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Sibel Kekilli: „Man darf sich vom Trubel nicht verrückt machen lassen“

  • In der neuen Krimiserie „Bullets” (RTL Crime) spielt Sibel Kekilli eine Terroristin.
  • Im exklusiven RND.de-Interview spricht sie über den „Game of Thrones”-Trubel, Frauenrechte und die #MeToo-Debatte.
  • „Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn man plötzlich auch in den USA auf der Straße erkannt und angesprochen wird“, sagt die Schauspielerin.
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Hamburg. Am Dienstag (3. Dezember) läuft die deutsch-finnisch-belgische Koproduktion „Bullets“ zum ersten Mal im deutschen Fernsehen bei RTL Crime. Eine der Hauptrollen übernimmt die deutsche Schauspielerin Sibel Kekilli, die spätestens seit „Game of Thrones“ auch internationale Erfolge feiert. In der neuen Krimiserie spielt sie die international gesuchte Terroristin Madina Taburova.

Sie spielen in „Bullets“ eine Terroristin, die Kinder schult, Selbstmordattentate zu verüben. Wie bereitet man sich auf so eine Rolle vor?

Ich nähere mich der Rolle über den psychologischen, emotionalen Weg an. Warum macht sie etwas, warum macht sie etwas nicht, was fühlt sie in dem Moment? So erschließe ich mir nach und nach die Figur. Mich hat schon immer interessiert, was diese „schwarzen Witwen“ antreibt und wie es dazu kommt, dass sie zum Äußersten bereit sind.

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Sind Sie für sich zu einer Antwort gekommen?

Ich habe kein Verständnis für die Taten, aber ich kann verstehen, dass es manchmal Extremsituationen gibt, die dazu führen können. Dennoch: Auch wenn man stark verzweifelt ist und zunächst vielleicht keinen Ausweg mehr sieht, rechtfertigt es diese Taten nicht. Aber Medina, die ich spiele, wird dazu gezwungen, als Rekruterin zu arbeiten, um das Leben ihrer Tochter zu schützen.

Die Dreharbeiten gingen sechs Monate. Was war die größte Herausforderung?

Definitiv die Kälte. In Finnland hatten wir Außendrehs bei minus 17 Grad, das war schon sehr herausfordernd. Es gab auch immer wieder Sprachbarrieren, da die Sprache am Set Finnisch war. Das hat die allgemeine Kommunikation etwas erschwert.

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Sie sind dafür bekannt, dass Sie viele unterschiedliche Rollen spielen…

Das ist natürlich großartig für eine Schauspielerin, wenn man nicht festgelegt ist und einem zugetraut wird, unterschiedlichste Charaktere darstellen zu können. Mich faszinieren schwierige Charaktere, Figuren und Rollen, die Brüche haben, deren Handlungsabläufe nicht immer auf den ersten Blick logisch sind. Genauso mag ich aber auch Komödien, wie in „What a Man“, als ich an der Seite von Matthias Schweighöfer gespielt habe.

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Spätestens mit Ihrer Rolle als Shae in „Game of Thrones“ haben Sie den internationalen Durchbruch geschafft. Würde es Sie reizen, öfter in Hollywood zu drehen?

Ich denke, dass man in Hollywood natürlich erst einmal die Native Speaker besetzt und nicht zwingend auf europäische Schauspieler wartet. Doch durch die Vielzahl an Streamingdiensten öffnet sich das gerade mehr. Wenn ein Angebot gekommen wäre, das mich wirklich interessiert hätte, hätte ich es bestimmt angenommen. Dank „Game of Thrones“ ist man zwar mehr im Fokus von Castern und Regisseuren, aber es war einfach noch nicht das Passende dabei.

Wie haben Sie den Trubel um „Game of Thrones“ erlebt? Werden Sie jetzt überall erkannt?

Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn man plötzlich auch in den USA auf der Straße erkannt und angesprochen wird und auch vermehrt internationale Caster und Regisseure auf einen aufmerksam werden. Aber man darf sich da auch nicht verrückt machen lassen.

Sie setzen sich seit Jahren für Frauenrechte und gegen die Gewalt an Frauen ein und sind Mitbegründerin des Frauennetzwerkes Unidas. Würden Sie sagen, dass in dieser Zeit viel erreicht wurde?

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Ich engagiere mich seit 14 Jahren für Frauenrechte und merke zunehmend, dass hier mehr und mehr Aufmerksamkeit entsteht. Auch unser Außenminister Heiko Maas nimmt sich diesem Thema enorm an, das rechne ich ihm hoch an. Überhaupt ist derzeit viel Engagement zu spüren, sei es im Umweltschutz oder eben auch für Frauenrechte. Das ist ja fast ein bisschen „en vogue“. Die Frage ist nur, wie nachhaltig ist das? Ich hoffe, dass die Menschen, die jetzt auf diesen Zug aufspringen, auch dabeibleiben.

Hat die #MeToo-Debatte in Deutschland Ihrer Meinung nach einiges verändert?

Wir schmücken uns damit, dass die #MeToo-Bewegung auch in Deutschland angekommen ist, aber wir sind noch lange nicht da, wo wir sein müssten. Wir gehören zu denen, die noch ganz viel Bedarf haben, dass es endlich mal richtig ankommt. In Amerika gibt es mittlerweile ganz andere Machtverhältnisse. Da gibt es eine Reese Witherspoon, die sich mit anderen einflussreichen Frauen zusammentut und etwas bewegt. Das gibt es hier in Deutschland noch nicht. Es gibt einzelne Schauspielerinnen, aber die sind nicht miteinander verknüpft, so ist zumindest mein Eindruck. Zusammen wären wir stärker und auf Augenhöhe viel besser, aber das fehlt einfach noch.

Da schließt sich der Kreis ein bisschen, dass Ihre neue Serie „Bullets“ zwei weibliche Hauptdarstellerinnen hat …

Ja, aber auch das ist eine Seltenheit. Ich wünsche mir viel, viel mehr davon.

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Die beiden „Bullets“-Hauptdarstellerinnen Mari Saari (Krista Kosonen, links) und Madina Taburova (Sibel Kekilli). © Quelle: TVNOW/Vertigo