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Geschworene im R.-Kelly-Prozess: Wie bleiben sie anonym und werden vor Beeinflussung geschützt?

  • Im Prozess gegen Superstar R. Kelly müssen die Geschworenen nun entscheiden, ob er schuldig ist.
  • Doch wie wird die Jury vor Beeinflussung bewahrt? Kelly soll in einem früheren Prozess schon mal versucht haben, auf Zeugen und Geschworene einzuwirken.
  • Deshalb sollte die jetzige Jury anonym bleiben. Aber geht das überhaupt?
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Der Missbrauchsprozess gegen R. Kelly (54) steht kurz vor dem Urteil: Die Geschworenen müssen nun über Schuld oder Unschuld des früheren Superstars entscheiden. Nach Beendigung der Abschlussplädoyers könnten die sieben Männer und fünf Frauen der Jury möglicherweise schon am Freitag mit ihren Beratungen beginnen.

Doch wie funktioniert das eigentlich mit einer Geschworenenjury im Prozess gegen einen Prominenten, den jede und jeder schon aus den Medien kennt? „Während des Auswahlverfahrens für die Geschworenen, dem so genannten ‚voir dire‘, dürfen die Anwälte der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung den angehenden Geschworenen Fragen stellen“, erklärt Professor Dr. Kirk W. Junker vom Lehrstuhl für US-amerikanisches Recht an der Uni Köln dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) das Verfahren.

„Menschen müssen keine unabhängige Maschine werden“

Sie könnten etwa fragen, ob der potenzielle Geschworene von R. Kelly gehört habe, eine Meinung zu ihm habe und ob er Kelly ein faires Verfahren gewähren könne, obwohl er von ihm gehört habe. „Solange der Geschworene sagt, dass er nicht voreingenommen ist und einen fairen Prozess führen kann, kann er Mitglied der Jury sein“, erklärt Junker, der vor seiner Professur in Köln auch an US-Universitäten tätig war. Er betont: „Die Menschen müssen als Geschworene keine sozial abgeschaltete Maschine werden.“

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Im Fall Kellys wurden die Geschworenen bereits gefunden – und müssen nun eine Entscheidung fällen. Doch der angeklagte Superstar kennt ihre Namen nicht. Denn: Einem Antrag der Staatsanwaltschaft zu Prozessbeginn, in dem sie gefordert hatte, dass die Jury anonym bleibt, wurde stattgegeben. „Die Einsetzung einer anonymen Jury ist angesichts der Schwere der Vorwürfe, der Vorgeschichte des Angeklagten in Bezug auf die Behinderung von Gerichtsverfahren, des Potenzials zur Einschüchterung der Geschworenen und der Intensität des Medieninteresses an diesem Fall angemessen“, schrieb Richterin Ann Donnelly laut CNN damals zur Begründung. Die Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, dass Kelly versucht habe, Zeugen und Geschworene bei einem früheren Prozess zu beeinflussen. Die Vorwürfe des Missbrauchs Minderjähriger und erwachsener Frauen gegen den Sänger reichen bis in die Neunzigerjahre zurück.

Wie können Geschworene anonym bleiben?

Doch wie können die Geschworenen anonym bleiben, wenn sie doch vor Gericht auftreten müssen? „Die Geschworenen werden vor Gericht nicht mit Namen angesprochen, sondern nur mit ‚Juror 1‘, ‚Juror 2′, und so weiter“, erklärt Junker. Natürlich sehe Kelly im Prozess aber ihre Gesichter. Komplett anonym sind sie also nicht.

Kelly ist nicht der erste, der versucht hat, Geschworene oder auch Zeugen zu beeinflussen. „Viele Kriminelle haben schon versucht, Geschworene zu bestechen oder bedrohen“, so Junker. Für ihn sei so ein Vorgehen immer ein Indiz dafür, dass die Angeklagten tatsächlich etwas Strafbares gemacht haben. In einem Treffen mit den Richtern würden die ausgewählten Mitglieder der Jury auch darauf hingewiesen, dass das passieren könne, dass es aber strafbar sei, sich beeinflussen zu lassen.

Werden die Geschworenen beschützt?

In Aufsehen erregenderen Fällen und solchen, wo so eine Beeinflussung zu befürchten sei, könne es deshalb auch vorkommen, dass die Geschworenen für die Zeit des Prozesses in einem Hotel untergebracht und unter Polizeischutz gestellt werden, berichtet US-Rechtsexperte Junker. „Das ist auch vorstellbar im Fall Kelly“, meint er. Ob es tatsächlich aktuell der Fall ist, kann er nicht sagen. Über den Prozess hinaus werde Geschworenen aber kein Schutz geboten.

Geschworener zu werden, ist übrigens keine freiwillige Sache. „Das genaue System ist in jedem Bundesstaat anders“, erklärt Junker. Jedoch würden normalerweise Menschen anhand von staatlicher Listen zu Anhörungen für eine Geschworenenauswahl eingeladen. „Wenn man nicht erscheint, macht man sich strafbar“, so der Jura-Professor. Allerdings könne man sich etwa durch eine Bescheinigung des Arbeitgebers befreien lassen, wenn der einem attestiere, dass man keine Zeit habe.

Trotzdem hält Junker das Geschworenensystem in den USA für sinnvoll, auch im Fall von Prominenten, wo die Angeklagten keine Unbekannten sind: „Die Geschworenen nehmen ihre Aufgabe in der Regel sehr ernst“, sagt er. Auch wenn das in US-Serien oder -Filmen manchmal anders dargestellt werde. „Ihre Aufgabe ist es, die Tatsachen zu beurteilen, kein juristisches Urteil zu fällen“, sagt er. Und das könnten zwölf Geschworene seiner Meinung nach besser als ein Richter allein.

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Kelly wegen Ausbeutung Minderjähriger, Kidnapping und Bestechung angeklagt

Kelly, der unter anderem wegen sexueller Ausbeutung Minderjähriger, Kidnapping und Bestechung angeklagt ist, hat im Prozess selbst nicht ausgesagt, hat bisher aber immer alle Schuld von sich gewiesen. Bei einer Verurteilung drohen dem Musiker, der seit seiner Festnahme im Sommer 2019 im Gefängnis sitzt, eine Haftstrafe von zehn Jahren bis lebenslang.

Erste Anschuldigungen gegen den 1967 in Chicago als Robert Sylvester Kelly geborenen Musiker wurden bereits vor rund 25 Jahren bekannt. 2008 stand er wegen des Besitzes von Bildern schweren sexuellen Kindesmissbrauchs vor Gericht – und wurde freigesprochen.

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