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Ralf reicht’s: „Gladiator“ Moeller und der Kampf für einen Impftermin

  • Ralf Moeller war Bademeister, «Mr. Universum» und ist fast zwei Meter groß.
  • Recklinghausen verließ er, um seinen Träumen zu folgen.
  • Den Lockdown verbringt er nun bei seinen Eltern - und lernt, dass es Dinge gibt, die sich nicht mit Willen und Bizeps richten lassen.
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Recklinghausen. Ralf Moeller öffnet die Tür und ist aufgebracht. „Ihr müsst euch nur mal vorstellen, wenn ich jetzt nicht hier wäre“, sagt er und hilft seiner Mutter Ursula, die hinter einem Rollator herzuckelt, drei mühsame Stufen auf die Straße hinunter. So sei das ja offenbar gedacht, sagt Moeller: Dass eine 84-Jährige selbstständig zu einem Termin in ein Impfzentrum aufbrechen soll, am besten per Taxi. Moeller hält das für weltfremd. Auch wenn seine Mutter ja noch einigermaßen beweglich sei. „Komm‘ Mutter. Ganz einfach: rollen! Was de‘ immer machst“, sagt er. Vater Helmut, 91 Jahre alt, taucht kurz darauf an der Tür des geklinkerten Hauses in Recklinghausen auf. „Vatter, langsam. Vorsichtig!“, mahnt Ralf.

Moeller brach vor Jahrzehnten aus Recklinghausen auf, um in Amerika Karriere zu machen. Zu seinem größten Erfolg wurde seine Rolle als germanischer Schwertkämpfer Hagen in dem Staub-, Schweiß- und Sandalen-Film „Gladiator“ (2000). Aktuell kämpft der 62-Jährige einen anderen Kampf. Er will, dass seine Eltern - die Mutter einst Schuhverkäuferin, der Vater Schweißer und Schlosse - durch die Corona-Pandemie kommen. Dass sie geimpft werden. Das Problem: Die Gemengelage ist weitaus unübersichtlicher als in einer römischen Arena. Und das frustriert.

Moeller wohnt eigentlich in Los Angeles

Moeller bittet ins Haus, allerdings ohne Schuhe. Den ganzen Matsch von draußen, den will er nicht hier drin haben. Er lebt seit August in der oberen Etage, seine beiden Eltern unten. Wenn er früher in Deutschland gewesen sei, dann habe er hier mal zwei oder drei Tage verbracht, sagt er. Eigentlich wohnt er ja in Los Angeles. „Nimmste Kaffee mit Milch, oder was?“, fragt er. Milch hat er da - für Gäste. Er selbst ist Veganer. Gerne hätte er auch veganen Kuchen angeboten. „Aber leider ist der Bäcker auch pleite gegangen.“

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Moeller war ursprünglich für einen Dreh zur Action-Komödie „Kung Fury 2“ nach Deutschland gekommen, der sich wegen der Pandemie aber verzögerte. Seitdem hat er sein Lager im Ruhrgebiet aufgeschlagen. Er will auf jeden Fall bleiben, bis seine Eltern geimpft sind. Aber je mehr er sich mit dem Thema beschäftigt, desto mehr regt es ihn auf. Ihm ist das Alles politisch zu verdruckst und zu langsam.

1986 wurde Moeller zu „Mister Universum“

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„Hätten die mal gesagt: Leute, richtet euch mal auf Ostern ein. Aber nicht alle drei oder vier Wochen große Gipfel veranstalten und den Leuten versprechen, dass sich etwas tut“, sagt Moeller. „Nicht mal zu sagen: Mensch, ich habe einen Fehler gemacht.“ Eigentlich war Moeller Merkel-Fan. „Aber was sie da in den letzten Monaten abzieht ist enttäuschend“, sagt er. Die Sätze ähneln Schwerthieben.

Moeller hat zum Beispiel die Nummer der Impf-Hotline angerufen. Da sei er zunächst „irgendwo nach Sachsen“ vermittelt worden, sagt er. Als er dann in Nordrhein-Westfalen ankam, habe er Dinge erfahren, die er schon aus den Nachrichten gewusste habe: Es komme ein Schreiben. Moeller hält das für eine Hinhaltetaktik. Er hat darüber zum Beispiel auch schon im „Spiegel“ berichtet. Er sagt aber, es gehe nicht um ihn. Es gehe um den „Kampf für die Alten“. Für die hätte man viel früher Impfstoff organisieren müssen.

Moeller ist nicht in dieser Gegend von Recklinghausen groß geworden, sondern in einem Arbeiterviertel, wie er fast stolz erzählt. In seiner Heimatstadt wurde er Schwimmmeister. Als Bodybuilder begann eine Reise um die Welt, 1986 wurde er zum „Mr. Universum“ gekürt. 1988 hatte er eine Rolle (Beschreibung in der Wikipedia: „Blonder Hüne“) in einem Schimanski-„Tatort“. Wenig später gelang der Sprung in die USA. Moeller war oft gefragt, wenn ein Drehbuch vorsah, dass ein Teutone einem anderen auf die Nuss hauen soll.

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Moeller sagt, er habe nie auf die Dinge gewartet, sondern sie selbst geregelt. Bald kommt ein Buch von ihm heraus, es heißt „Erstma' Machen!“. Das Gespräch steuert irgendwann organisch auf seine Oberarme zu. Moeller erklärt: „Wenn ich 18 Wiederholungen mache: Da habe ich Schmerzen im Bizeps.“ Dann aber noch vier oder fünfmal durchzuziehen - „das macht dich zum Champion“. Momentan trainiert er notgedrungen alleine in einem Fitnessgeräte-Ausstellungsraum.

Wenn es nach Moeller ginge, wäre die Sache klar: Die Alten werden zu Hause geimpft. „Wir haben genügend Kühlautos. Da packste die Dinger rein, dann fährste vor“, sagt er. Die Adressen dürften doch vorliegen. „Wir sind doch das Land der Zahlen! Wir wissen doch alles genau!“ Man könne doch „ruckzuck“ herausfinden, wo im Kreis Recklinghausen die Alten wohnten. „Also knack - und hin.“

Eigentlich sieht er seinen Lebensinhalt in Amerika, wo zum Beispiel seine Töchter leben. Vorvergangene Weihnachten habe er noch mit Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone, Leonardo DiCaprio und Al Pacino gefeiert. Diesmal war er bei Ursula und Helmut, deren Rollatoren Moeller an diesem Tag durchgehend als „Rollers“ bezeichnet, englisch ausgesprochen. „War aber auch schön“, sagt er. „Wahrscheinlich werde ich später zurückblicken und sagen: Mensch, super. Ich habe diese letzten Monate mit den Eltern verbracht.“

Tatsächlich hat Moeller nun auch einen Impftermin für die beiden - am 17. März. Ein Bekannter hat ihm bei der Online-Anmeldung geholfen, weil Moeller in Sachen Internet nach eigener Auskunft nun „auch nicht der große Zampano“ ist. Er glaubt noch nicht komplett daran, dass der Termin gehalten wird. Zudem überlegt er, wie er die beiden „Rollers“ in sein Auto kriegen kann. Angesichts der Ausmaße des schwarzen Geländewagens vor dem Haus erscheint immerhin das wie ein Problem, das sich konsequent anpacken lässt.

RND/dpa

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