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Prinz Charles drängt Australiens Premier zur Teilnahme am UN-Klimagipfel

  • Bisher zeigte sich Australiens Premier­minister Scott Morrison unschlüssig, ob er am UN-Klimagipfel in Glasgow teilnehmen sollte.
  • Doch nun drängt ihn Prinz Charles zu einer Zusage.
  • Der Royal warnt vor den „katastrophalen“ Auswirkungen auf den Planeten, sollten keine ehrgeizi­geren Maßnahmen beschlossen werden.
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London. Bisher zeigte sich Australiens Premier­minister Scott Morrison eher unentschlossen, wenn es um die UN-Klima­konferenz COP26 im schottischen Glasgow im November ging. Während einer Reise in die USA im vergangenen Monat sprach er darüber, möglicherweise nicht selbst teilnehmen zu wollen. Anfang Oktober kommentierte er, dass er nach einer weiteren Auslandsreise zum vierten Mal innerhalb von sechs Monaten zwei Wochen in Quarantäne müsste.

Doch nun hat der liberal­konservative Politiker Druck vom britischen Königs­haus erhalten. In einem BBC-Interview drängte Prinz Charles den Regierungs­chef zur Teilnahme. Auf den Kommentar des Moderators, dass Morrison sich nach wie vor nicht sicher sei, ob er es zum Treffen in Glasgow schaffe, fragte der älteste Sohn der britischen Monarchin erstaunt nach: „Sagt er das?“, und erklärte dann, warum er so hart gekämpft habe, die Regierungs­chefs der Welt zur Teilnahme zu ermutigen. „Der Punkt ist, dass dies eine letzte Chance ist“, sagte er. „Wenn wir die jetzt wichtigen Entschei­dungen nicht wirklich treffen, wird es fast unmöglich sein aufzuholen.“

Teilnahme Morrisons am UN-Klima­gipfel nach wie vor eine Option

In dem Interview warnte der britische Thronfolger vor einer „Katastrophe“ und sagte: „Es fängt bereits an, katastrophal zu sein, denn nichts in der Natur kann den Stress, der durch diese Wetter­extreme entsteht, überleben.“ Gleichzeitig sagte er, dass er mit Klimaaktivisten sympathisiere, doch er wünsche sich „konstruktivere anstatt destruktive“ Methoden.

Ob der Druck von der einstigen Mutter Groß­britannien ein Umdenken in Australien bewirken kann, bleibt abzuwarten. Immerhin ist die britische Königin Elizabeth II. nach wie vor das australische Staats­oberhaupt. Laut der Nachrichten­webseite „News.com.au“ haben Regierungs­quellen in Australien bereits angedeutet, dass die Teilnahme Morrisons am UN-Klimagipfel durchaus nach wie vor eine Option sei. Die Entscheidung werde aber nicht von der Intervention des britischen Thronfolgers beeinflusst.

Australien macht wenig Anstalten, bisherige Klima­ziele aufbessern zu wollen

Bisher hat Australien wenig Anstalten gemacht, seine bisherigen Klimaziele aufbessern zu wollen. Auch ein Null­emissions­ziel bis 2050 ist bisher nicht gesetzt worden, obwohl Gespräche innerhalb der Regierungs­koalition stattfinden. Dass Premierminister Scott Morrison kein Freund der Klima­bewegung ist, ist bekannt. Legendär ist, wie er 2017 ein Stück Kohle ins Parlament brachte, um die Energiepolitik der sozial­demokratischen Opposition mit den Worten zu verhöhnen: „Das ist Kohle, haben Sie keine Angst.“ Auch die Reaktion Morrisons auf den alarmierenden Welt­klima­bericht im August war verhalten. Sein Kommentar damals war: Er werde „keinen Blanko­scheck im Namen der Australier für Ziele ohne Plan unterschreiben“. Derzeit bietet Australien rein an, seine Treib­haus­gase bis 2030 um 26 bis 28 Prozent unter das Niveau von 2005 zu senken.

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Dabei reißt die menschen­gemachte Erwärmung in der Pazifikregion schon heute besonders tiefe Wunden. Einige Staaten in Australiens Hinterhof wie Tuvalu, die Marshall­inseln oder Kiribati sind dem Untergang geweiht, wenn der Meeres­spiegel weiter ansteigt. Auch große Teile Australiens litten in den vergangenen Jahren unter Katastrophen, für die der Klimawandel den Nährboden schaffte: extreme Dürren, Hitzewellen, Buschfeuer, Wirbelstürme, Überschwem­mungen und Küstenerosion. Besonders leidet auch das Great Barrier Reef, das größte Korallen­riff­system und die größte lebende Struktur der Welt, unter der Erwärmung.

Australien hat eine der höchsten CO₂-Emissions­raten pro Kopf

Dass die australische Regierung eine „Gefährdung wegen des Klimawandels“, die die Unesco eigentlich im Sinn hatte, nicht anerkennen wollte, hat natürlich auch damit zu tun, dass das Land selbst eine der höchsten CO₂-Emissionsraten pro Kopf hat und – nach Saudi-Arabien und Russland – zu den größten Exporteuren fossiler Brennstoffe gehört. Allein in den vergangenen Wochen genehmigte Australiens Umwelt­ministerin Sussan Ley drei Kohle­projekte im Land.

Dabei ist Australiens Potenzial im Bereich der erneuerbaren Energien groß: Das Land ist mit Sonnen-, Wind-, Gezeiten, Wellen- und geothermischer Energie ein Powerhouse der regenerativen Energie­quellen. Süd­australien beispielsweise deckt schon heute 60 Prozent seines Strombedarfs aus Wind und Sonne ab. Bis 2030 sollen die 100 Prozent erreicht werden. Im Norden Australiens entsteht mit dem Projekt Sun Cable, das Sonnenstrom per Unterseekabel nach Singapur liefern will, eines der ehrgeizigsten Solarprojekte der Welt. Doch auf Bundesebene setzt man derzeit anstatt auf erneuerbare Energien eher auf Gas. Dieses hat Canberra als „Übergangsenergie“ für eine emissions­ärmere Zukunft nominiert – ein fossiler Brennstoff, um von den fossilen Brennstoffen Abschied zu nehmen.

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