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Warum China bei der Causa Peng Shuai nur verlieren kann

Die chinesische Tennisspielerin Peng Shuai ist nach Anschuldigungen gegen einen Funktionär verschwunden.

Peking.Die Ankündigung der Damen­tennis­organisation WTA, sämtliche Turniere in China zu streichen, hat in dem Land regelrechte Schock­wellen ausgelöst. Dies ließ sich vor allem an der bemerkenswerten Stille ablesen, die vorübergehend unter Chinas Staatsmedien und Diplomaten herrschte. Normalerweise reagieren diese bei jeder Kritik umgehend mit verbalen Gegenangriffen. Doch dieses Mal musste das Propaganda­ministerium in Peking offenbar ungewöhnlich lange an einer offiziellen Argumentations­linie tüfteln. Denn für die Volksrepublik steht ungemein viel auf dem Spiel.

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Ein Rückblick: Peng Shuai, die vielleicht beste Tennisspielerin des Landes, bezichtigte den ehemaligen Vizepremier Zhang Gaoli in einem Onlineposting vom 2. November, sie zum Geschlechts­­verkehr gezwungen zu haben. Erstmals erreichte ein #MeToo-Fall also die Pekinger Politelite. Der Sicherheits­apparat reagierte – wie so oft –, indem er die Nachricht zensierte und die Tennisspielerin aus der Öffentlichkeit verschwinden ließ.

„Die WTA zeigt echtes Rückgrat“

Doch nach immensem internationalen Druck stand Chinas Regierung unter Zugzwang. Die Staatsmedien veröffentlichten zunächst eine offen­sichtlich fingierte E-Mail von Peng; und als die Aktion offensichtlich ihr Ziel verfehlte, posteten sie Kurzvideos der 35-Jährigen bei einem Restaurant­besuch. Damit war klar, dass Peng Shuai unversehrt ist. Doch ebenso klar war, dass sich die Athletin nicht frei äußern kann. Auch ein unter Aufsicht durchgeführtes Telefonat mit IOC-Präsident Thomas Bach änderte an diesem Befund nichts.

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Während das IOC riskiert, sich mit dem chinesischen Propaganda­apparat gemeinzumachen, ist die WTA-Entscheidung durchaus mutig. Zwar konnte der Tennisverband seit zwei Jahren pandemiebedingt ohnehin keine Turniere in China veranstalten, doch allein 2019 hatte die WTA insgesamt neun Turniere in der Volksrepublik abgehalten, darunter das Saisonfinale in Shenzhen mit über 30 Millionen Dollar Preisgeld.

Im chinesischen Netz wurden unlängst alle Äußerungen über die Boykottnachricht gelöscht. Doch es gab auf den sozialen Medien ein kurzes Zeitfenster von wenigen Minuten, ehe die Zensoren einschritten. Bis dahin zeigten sich einige chinesische Internetnutzer auf der Online­plattform Weibo überraschend solidarisch: „Dieses Mal stehe ich auf der Seite der WTA“, kommentierte etwa eine Userin. „Die WTA zeigt echtes Rückgrat“ lautete eine andere Meinung.

Für Peking steht mehr auf dem Spiel als ein paar abgesagte Tennisturniere

Stunden später folgten dann die offiziellen Staatsmedien mit ihren Gegenattacken. Zunächst brach Hu Xijin, Chefredakteur der nationalistischen „Global Times“, sein Schweigen: „Die WTA zwingt Peng Shuai, den Angriff des Westens auf das chinesische System zu unterstützen. Damit beraubt sie Peng Shuai ihrer Meinungs­freiheit“, schrieb der chinesische Publizist auf Twitter – und bediente sich dabei einer abstrusen Täter-Opfer-Umkehr, deren Botschaft im Westen wohl nicht verfangen wird.

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Das Perfide ist, dass Chinas Journalisten und Journalistinnen zu dem Thema ausschließlich auf Twitter und Facebook publizieren können – Plattformen also, die in der Volksrepublik seit Jahren bereits zensiert sind. Auf ihren eigenen Medien dürfen sie sich de facto nicht zu der Thematik äußern. Dort nämlich existiert der Fall offiziell nicht. Auch das Pekinger Außen­ministerium antwortete in den vergangenen Wochen stets, dass man sich der Angelegenheit „nicht bewusst“ sei. Am Donnerstag ließ Regierungs­sprecher Wang Wenbin nun verlauten: „Wir sind entschieden dagegen, den Sport zu politisieren.“

Für Peking steht schlussendlich weitaus mehr auf dem Spiel als nur ein paar abgesagte Tennisturniere. Denn zum einen ist das Risiko groß, dass auch weitere Sport­organisationen Konsequenzen ziehen werden. Vor allem aber könnte die Causa Peng Shuai die Boykottdebatte rund um die Olympischen Winterspiele in Peking wieder hochkochen lassen.

Dass hochrangige Regierungs­vertreter aus dem Westen im Februar in die Volksrepublik reisen werden, gilt ohnehin als unwahrscheinlich, allein schon aufgrund der Pandemie. Doch abseits von einem sogenannten diplomatischen Boykott könnten einige Staaten durchaus in Erwägung ziehen, zusätzlich ihre Athletinnen und Athleten nicht nach China zu entsenden. Deutschlands künftige Außen­ministerin Annalena Baerbock schloss etwa in ihrem aktuellen Interview mit der „taz“ einen Boykott der Olympischen Spiele nicht explizit aus.

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