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Haben es kluge Frauen bei Männern schwerer, Candace Bushnell?

  • Sie ist die Autorin und Erfinderin von „Sex and the City“, der Grundlage der gleichnamigen Kultserie.
  • Seitdem sind mehr als 20 Jahre vergangen.
  • Im Interview verrät die 61-jährige Candace Bushnell, wie das mit dem Sex und den Beziehungen weitergeht, wenn man plötzlich über 50 und wieder Single ist.
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Frau Bushnell, Sie haben die Buchvorlage für “Sex and the City”, die Erfolgsserie der späten Neunzigerjahre, geschrieben. Die Hauptfigur Carrie Bradshaw ist so etwas wie Ihr Alter Ego. Würden Sie sich als Datingexpertin beschreiben?

Nein, das würde ich wirklich nicht. Ich versuche vielmehr, eine Expertin für menschliches Verhalten zu sein. Ich will verstehen, was Menschen antreibt. Wir alle müssen in dieser Welt ja irgendwie überleben. Und Beziehungen zu führen ist immerhin eine Art, das zu meistern. Beziehungen machen uns zu dem, was wir sind: menschliche Wesen. Wenn Sie mich also fragen, ob ich eine Expertin fürs Daten bin, dann würde ich das ganz klar verneinen. Aber wenn Sie mich fragen, ob ich einen Sinn für Beziehungsfragen habe, dann würde ich eindeutig mit “Ja” antworten.

Freundschaften werden immer wichtiger für Frauen

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Tut man Ihnen also unrecht, wenn man behauptet, in Ihren Büchern gehe es hauptsächlich um die Themen Sex und Dating?

Mein Thema war immer das Frausein in der modernen Gesellschaft. Sex und Dating gehören insofern dazu, als dass ich einfach wissen will, welche gesellschaftlich akzeptierten Standards es für eine Frau gibt und welche Einstellung Frauen gegenüber Sex haben. Und natürlich geht es dabei immer auch um Beziehungen – aber auch um jene unter Frauen. Freundschaften werden immer wichtiger für Frauen, auch wenn es darum geht, sich gegenseitig zu unterstützen. Das sind die Dinge, die mich interessieren und über die ich schreibe.

Carrie on! Pro7 schickt Sarah Jessica Parker in “Sex and the City 2” in die Wüste. © Quelle: pa/obs/Warner Brothers/ProSieben

Können Freunde auch Familie sein?

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Definitiv. Es gibt heutzutage so viele unterschiedliche Formen des Zusammenlebens und so viele unterschiedliche Möglichkeiten, eine Familie zu haben. Ich beispielsweise habe lange Zeit meinen Urlaub grundsätzlich mit meinen zwei Freundinnen verbracht – und ich war die längste Zeit davon verheiratet. Und wir versuchen immer noch, die Ferien zusammen zu verbringen. Man könnte also sagen, ich habe eine Art Ferienfamilie.

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Wenn das so ist, warum definieren sich immer noch so viele Frauen ausschließlich über ihre Beziehung zu einem Mann?

Dazu muss man erst einmal sagen, dass Frauen das immer noch vorgelebt und beigebracht wird. So etwas vererbt sich über Generationen. Hinzu kommt, dass Frauen sich rechtlich bis in die Siebzigerjahre überhaupt nur über ihren Mann definieren konnten. Sie müssen sich einmal vergegenwärtigen, dass wir erst seit ungefähr 100 Jahren das Recht haben, wählen zu gehen. Und Tausende Jahre waren Frauen ganz ohne Rechte. Wenn man das bedenkt, wird einem klar, wie schwer es ist, sich von diesen Vorstellungen zu lösen. Unsere Gesellschaft ist noch nicht wirklich darauf vorbereitet, dass Frauen ledig durchs Leben gehen.

Wenn man eine sexuelle Person ist, dann wird man auch weiter Sex finden

Sprechen wir über Ihr neues Buch, das im Titel die Frage stellt: “Is There Still Sex in the City?”, also ob für Frauen jenseits der 50 immer noch Sex in der Großstadt zu haben ist. Wie sieht denn die Antwort darauf aus?

Eindeutig ja. Aber es wird weniger. (lacht) Das denken jedenfalls die meisten Leute, und das sagen mir vor allem immer wieder die meisten Männer. Die Wahrheit aber ist: Wenn man eine sexuelle Person ist, dann wird man auch weiter Sex finden – egal, wie alt man ist. Leute, die nicht so sexuell sind, die werden, auch wenn sie älter werden, eben weniger sexuelle Erfahrungen machen. Ein Beispiel: Als ich auf meiner Lesereise war, lernte ich eine 72-jährige Leserin kennen, die mir sagte, sie habe genau jetzt die beste Zeit ihres Lebens. Sie erzählte mir, sie habe Liebhaber in fünf verschiedenen Städten. Und sie habe mit ihren 72 Jahren eine sensationelle Zeit. Es hängt also immer davon ab, was für eine Person Sie sind. Die einen finden ihren Frieden, wenn man einfach nur bei sich ist. Aber wenn man es will, dann hat man auch noch mit 50 Jahren die Chance, “Sex in the City” zu finden.

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Es muss also keine Frau Angst davor haben, als Single in der Großstadt alt zu werden?

Ich denke nicht. Wobei auch das natürlich von den äußeren Umständen abhängt. Wenn Sie beispielsweise eine Karriere haben, für sich selbst sorgen können, ein Haus, Ihr eigenes Leben und Freunde haben, dann ist das das Beste, was passieren kann. Aber man muss immer daran denken, dass es viele Frauen gibt, die die 50 überschritten haben und die seit Jahren verheiratet sind, vielleicht auch mehrmals, und plötzlich will der Mann die Scheidung. Diese Frauen stehen möglicherweise plötzlich vor dem Nichts, weil ihr gesamter Lebensstil abhängig von dem ihres Ehemanns war.

Eben dieses Schicksal beschreiben Sie in “Is There Still Sex in the City?”.

Ein definitiv hartes Schicksal. Hinzu kommt, dass die Datingkultur sich sehr geändert hat. Es geht nicht immer sehr respektvoll zu.

Wird Dating schwerer, je älter man wird?

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Dating war und ist immer schwer – und zwar für jeden. Es ist schwer in deinen Zwanzigern, in den Dreißigern, Vierzigern und auch, wenn du über 50 bist. Ich würde manchmal sogar sagen, dass es härter ist, wenn man 25 Jahre alt bist. Der Vorteil ist nämlich, dass du mit 50 Jahren möglicherweise nicht mehr daten musst.

Es ist also weniger das Alter als die Zeit, in der wir leben, die es schwierig macht?

Ja, das denke ich.

Tinder will, dass du immer Mitglied bleibst

Erhöhen Apps wie Tinder denn nicht die Chancen, seinen persönlichen Traummann, den wir seit “Sex and the City” als Mr. Big kennen, zu finden?

Nun ja, wie Sie wissen, mache ich mir immer Sorgen um jene Frauen, die ständig auf der Suche nach ihrem Mr. Big sind. Ich sage dann immer: “Du musst dein eigener Mr. Big werden.” Das Problem ist, dass Tinder dafür gemacht wurde, dass man dort am besten auch für immer bleibt. Tinder will gar nicht, dass wir jemanden finden, heiraten und Kinder bekommen. Tinder will, dass du immer Mitglied bleibst und deine Aufmerksamkeit nur auf Tinder liegt. Diese App will nicht einmal, dass du auf ein Date gehst. Menschen können Menschen überall treffen. Natürlich muss man aufgeschlossen genug sein, um in eine Bar zu gehen und dort in Kontakt zu kommen.

In Ihrem Buch experimentieren Sie mit Tinder, mit jüngeren Männern wie auch mit älteren. Würden Sie Ihr Leben als eine Art ständiges Herumexperimentieren beschreiben?

So ähnlich vielleicht. Sehen Sie, ich lebe in New York und in den Hamptons. Das ist ein bisschen wie in Saint-Tropez zu leben. Dieser Platz zieht einfach eine bestimmte Sorte Menschen an.

Würden Sie zustimmen, wenn jemand behauptet, dass kluge und erfolgreiche Frauen es bei Männern schwerer haben?

Nein. Ich glaube, das wird Frauen einfach immer nur so verkauft. Denn es gibt immer noch Frauen mit einem hohen Testosteronlevel, die sehr wettbewerbsorientiert sind und doch meinen, sich in der Beziehung unterordnen zu müssen. Sie haben nicht gelernt, in der Beziehung die Hauptversorgerin sein zu dürfen. Auf der anderen Seite kenne ich viele erfolgreiche Frauen, die verheiratet sind und die ihre Ehemänner sehr weise gewählt haben. Diese Männer sind vielleicht keine Alphamännchen, aber sie machen ihr eigenes Ding und sind auf ihre ganz eigene Art erfolgreich. Das sind in der Regel die partnerschaftlicheren Beziehungen. Deshalb würde ich vielmehr sagen: Wenn du weißt, wie man ein Unternehmen führt, dann weißt du wahrscheinlich auch, wie du eine Beziehung führst. Bei alldem darf man nie vergessen, dass Sexismus das ist, was viele Beziehungen zerstört. Denn die größte Gefahr im Leben einer Frau kann unter Umständen ihr Partner sein. Daran müssen wir immer wieder denken.

Guten Morgen, New York: Candace Bushnell in der “Morning Show” von Apple-TV. © Quelle: imago images/PA Images

Die deutsche “Vogue” hat zum 20. Geburtstag von “Sex and the City” geschrieben, dass 1996, als Ihr Buch erschien, alle Frauen wie Carrie sein wollten. Heute dagegen träume die Mehrheit von einem Leben, wie es Miranda führt. Also erfolgreich, klug und unabhängig zu sein – und trotzdem eine Familie zu gründen. Stimmen Sie zu?

Ja, das könnte durchaus sein. Ich liebe die Vorstellung! Obwohl wir nicht von 1996 sprechen dürfen. Da erschien ja erst das Buch. Die Serie kam etwas später raus. Aber wissen Sie, die Bilder, die wir von Frauen haben, die kommen und gehen und verändern sich immer wieder.

Wie wichtig ist Erfolg für Sie persönlich?

Erfolg ist nicht wichtig. Leistung ist für mich sehr, sehr wichtig. Denn was soll Erfolg genau sein? Ich wache morgens ja nicht auf und triumphiere, weil ich so erfolgreich bin. Ich wache auf und fühle mich erst mal etwas zerknautscht, weil ich zur Arbeit muss. (lacht) Ernsthaft: Ich werde bezahlt dafür, dass ich das tun darf, was ich liebe.

Viele Menschen sind Single und gern mit sich allein

Hat die #MeToo-Bewegung die Art, wie Männer und Frauen sich begegnen, möglicherweise verändert?

Das kann ich nicht sagen. Bei den Fragen, mit denen sich #MeToo beschäftigt hat, ging es ja nicht ums Daten. Es ging um Misshandlung und wie es ist, wenn man durch männliche Macht kompromittiert wird. Wenn es um das Thema Dating geht, diskutieren junge Frauen gerade eher, wie die Pandemie das alles beeinflusst.

Glauben Sie, dass es Menschen in Paarbeziehungen während der Corona-Pandemie einfacher haben?

Das kann ich nicht sagen. Denn ich habe sowieso schon immer sehr viel Zeit mit mir allein verbracht. Vielleicht sind es die praktischen Dinge, die Paare im Moment gemeinsam besser meistern. Der eine kann beispielsweise einkaufen gehen, während der andere auf die Kinder aufpasst. Aus dieser Perspektive würde ich sagen: Ja, Paare haben es einfacher. Doch sind die ganzen fröhlichen Familien auf Instagram wirklich glücklicher? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Denn ich kenne viele Menschen, die Single sind und die gern mit sich allein sind. Aber auch das ist etwas anderes, als wenn du, wie jetzt plötzlich, dazu gezwungen bist. Es ist interessant zu beobachten, wie sich die Stimmung ändert, wenn man wieder unter Menschen geht.

Sie sind mit 19 Jahren nach New York gezogen. “Sex and the City” war ein liebevolles Porträt dieser Großstadt. Glauben Sie, dass Corona New York auf lange Sicht verändern wird?

Ich bin lange nicht dort gewesen. Deshalb ist es schwer für mich, diese Frage zu beantworten. Aber die Stadt hat sich ständig verändert. Als ich 1979 nach New York zog, war es längst nicht das New York, das Sie aus “Sex and the City” kennen. Die Stadt war ein sehr anderer und auch sehr gefährlicher Ort. Gleichzeitig war es aber auch eine sehr kreative Zeit. Jeder hatte gerade irgendein Projekt oder arbeitete an irgendetwas. Doch es ging dabei nicht sehr kooperativ zu. Ich weiß nicht, was jetzt passiert. Aber ich kann mir vorstellen, dass New York sich immer wieder zyklisch verändert.

Ihr Buch endet mit Ihrem 60. Geburtstag. Deshalb die unausweichliche Frage: Wie geht es mit 60 und dem Sex weiter?

Man wird auf jeden Fall toleranter, je älter man wird. Es geht mehr um deine innere Beziehung zu dir selbst, wenn du 60 wirst. Es ist zum Beispiel nicht sehr wahrscheinlich, dass du noch ein Kind bekommst, was einen sehr viel ruhiger macht. Denn all diese Fragen fallen weg. Die Männer, die meinen, mit 65 noch Vater werden zu müssen, denen sage ich immer: Tut das nicht!

“Is There Still Sex in the City”? Candace Bushnells neues Buch ist jetzt auf Deutsch erschienen. © Quelle: Dumont

Von der Kolumne zur Kultserie

Candace Bushnell – den Namen kennen viele wohl aus dem Abspann von “Sex and the City”. Die HBO-Erfolgsserie, in der die Singlefreundinnen Carrie, Samantha, Miranda und Charlotte auf Manolos nach Liebe und Abenteuern in der Großstadt suchen, basiert auf Bushnells gleichnamiger Kolumne, die sie einst für “The New York Observer” schrieb. Die Figur der Carrie ist ein bisschen das Alter Ego Bushnells: blond, Autorin, geübter Single. So wie Carrie Bradshaw ging auch Bushnell mit 19 Jahren nach New York. Sie studierte und schrieb Kinderbuchgeschichten, für die sie jedoch keinen Verlag fand. Ihre Karriere begann sie als freie Mitarbeiterin bei unterschiedlichen Zeitungen. Nach ihrem Debütroman veröffentlichte sie noch “Lipstick Jungle” und die “Carrie Diaries”. In ihrem aktuellen Buch, das am 21. Juli in Deutschland bei DuMont erscheint, fragt die 61-Jährige stellvertretend für alle Frauen, die mittlerweile die 50 überschritten haben: “Is There Still Sex in the City?” (Gibt es noch Sex in der Stadt?) Ihre Antwort lautet “Ja”.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
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