen unzählige Kommentatoren mit den abstrusesten Ideen, wer die Pandemie erfunden haben könnte.

Vollends außer Kontrolle geriet die Situation schließlich am Ostersonntag. In einem Facebook-Post reagiert Zietlow auf die Vorwürfe und listet in einem Post eine ganze Reihe von Menschen mit Doktortitel auf, die ihrer Auffassung nach in der Gesellschaft als “Verschwörungstheoretiker” gelten. Viele der genannten Ärzte hatten in den vergangenen Wochen fragwürdige oder gänzlich widerlegte Aussagen über das Coronavirus verbreitet. “Wer nicht als Verschwörungstheoretiker gilt”, heißt es weiter in dem Post: “Prof. Dorsten, Lothar Wieler RKI, Bill Gates, Spahn.” Dahinter ein sich wunderndes Emoji.

Harte Kritik an Sonja Zietlow

Ob Zietlow den Post selbst verfasst oder kopiert hat, ist nicht ganz klar. Fest steht: Seit dem Wochenende ist derselbe Wortlaut in allerhand rechtsextremen Foren und auf Seiten von Verschwörungstheoretikern zu finden. Und unter Zietlows Post haben sich inzwischen rund 6000 Kommentare angesammelt.

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Einige reagieren spöttisch auf die Aussagen der Moderatorin: “Dr. Xavier Naidoo fehlt”, schriebt beispielsweise einer. Andere sehen die Aussagen als äußerst kritisch: “Wie kann man gerade mit einer eher bildungsfernen Hauptzielgruppe so unreflektiert und vor allem undifferenziert (Streeck und Wodarg in gleicher Aufzählung ...) weiter auf das Spaltpedal drücken? Unverständlich und unnötig, schade.” Ein Weiterer schreibt: “Alle, die das Covid-19-Virus als ungefährlich ansehen, sind aufgefordert, in den stark betroffenen Regionen als freiwillige Helfer zu arbeiten. Solche Posts haben für mich nur einen Sinn: zu spalten, unnötig zu relativieren und sich selbst zu präsentieren.”

Richtig gut kommen Zietlows Äußerungen am Ende vor allem in einer Zielgruppe an: Bei den Verschwörungstheoretikern. Sie beglückwünschen die Moderatorin unter ihren Beiträgen zum “Erwachen”. Eine Kommentatorin wird gleich ganz euphorisch: “Ich feier dich, Sonja Zietlow! Endlich ziehen auch Promis mit oder bekannte Gesichter. Xavier hat auch seine Meinung gesagt und auch viele andere. Es muss endlich auch der Rest sehen, was hier in unserem Land und in vielen anderen, was hier passiert! Was eigentlich wirklich deren Plan ist ...”

Update, 19.35 Uhr: Das Facebook-Profil von Sonja Zietlow sowie alle genannten Posts sind seit dem Abend nicht mehr aufrufbar.

“Staat, Sex, Amen”
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