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Täter soll 24-Jähriger sein

Nach Messerattacke auf offener Bühne: Rushdie an Beatmungsgerät angeschlossen

dpatopbilder - 12.08.2022, USA, Chautauqua: Der Autor Salman Rushdie wird versorgt, nachdem er auf einer Bühne angegriffen wurde. Rushdie ist nach Beobachtung mehrerer Zeugen auf einer Bühne im US-Bundesstaat New York angegriffen worden. Foto: Joshua Goodman/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

dpatopbilder - 12.08.2022, USA, Chautauqua: Der Autor Salman Rushdie wird versorgt, nachdem er auf einer Bühne angegriffen wurde. Rushdie ist nach Beobachtung mehrerer Zeugen auf einer Bühne im US-Bundesstaat New York angegriffen worden. Foto: Joshua Goodman/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Chautauqua. Schriftstellerikone Salman Rushdie ist Polizeiangaben zufolge von einem 24-jährigen Amerikaner angegriffen und schwer verletzt worden. Das Motiv des festgenommenen Mannes aus New Jersey, der wohl alleine handelte, sei weiterhin unklar, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Der Vorfall ereignete sich bei einer Lesung im Ort Chautauqua im Westen des Bundesstaates New York. Der Polizei zufolge wurde er mindestens einmal in den Hals und den Bauch gestochen. Weltweit war das Entsetzen groß.

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Rushdie werde in einem örtlichen Krankenhaus weiterhin operiert, hieß es. Der 75-Jährige wurde seinem Manager zufolge an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Er könne nicht sprechen und werde wahrscheinlich ein Auge verlieren, schrieb Andrew Wylie nach Angaben der „New York Times“. Nervenstränge in seinem Arm seien durchtrennt und seine Leber beschädigt worden. „Die Nachrichten sind nicht gut.“

Nach Angriff auf Rushdie: Polizei durchsucht Wohnung des mutmaßlichen Täters

„Salman wird wahrscheinlich ein Auge verlieren, die Nerven in seinem Arm wurden durchtrennt, und seine Leber wurde durchstochen und beschädigt.“

Rushdie wurde laut Polizeiangaben am Hals verletzt

Rushdie war vor über 30 Jahren per Fatwa zum Tode verurteilt worden: Wegen seines Werks „Die satanischen Verse“ („Satanic Verses“) aus dem Jahr 1988 hatte der damalige iranische Revolutionsführer Ajatollah Chomeini das religiöse Rechtsdokument veröffentlicht, das zur Tötung des Autors aufforderte. Einige Muslime fühlten sich durch das Werk in ihrem religiösen Empfinden verletzt.

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Nach Darstellung der Polizei stürmte der junge Mann die Bühne der von Hunderten Menschen besuchten Veranstaltung gegen 11 Uhr örtlicher Zeit (17 Uhr MESZ) und stach auf Rushdie ein. „Mehrere Mitarbeiter der Veranstaltung und Zuschauer stürzten auf den Verdächtigen und brachten ihn zu Boden“, sagte ein Sprecher. Ein Polizist habe den 24-Jährigen daraufhin festgenommen. Unterdessen wurde Rushdie von einem Arzt aus dem Publikum behandelt, bis Rettungskräfte eintrafen und der Autor schließlich per Helikopter in eine Klinik gebracht wurde.

Der Autor Salman Rushdie kommt zu einer Signierstunde in London (Archivbild).

Der Autor Salman Rushdie kommt zu einer Signierstunde in London (Archivbild).

Die „New York Times“ zitierte eine Zeugin: „Es gab nur einen Angreifer. Er war schwarz gekleidet. Er hatte ein loses schwarzes Kleidungsstück an. Er rannte blitzschnell auf ihn zu.“ Ein Reporter der US-Nachrichtenagentur Associated Press berichtete, der Angreifer habe 10 bis 15 Mal auf Rushdie eingeschlagen oder gestochen. Der ebenfalls angegriffene Interviewer erlitt nach Polizeiangaben eine Kopfverletzung. Die Nachrichtenagentur AP zitierte einen Arzt aus dem Publikum mit den Worten, Rushdies Wunden seien „ernst, aber heilbar“.

Zu den Hintergründen des Angriffs gab es zunächst keine Details. Ob dieser im Zusammenhang mit der jahrzehntealten Fatwa steht, blieb zunächst offen. Die Tat fand bei einer Vorlesung Rushdies in der sogenannten Chautauqua Institution, einem Erziehungs- und Kulturzentrum statt. Die Veranstaltung habe im Rahmen einer Serie unter dem Titel „Mehr als Schutz“ („More than Shelter“) stattgefunden, bei der über die Vereinigten Staaten als Zufluchtsort für Schriftsteller im Exil und über die Verfolgung von Künstlern diskutiert werden sollte.

Ajatollah Chomeini erließ 1989 Fatwa gegen Rushdie

Das islamische Rechtsgutachten des Ajatollahs rief damals nicht nur zur Tötung Rushdies auf, sondern auch all derer, die an der Verbreitung des Buches beteiligt waren. Ein japanischer Übersetzer wurde später tatsächlich getötet. Rushdie musste untertauchen, erhielt Polizeischutz.

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Nach Angaben seines Verlags aus dem vergangenen Jahr hätte die Fatwa für Rushdie inzwischen aber längst keine Bedeutung mehr. Er sei nicht mehr eingeschränkt in seiner Bewegungsfreiheit und brauche auch keine Bodyguards mehr. Die Jahre des Versteckens gingen jedoch nicht spurlos an ihm vorüber. Er verarbeitete diese Zeit in der nach seinem Aliasnamen benannten Autobiografie „Joseph Anton“ aus dem Jahr 2012.

In diesem Videostandbild wird der Autor Salman Rushdie auf einer Trage zu einem Hubschrauber gebracht, der ihn in ein Krankenhaus transportiert, nachdem er während eines Vortrags in der Chautauqua Institution angegriffen wurde.

In diesem Videostandbild wird der Autor Salman Rushdie auf einer Trage zu einem Hubschrauber gebracht, der ihn in ein Krankenhaus transportiert, nachdem er während eines Vortrags in der Chautauqua Institution angegriffen wurde.

Vor wenigen Tagen noch hatte Rushdie dem Magazin „Stern“ gesagt, dass er sich in den USA sicher fühle. „Das ist lange her“, sagte Rushdie im Interview mit Korrespondent Raphael Geiger Ende Juli auf die Frage, ob er noch immer um sein Leben bange. „Für einige Jahre war es ernst“, sagte Rushdie weiter. „Aber seit ich in Amerika lebe, hatte ich keine Probleme mehr.“ Der Autor habe dabei aber auch vor dem politischen Klima und möglicher Gewalt in den USA gewarnt: Das Schlimme sei, „dass Morddrohungen alltäglich geworden sind“.

Rushdie setzte sich seit Langem für freie Meinungsäußerung ein

Geboren wurde Rushdie im Jahr der indischen Unabhängigkeit 1947 in der Metropole Mumbai (damals Bombay). Er studierte später Geschichte am King‘s College in Cambridge. Rushdies zweiter Roman „Midnight‘s Children“ („Mitternachtskinder“) gewann 1981 den Booker Prize. Mit dem Werk gelangte der Schriftsteller, dessen Stil als magischer Realismus bezeichnet wird, zu Weltruhm.

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Insgesamt veröffentlichte Rushdie mehr als zwei Dutzend Romane, Sachbücher und andere Schriften. Rushdies Stil wird als Magischer Realismus bezeichnet, in dem sich realistische mit fantastischen Ereignissen verweben. Dennoch sieht er sich unbedingt der Wahrheit verpflichtet. Diese sieht er zunehmend in Gefahr, was auch im Zentrum seiner jüngsten Veröffentlichung von Essays steht, die in Deutschland unter dem Titel „Sprachen der Wahrheit“ herauskamen. Der seit vielen Jahren in New York lebende Schriftsteller stemmt sich darin gegen Trumpisten und Corona-Leugner. „Die Wahrheit ist ein Kampf, das ist keine Frage. Und vielleicht noch nie so sehr wie jetzt“, sagte er in einem Interview des US-Senders PBS im vergangenen Jahr.

Rushdie setzte sich seit langem für freie Meinungsäußerung ein und kritisierte offen religiösen Extremismus. Er ist ein früherer Präsident des Schriftstellerverbandes PEN America. Dessen CEO, Suzanne Nossel, äußerte sich entsetzt. Rushdie sei seit Jahrzehnten wegen seiner Worte zur Zielscheibe geworden, aber er sei nicht zurückgewichen, erklärte sie.

Die Chautauqua-Institution, an der Rushdie die Rede halten wollte, liegt etwa 90 Kilometer südwestlich von Buffalo in einer ländlichen Gegend des Staats New York. Die Einrichtung ist bekannt für ihre sommerlichen Vortragsreihen. Rushdie hat dort bereits in der Vergangenheit gesprochen.

„Dieser Angriff ist schockierend und entsetzlich“

Die US-Regierung hat den schweren Messer-Angriff auf Rushdie verurteilt. „Diese Gewalttat ist entsetzlich“, sagte der nationale Sicherheitsberater Jack Sullivan am späten Freitag (Ortszeit) laut Mitteilung des Weißen Hauses. Alle in der Regierung von US-Präsident Joe Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris beteten für die baldige Genesung des 75-Jährigen.

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Auch UN-Generalsekretär António Guterres hat mit Entsetzen auf den Angriff auf den Schriftsteller reagiert. „In keinem Fall ist Gewalt eine Antwort auf Worte, die von anderen in Ausübung ihrer Meinungs- und Ausdrucksfreiheit gesprochen oder geschrieben wurden“, teilte Sprecher Stephane Dujarric am Freitagabend (Ortszeit) mit. Guterres wünsche Rushdie baldige Genesung.

Die New Yorker Gouverneurin Kathy Hochul hat den Angriff auf den Autoren als „schreckliches Ereignis“ bezeichnet. „Unsere Gedanken sind nach diesem schrecklichen Ereignis bei Salman und seinen Lieben. Ich habe die Staatspolizei angewiesen, bei den Ermittlungen weiter zu helfen, wenn dies erforderlich ist“, schrieb Hochul am Freitag auf Twitter. Sie dankte den Einsatzkräften für ihre schnelle Reaktion.

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Der US-Senator und Mehrheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, schrieb am Freitag auf Twitter: „Dieser Angriff ist schockierend und entsetzlich. Er ist ein Angriff auf die Rede- und Gedankenfreiheit, die zwei Grundwerte unseres Landes und der Chautauqua Institution sind.“ Er hoffe, dass sich Rushdie schnell und vollständig erhole und der Täter zur Rechenschaft gezogen werde.

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Der US-amerikanische Autorenverband PEN America hat sich nach dem Angriff auf seinen ehemaligen Präsidenten schockiert gezeigt. „PEN America ist schockiert und entsetzt über die Nachricht von einem brutalen, vorsätzlichen Angriff auf unseren ehemaligen Präsidenten und treuen Verbündeten Salman Rushdie, auf den Berichten zufolge mehrfach eingestochen wurde, während er auf der Bühne des Chautauqua Institute im Bundesstaat New York sprach“, hieß es in einem von dem Verband veröffentlichten Statement der Vorsitzenden Suzanne Nossel am Freitag. „Uns fällt kein vergleichbarer Fall eines öffentlichen gewaltsamen Angriffs auf einen Schriftsteller auf amerikanischem Boden ein.“

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RND/dpa/AP/scs/sic

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