Schutzmann im Himmel: Bewegender Abschied von Jan Fedder

  • 28 Jahre spielte Jan Fedder im „Großstadtrevier“ den Polizisten Dirk Matthies.
  • Im Michel verneigt sich die Hansestadt vor ihrem Hamburger Jung „mit dem großen Herzen und dem Sinn für Gerechtigkeit“.
  • Vor allem Witwe Marion Fedder bewegt mit ihren Worten.
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Hamburg. „So lange das Leben Spaß macht, kann man das auch weiter gerne machen“, sagte der lebenslustige Jan Fedder einmal. Zum 65. Geburtstag, so hatte er noch im November 2018 dem „Hamburger Abendblatt“ verraten, wünsche er sich einen Auftritt der britischen Hardrocklegende Deep Purple. Dann starb er an Krebs. Am Dienstag nun fand im Hamburger Michel die Trauerfeier für Fedder statt – am Geburtstag und wie gewünscht mit: Deep Purple. Direkt zu Beginn sang die Hamburger Sängerin Jessy Martens „Child in Time“.

Unter den 2000 geladenen Gästen waren nicht nur Familie und Freunde, sondern auch zahlreiche prominente TV-Gesichter: Moderator Jörg Pilawa, Schauspieler Ben Becker, Komiker Mike Krüger, Sänger H. P. Baxxter, „Großstadtrevier“-Kollege Till Demtrøder, Schauspieler Heinz Hoenig, Ex-NDR-Intendant Lutz Marmor und viele mehr. Menschen, die mit Fedder gearbeitet, gelebt, gefeiert hatten. Schon zuvor hatten Hunderte Hamburger draußen gewartet, um ihren Jan zu ehren. Für sie gab es draußen einen riesigen Bildschirm. In den vergangenen Tagen soll es noch zahlreiche Anfragen gegeben haben, wie man denn Karten für die Trauerfeier erwerben kann – man konnte nicht.

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Abschied von Jan Fedder
1:35 min
Trauerfeier in Hamburg: Familie, Freunde und Fans haben am Dienstag im Michel Abschied von Schauspieler Jan Fedder («Großstadtrevier») genommen.  © Thomas Kielhorn, Matthias Halbig/dpa
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Fedders Stimme erklingt zum Auftakt

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Zu Beginn des Trauergottesdiensts hörte man Fedders Stimme vom Band. Rauchig sang er die Seemannshymne „La Paloma“. Und bei der Zeile „Früh oder spät schlägt jedem von uns die Stunde“ standen vielen Trauergästen Tränen in den Augen. Um den Sarg herum verteilt lagen viele Kränze. Auf einer Staffelei stand ein Porträt des Schauspielers. Das berühmte Lächeln, daneben der Satz: „Fedder geht’s nicht.“

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Die Schauspielerin Uschi Glas kommt zur Trauerfeier für den Schauspieler Jan Fedder.  @ Quelle: Christian Charisius/dpa
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In dieser Kirche aller Hamburger Kirchen wollte er seine Trauerfeier haben. Hier im barocken Gepräge war Fedder getauft und konfirmiert worden, hier hatte er seine Frau Marion geheiratet. Und hier hatte er auch jedes Jahr die Weihnachtsgeschichte vorgelesen, wie Pastor Alexander Röder in seiner Ansprache betonte. „Er war so nervös, dass er in der Sakristei eine Zigarette nach der anderen geraucht hat“, erinnerte sich der Geistliche. „Verboten hat ihm das niemand – es hätte sich aber wohl auch niemand getraut.“

„Du warst meine Familie, mein Mann, mein Fels, mein engster Vertrauter, mein Alles“

Vom „großen Volksschauspieler“ war vor der Kirche oft die Rede. Das ist die Sorte Darsteller, deren Auftritte zwar Lokalkolorit versprühen, die aber Menschen im ganzen Land berühren. Dem Publikum erschien Fedder in den 22 Jahren als bruddeliger Bauer Brakelmann in „Neues aus Büttenwarder“ wie einer von nebenan. Und in den 30 Jahren als Dirk Matthies vom „Großstadtrevier“ war er ein TV-Polizist, den sogar die echten Polizisten liebten, wie es Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer im Michel zum Ausdruck brachte. Fedder – das war ein Original, ein Unverstellter und ein Freund. „Hauptberuflich bin ich Mensch. Nebenberuflich dann Schauspieler“, pflegte er zu sagen.

Fedder wird bleiben. Und wahrscheinlich wird es auch einen „Jan Fedder“-Platz geben. So will es die Hamburger CDU-Fraktion und reichte am Montagabend einen entsprechenden Antrag ein.

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„Der Himmel bekommt jetzt einen Schutzmann“, sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres. Die letzten, die bewegendsten Worte aber gehörten Fedders Witwe Marion: „Das ist der schwerste Gang, den ich je machen musste. Du warst meine Familie, mein Mann, mein Fels, mein engster Vertrauter, mein Alles. Es wird nie wieder jemanden geben so wie dich. (...) Einmal noch über die Reeperbahn, das hast du dir gewünscht. Und dann heißt es schlafen. Für eine lange, lange Zeit. Endlich Ruhe haben und träumen. Von all den schönen Dingen, die du erlebt hast. Mein geliebter Jan. Schlaf gut.“

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