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Sara Nuru: „Meine Mutter ist ein sehr gutes Vorbild gewesen“

  • Von der GNTM-Gewinnerin zur Unternehmerin: Sara Nuru.
  • Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht die 31-Jährige über ihre Kaffeefirma, Mikrokredite und Vorbilder.
  • „Nach außen kann jeder toll aussehen. Aber es geht eher darum, wie jemand durchs Leben geht. Da ist meine Mutter ein sehr gutes Vorbild gewesen“, sagt Nuru.
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2009 gewann Sara Nuru die Castingshow „Germany’s next Topmodel“. Doch seitdem ist viel passiert. Die mittlerweile 31-Jährige hat mit ihrer Schwester eine eigene Firma gegründet und setzt sich aktuell für die Kampagne „Fairness darf kein Luxus sein“ ein, um die Kaffeesteuer auf fairen Kaffee abzuschaffen.

Frau Nuru, Ihr Sieg bei „Germany’s Next Topmodel“ liegt mittlerweile elf Jahre zurück. Was würden Sie – rückblickend betrachtet – der Sara sagen, die 2009 die Show gewonnen hat?

Ich habe das alles sehr genossen und sehr gesund angenommen. Man kann sich in diesem ganzen Rummel – plötzlich in der Öffentlichkeit zu sein – sehr verlieren. Denn diese Anonymität, die sehr kostbar ist, war auf einmal weg. Aber man definiert sich nicht darüber, dass einen andere plötzlich toll finden. Wenn ich mein altes Ich treffen würde, würde ich ihm sagen: „Das hast du ganz gut gemacht.“ Denn ich habe mich vor allem ganz gut geschützt. Alle Entscheidungen haben mich dahin geführt, wo ich heute bin. Dazu gehören auch Fehler, die man gemacht hat. Natürlich gibt es ein paar Dinge, die ich entspannter hätte sehen können. Vielleicht hätte ich nicht zu streng zu mir sein müssen und einige Dinge mehr genießen müssen.

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Sie sind heute ein Vorbild für viele jüngere Mädchen und junge Frauen. Welche Vorbilder hatten Sie, als sie 17, 18 Jahre alt waren?

Ich bin in einem Frauenhaushalt aufgewachsen. Meine Mutter ist das beste Beispiel dafür, was es bedeutet, mit nichts irgendwo anzukommen, aber das Beste daraus zu machen. Das Glas immer lieber als halb voll anzusehen als halb leer. Das ist eine Lebenseinstellungen, die ich erstrebenswert finde. Immer das Beste aus einer Situation zu machen, so schlimm sie auch sein mag. Ich könnte jetzt natürlich Vorbilder nennen, die ich mal im Fernsehen gesehen habe, aber ich kenne diese Menschen nicht wirklich. Nach außen kann jeder toll aussehen. Aber es geht eher darum, wie jemand durchs Leben geht. Da ist meine Mutter ein sehr gutes Vorbild gewesen.

Wenn Sie heute nach Ihrem Beruf gefragt werden, was antworten Sie dann? Unternehmerin oder Model?

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Unternehmerin. Auch wenn ich immer mal wieder modele, deckt diese Bezeichnung alles ab. (lacht) Ich habe 2017 mit meiner Schwester Sali nuruCoffee gegründet und gehe seitdem neue Wege. Auf Veranstaltungen werde ich zwar immer mal wieder als „GNTM“-Siegerin von 2009 angekündigt, aber das ist auch völlig okay. Mein Sieg hat mir immerhin erst die ganzen Türen geöffnet.

Heute gehören aber mehr Leute zu Ihrer Firma. Oder?

Wir haben das viel zu lange nur zu zweit gemacht, aber wir mussten erst mal in dieses Business hineinwachsen, weil wir anfangs gar nicht wussten, wie so etwas überhaupt funktioniert. Wir sind mittlerweile ein siebenköpfiges Team. Meine Schwester kümmert sich um das operative Geschäft. Alles, was mit Logistik, Verpacken und Versenden zu tun hat. Ich bin mit Marketing, Kommunikation und Vertrieb eingedeckt. Ein Unternehmen zu gründen ist das eine, aber es auch tatsächlich zu führen, ist noch mal eine viel größere Herausforderung. Es ist viel, viel anstrengender als alles, was ich bisher gemacht habe. (lacht) Aber das Ergebnis ist eine viel größere Erfüllung. Wir unterstützen zum Beispiel 116 Frauen in Äthiopien mit einem Mikrokredit. Das treibt uns jeden Tag an, weiterzumachen. Auch wenn wir oft genug kämpfen müssen.

Wie funktionieren diese Mikrokredite?

Die Frauen, denen wir einen Kredit geben, kriegen fünf Tage lang Schulungen. Aber genau diese Schulungen, die von Sozialarbeitern gemacht werden, müssen bezahlt werden. Die müssen irgendwo wohnen. Wir sind zwei bis drei Mal pro Jahr in Äthiopien. Zum einen für den Kaffeeankauf, aber auch, um sich diese Projekte anzuschauen. Innerhalb von 24 Monaten zahlen die Frauen einen Kredit zurück. Das Geld bekommen aber nicht wir, sondern das fließt in sogenannte „Women Associations“. So wird der Topf dieser Associations immer größer, sodass die Frauen, wenn sie ihren zweiten Kredit haben wollen, das Geld dafür gar nicht mehr von uns bekommen, sondern aus dem Topf, den sie selber aufgefüllt haben.

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Nun setzen Sie sich mit einer Petition dafür ein, dass die Kaffeesteuer wegfallen soll.

Die Petition, die ich gemeinsam mit der Entwicklungsorganisation ONE ins Leben gerufen habe, ist nun online gegangen und jetzt hoffen wir, dass wir bis zu den Wahlen im Februar/März ganz viele Stimmen bekommen, sodass wir Druck aufbauen können und einen offenen Brief mit den ganzen Unterschriften an Bundesfinanzminister Scholz überreichen können. Der Wegfall der Steuer auf fair gehandelten Kaffee kommt nicht nur den Produzenten in den Anbaugebieten und uns Produzenten, sondern auch den Konsumenten zugute. Es hat auch umwelttechnisch einen Vorteil, weil die Regierung sich zum Ziel gemacht hat, sich den Klimazielen der UN anzupassen. Die Menschen, die die Arbeit leisten, sollen fair entlohnt werden. Aber man muss erst mal definieren, was fair überhaupt bedeutet. Deshalb braucht es im ersten Schritt staatliche Regelungen, die das definieren, um darauf anschließend die Steuern setzen zu können.

Hat die Corona-Pandemie Ihrem Kaffee-Geschäft geschadet?

Da wir unseren Kaffee primär online vertreiben, sind unsere Geschäfte eher gestiegen. Die Menschen verbringen mehr Zeit zu Hause und merken, dass sie oftmals keinen guten Kaffee haben. Unsere Gesellschaft ist normalerweise eher auf Coffee-to-go ausgerichtet. Dadurch, dass wir unseren Fokus eher auf den Endkonsumenten haben anstatt auf stationäre Cafés, hatten wir keinen Einbruch. Wir mussten auch nicht auf Digitalisierung umstellen. Diese ganze Infrastruktur hatten wir bereits vorher. Für uns wird es jetzt spannend zu sehen, ob die vielen Neukunden zu Dauerkunden werden.



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