Richard Branson: Das wilde Wunderkind wird 70

  • Am 18. Juli feiert Sir Richard Charles Nicholas Branson seinen 70. Geburtstag.
  • Der Sohn eines Anwalts und einer Stewardess wirkt wie ein Getriebener.
  • Schon im Alter von elf Jahren züchtete und verkaufte er Wellensittiche, um Geld zu verdienen.
Katrin Pribyl
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London. Richard Branson schert sich in der Regel nicht besonders darum, was die Welt von ihm hält. Der schillernde Unternehmer macht vielmehr, was er will, und verfolgt beharrlich sein Motto: “Screw it, let’s do it”, was man als “Geht nicht, gibt’s nicht” übersetzen kann, oder auch als “Pfeif drauf, lasst es uns anpacken”. Letztere Version dürfte am besten auf den einst als jungen Wilden der britischen Wirtschaft gepriesenen Geschäftsmann passen, der zwar nicht mehr ganz so jung, aber trotzdem wild geblieben ist. Kaum jemand beherrsche die Kunst der Selbstvermarktung und der öffentlichkeitswirksamen Kampagnen so sehr wie Branson, heißt es über ihn.

Eigenwerbung als Kern seiner Managementphilosophie? Oder ist er lediglich ein Blender, wie Kritiker anführen? Mit seiner Virgin Group hat der locker daherkommende Brite ein regelrechtes Imperium geschaffen – mit einer Flug-, einer Tourismus- sowie einer Plattengesellschaft, mit Kosmetik, Radiosendern, Getränken, einer Eisenbahngesellschaft, Einzelhandels-, Mobilfunk- und Finanzangeboten. Am 18. Juli feiert Sir Richard Charles Nicholas Branson seinen 70. Geburtstag.

Branson hatte bislang kein gutes Jahr

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Er hatte bislang kein gutes Jahr. Erst im April bettelte er – vergeblich – um staatliche Hilfen für seine Airline Virgin Atlantic, die unter der Coronavirus-Krise leidet. Das kam im Königreich äußerst schlecht an – und das nicht nur, weil er vor einem Jahrzehnt, als der Konkurrent British Airways in Schieflage geriet, meinte, “Verlust machende und ineffiziente Gesellschaften sollte man gegen die Wand fahren lassen”. Die Briten empörten sich vor allem darüber, dass Branson seine Mitarbeiter in unbezahlten Urlaub schickte und gleichzeitig auf Unterstützung der Regierung hoffte.

Es sei inakzeptabel, dass in einer Zeit der nationalen Krise “reiche Milliardäre das System melken”, monierte der Schattenfinanzminister von Labour, John McDonnell. In einer Petition forderten mehr als 600.000 Unterzeichner, Branson solle versuchen, die Airline erst mal mit seinem Privatvermögen zu retten. Diese Woche hat die Fluggesellschaft mit ihren Anteilseignern, Investoren und Gläubigern schlussendlich einen Rettungsdeal vereinbart. Branson will außerdem Anteile an seinem Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic verkaufen, obwohl er damit die Mehrheit an der Firma verliert. Das ist deshalb bemerkenswert, weil sie eine Herzensangelegenheit für den extrovertierten Briten darstellt.

Der von der Abenteuerlust getriebene Visionär, der gern mit waghalsigen Mutproben und Weltrekorden Schlagzeilen macht, will seit Jahren Reisen ins All anbieten. Doch das Projekt wurde immer wieder aufgrund von Pannen verschoben und erlitt 2014 einen Rückschlag, als bei einem Testflug ein Pilot starb. Den Optimismus von Branson, dessen Vermögen vom Magazin Forbes auf umgerechnet 3,7 Milliarden Euro geschätzt wird, sollte das nicht trüben. Die Arbeit an der Umsetzung seines Traums, Weltraumflüge für Touristen anzubieten, geht weiter. Wenn Bransons Image in den vergangenen Monaten Kratzer bekommen hat, dann auch, weil seine jüngsten Rufe nach finanzieller Unterstützung ausgerechnet aus der Karibik in das von der Pandemie besonders betroffene Königreich hallten.

Dort besitzt der Mann mit dem Vollbart und den bis heute noch leicht blonden Locken eine Privatinsel, wo er nicht nur mit seiner zweiten Ehefrau hauptsächlich lebt, sondern auch seine Holding ansässig gemacht hat. Netter Nebeneffekt: Er bezahlt auf den steuerbefreiten Britischen Jungferninseln, zu der Necker Island gehört, keine Einkommenssteuer. Lebt der Vater von zwei erwachsenen Kindern deshalb fernab der Heimat? “Ich hatte das große Glück, in meiner Karriere so viel Reichtum anzuhäufen, mehr, als ich zu meinen Lebzeiten brauche, und würde nicht irgendwo nur aus Steuergründen leben, wo ich nicht leben will”, verteidigte sich der leidenschaftliche Speedboot-Fahrer, Segler und Kitesurfer.

Bransons Insel gilt als Luxusparadies und Partyort für die Reichen und Prominenten dieser Welt. Ob Prinzessin Diana, Barack Obama, Mariah Carey, Kate Moss, Robert De Niro oder Nelson Mandela – die Gästeliste liest sich wie ein Who’s who der Promiszene. Immerhin, in deren Gesellschaft scheint Branson sich am wohlsten zu fühlen. Und manche von ihnen hat er erst zu Stars gemacht. Zu den mehr als 400 Unternehmen, die er über die Jahre gegründet hat, gehört die Plattenfirma Virgin Records, mit der er in den 60er-Jahren das Musikgeschäft aufwirbelte. Er produzierte für die Sex Pistols, Phil Collins oder auch die Rolling Stones.

Der Sohn eines Anwalts und einer Stewardess wirkt wie ein Getriebener. Von seinen Ideen. Von seiner Energie. Von seinem Geschäftssinn. Schon im Alter von elf Jahren züchtete und verkaufte er Wellensittiche, um Geld zu verdienen. Mit 17 gründete er ein Studentenmagazin, für das er hochkarätige Schreiber wie John le Carré für kostenlose Beiträge gewinnen konnte. Es wurde ein Flop, aber was soll’s? Zuvor hatte er schon die Schule geworfen. Sein ehemaliger Rektor verabschiedete ihn in die weite Welt mit der Prophezeiung, er würde entweder im Gefängnis landen oder aber Millionär werden. Richard Branson wurde Multimilliardär.

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