Rapperprozesse: Fler, Gzuz, Bushido und das Gesetz

  • Mehrere Deutschrapper sind dieses Jahr in Gerichtsprozesse verwickelt.
  • Neben Gzuz und Bushido beginnt nun ein Gerichtsverfahren um Fler.
  • Alle drei gerieten auch in der Vergangenheit schon mit dem Gesetz in Konflikt.
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Grenzüberschreitungen im Deutschrap sind kein neuer Trend: Sexismus, Antisemitismus und die Verherrlichung von Drogen sind in den Texten einiger Gangsterrapper ein ebenso großer Bestandteil wie fette Beats und fette Reime. Doch besonders die Grenze zwischen Recht und Unrecht überschreiten manche Rapper mutmaßlich auch fernab ihrer Songs.

Acht Anklagen

So steht der Rapper Fler (38) aktuell vor Gericht – der Prozess im Amtsgericht Berlin-Tiergarten begann am Mittwoch. Die Staatsanwältin verlas laut der Deutschen Presse-Agentur acht Anklagen: Beleidigung, versuchte Nötigung, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Sachbeschädigung und verbotene Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen.

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Die Berliner Staatsanwaltschaft gehe davon aus, dass Fler immer wieder verschiedene Menschen verunglimpft und beleidigt habe. Darunter einen anderen Rapper sowie dessen Ehefrau, einen Polizisten und einen Journalisten. Außerdem soll Fler im September letzten Jahres in eine Verkehrskontrolle verwickelt gewesen sein und den anwesenden Polizisten gefilmt und das Material auf Social Media verbreitet haben. Zudem habe er Fotos einer gegen ihn gerichteten Anklageschrift im Netz hochgeladen und diese damit vor der Verhandlung öffentlich gemacht.

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Fler, der bürgerlich Patrick Losensky heißt, schweigt zu den Vorwürfen und lässt seinen Verteidiger für sich sprechen: Dieser erklärte, es gehe um „viele kleine Delikte“. Außerdem seien Beleidigungen im Rappermilieu üblich und Ausdruck der künstlerischen Freiheit. Bevor der Prozess am Mittwoch begann, erklärten Flers Anwälte bereits, dass ein „erheblicher Teil der Tatvorwürfe“ unzutreffend, verfälscht oder aus dem Kontext gerissen sei.

Schon in der Vergangenheit geriet Fler mit dem Gesetz in Konflikt, damit gibt der Deutschrapper regelrecht an. So zeigte er seinen Fans 2014 auf Facebook einen Teil seines Führungszeugnisses, dazu schrieb er „bis zum 03.05.16 noch auf Bewährung“. Auf dem Führungszeugnis sind mehrere Einträge zu sehen, darunter auch „Beleidigung in drei Fällen“.

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„Wer, wenn nicht Sie gehört in den Knast?“

Im September 2020 wurde der Hamburger Rapper Gzuz zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Dem 32-Jährigen wurden Drogenbesitz, Körperverletzung, Diebstahl und Verstöße gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Der Amtsrichter Johann Krieten sagte dem Mitglied der Hip-Hop-Gruppe 187 Strassenbande während des Prozesses: „Sie inszenieren sich als Gangsterrapper und wollen als Straftäter behandelt werden. Jetzt werden Sie als Straftäter gewürdigt." Der Amtsrichter fügt hinzu: „Wer, wenn nicht Sie gehört in den Knast?“

Der Fernsehanwalt Stefan Posch verteidigte Gzuz, der eigentlich Kristoffer Jonas Klauß heißt, in dem Gerichtsverfahren. Posch forderte, Gzuz freizusprechen. „Bei jedem anderen im Saal wäre ein solches Verfahren eingestellt worden“, erklärte Posch. Nicht jedoch bei seinem Mandanten, der als „Staatsfeind“ und „böser Gangsterrapper“ gelte. Laut Posch habe Gzuz sich darüber hinaus bei allen Betroffenen entschuldigt.

Rapper Gzuz (bürgerlich Kristoffer Jonas Klauß) sitzt in einem Gerichtssaal im Landgericht. © Quelle: Daniel Reinhardt/dpa

Haft- und Geldstrafe für Gzuz

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Auch bei diesem Rapperprozess verwies der Verteidiger wieder auf die Kunst. Wie die dpa berichtet, wurde während des Prozesses ein Musikvideo gezeigt. Posch sagte, es ist für das Gericht wohl „schwer zu ertragen, dass es sich vielleicht um Kunst handelt“.

Neben der Gefängnisstrafe muss Gzuz auch 300 Tagessätze à 1700 Euro ableisten. Das entspricht einer Summe von 510.000 Euro. Ob ihn das finanziell treffen werde, ist eine andere Frage. Mit ihren Alben landet die Gruppe 187 Strassenbande regelmäßig in den Charts, auch die Solomusik von Gzuz ist sehr erfolgreich. Posch kündigte an, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen.

Es wäre aber nicht die erste Gefängnisstrafe für Gzuz: Schon 2011 wurde er wegen Diebstahl und Körperverletzung zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.

Zivil- und Strafprozess

In den letzten Jahren sorgte vor allem Bushido (42) und sein Zerwürfnis mit einem Berliner Clanchef für Aufsehen. Vor wenigen Tagen gewann Bushido, bürgerlich Anis Ferchichi, gegen seinen Kontrahenten einen Zivilprozess um Immobilien. Wie die dpa berichtet, gründete Bushido ursprünglich mit dem Clanchef eine Gesellschaft für das Immobiliengeschäft. Nachdem es zum Streit kam, löste Bushido die Gesellschaft auf.

In dem Zivilprozess beantragte er, als alleiniger Besitzer im Grundbuch eingetragen zu werden. Der Rapper gewann, allerdings muss er dem Clanchef 126.000 Euro plus Zinsen Entschädigung zahlen.

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Außerdem läuft momentan ein Strafprozess am Berliner Landgericht. Dem Clanchef werden unter anderem versuchte schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Drei seiner Brüder sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt. Es sei zu Straftaten gekommen, nachdem Bushido 2017 die Geschäftsbeziehungen zu dem Clanchef aufgelöst habe. Dieser habe das nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Millionenzahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert. Bushido soll bedroht, beschimpft, eingesperrt und attackiert worden sein.

Geldstrafen wegen Beleidigung

In der Vergangenheit musste Bushido mehrfach Geldstrafen wegen Beleidigung zahlen. Aktuell ermittelt die Potsdamer Staatsanwaltschaft in Brandenburg gegen den Rapper: Er soll andere Mittäter angestiftet haben, seine Villa in Kleinmachnow Ende 2013 anzuzünden. Wann es zum Abschluss des Ermittlungsverfahrens kommt, ist noch offen. Bis zu einem rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung.

RND/am/dpa

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