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Schauspieler Sachs: „Ich habe mein ganzes Leben in der ‚Lindenstraße‘ verbracht“

  • 35 Jahre lang verkörperte Moritz A. Sachs den „Klaus Beimer“ in der „Lindenstraße“.
  • Im Interview mit RND.de spricht er über diese bewegende Zeit.
  • „Wie auch die anderen Schauspielerinnen und Schauspieler, die als Kinder angefangen haben, kann ich mich nicht mal an eine Zeit ohne ‚Lindenstraße‘ erinnern“, sagt er.
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Köln. Wie haben Sie den Tag erlebt, an dem Ihnen gesagt wurde, dass die „Lindenstraße“ eingestellt wird?

Ich bin morgens um 10.30 Uhr von Moritz Zielke, der den Momo spielt, angerufen worden. Er hatte eine Rundmail erhalten. Danach habe ich schnell noch meine Frau angerufen, habe mein Handy ausgeschaltet und bin zum Drehort gefahren. Das Team war geschockt und sehr traurig. Die Entscheidung fiel für uns sehr überraschend. Ab 13 Uhr haben wir dann Statements für Tageszeitungen, Presse und die „Tagesschau“ abgegeben. Das ging locker bis 21 Uhr. Danach habe ich mein Handy wieder ausgestellt, habe mir eine Flasche Wein geschnappt und bin zu meinen Kolleginnen und Kollegen gegangen, die sich in unserem Innenhof am Produktionsort versammelt hatten. Da haben wir dann bis morgens um sechs Uhr gefeiert. Diese Nachricht musste ja irgendwie verkraftet werden. Das war ein langer, harter Tag.

Im Allgemeinen wurde die Einstellung der „Lindenstraße“ sehr kritisch aufgenommen…

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Das stimmt. Was aber von Anfang an ein bisschen untergegangen ist, dass an der Sendung auch ganz viele Jobs dranhängen, die nun verloren gehen. Es gibt Leute, die teilweise seit 20 oder 30 Jahren bei uns arbeiten. Bei jedem anderen Betrieb, der geschlossen wird, geht es in der Berichterstattung darum, was mit den Mitarbeitern geschieht. Egal, ob das ein kleiner Betrieb von 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist, oder ob es um Opel und Schlecker geht. Bei uns wurde zunächst nur gesehen, dass das Produkt verschwindet. Das wäre vergleichbar mit: Das Ü-Ei wird abgeschafft. Da würde wahrscheinlich auch niemand über die Mitarbeiter reden. In unserer Branche ist es normal, von Format zu Format zu wechseln, aber wir sind eben eine Dauerserie und das seit fast 35 Jahren.

Welche schönen Szenen sind Ihnen nach all diesen Jahren ganz besonders hängen geblieben?

Natürlich der Kuss mit Iffi Zenker, die Ehe mit Nina, die Geburt von Mila. Und dann natürlich zu sehen, wie sie, meine Filmtochter, ein Teenager geworden ist. Ich muss immer noch schmunzeln, wenn ich daran denke wie Daniela, Philipp und Klaus mit viel Schampus gemeinsam in der Badewanne feiernd von Mutter Beimer, Else und Onkel Franz besucht werden. Es gibt so unglaublich viele Szenen und Drehtage, die ich in guter Erinnerung habe. Immerhin hab ich mein ganzes Leben dort verbracht. Für mich ist die Einstellung der „Lindenstraße“ sehr emotional. Wie auch die anderen Schauspielerinnen und Schauspieler, die als Kinder angefangen haben, kann ich mich nicht mal an eine Zeit ohne „Lindenstraße“ erinnern. Das wird mich sicher noch eine Weile beschäftigen.

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Gab es auch Szenen, an die Sie weniger schöne Erinnerungen haben?

Es gab ja diese Nazizeit von Klaus. Besonders heftig zu drehen war tatsächlich, in einer Wehrsportgruppe den Nazischwur zu leisten. Das haben wir nachts an einem Seeufer gedreht. Da steht man dann zwischen Bäumen um ein Lagerfeuer herum und ist umringt von den ganzen Komparsen und Teammitgliedern mit Bomberjacken und rasierten Köpfen. Das war schon sehr beängstigend, diesen Sog zu spüren. Wir haben dann halt dagegen angekämpft, indem wir in den Drehpausen Antifa-Lieder gesungen haben. Irgendwie mussten wir uns bei Laune halten, weil das echt eine beklemmende Atmosphäre war. Da merkt man mal, was für eine Power hinter so einem Schwachsinn steckt.

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Wissen Sie denn schon, was Sie beruflich als Nächstes machen werden?

Da gibt es verschiedene Optionen, die alle reizvoll und spannend sind. Als Schauspieler vor der Kamera zu bleiben, bietet sich an. Auf der anderen Seite muss ich ja auch weiterhin meine Miete zahlen. Auch Moderation würde mich reizen und Theater zu spielen käme in Frage. Aber ich habe ja auch immer schon hinter der Kamera gearbeitet. Vielleicht erfülle ich mir einen alten Berufswunsch und gehe wieder in Richtung Regie. Zurzeit schreibe ich mein Buch „Ich war Klaus Beimer – mein Leben in der Lindenstraße“, das Ende März 2020 erscheinen wird. Eine sehr spannende Aufgabe. Ich mache mir also keine Sorgen, dass ich zu wenig zu tun haben könnte. (lacht)

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