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Millionär Philipp J. Müller: „Wie wäre es mit einem Unterrichtsfach Geld?“

  • Millionär und Autor Philipp J. Müller möchte sich dafür einsetzen, dass bereits Schüler einen besseren Umgang mit Finanzen lernen.
  • Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht Müller über seinen vorzeitigen Ruhestand, depressive Phasen und seinen Traum, Bildung für jedes Kind verfügbar zu machen.
  • „Wie wäre es beispielsweise mit einem Unterrichtsfach Geld?“, fragt der Finanzexperte.
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Mit 33 Jahren hörte Philipp J. Müller auf zu arbeiten, weil er finanziell alles erreicht hatte. Doch nach dreieinhalb Jahren im Vorruhestand kehrte der Millionär mit neuen Plänen zurück. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht der Finanzexperte über seinen Traum, in Deutschland Bildung für jedes Kind verfügbar zu machen.

Herr Müller, haben Sie heute schon Ihren Kontostand gecheckt?

Nein, das habe ich nicht gemacht. (lacht) In meinem Büroalltag ist das ein fester Platz, aber es gibt keine Regel ohne Ausnahme. Reisetage zum Beispiel gehören dazu, da mache ich das nicht.

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In Ihrem Buch „Geldrichtig“ schreiben Sie, dass Sie mit 33 Jahren alles verkauft haben und nicht mehr arbeiten wollten. Wie kamen Sie zu dieser Erkenntnis?

Heute kann ich sagen, dass ich zwei unterschiedliche Berufsleben hatte. Ich hatte erst dieses Ziel, dass ich vermögend werden wollte. Als ich das erreicht hatte, kam dann irgendwann der Punkt, dass ich gemerkt habe, in der Finanzwelt kann ich nicht alles zugunsten des Kunden tun. Man muss sich das so vorstellen: Ich bin gut elf Jahre in dieser Welt unterwegs gewesen und habe immer versucht, das im Sinne meiner Kunden weiter zu optimieren und es gab aber immer eine Vergleichsebene. Und das war mein eigenes Depot an der Börse und mein Vermögen. Ich habe in diesen elf Jahren in dieser Finanzwelt lernen dürfen, dass das Problem nicht die Bank ist. So wie der Zimmermann mit Holz arbeitet, arbeitet der Banker mit Geld. Er kauft es gegen fast keine Zinsen beim Kunden ein, macht etwas daraus und gibt dem Kunden sehr wenig ab. Das kann man sehen, wenn sie nach Manhattan fliegen oder in Frankfurt sind. Die größten Hochhäuser gehören Banken und Versicherungen. Da wird so viel Geld verdient. Und der Kunde bekommt zu wenig ab.

Und das fanden Sie nicht in Ordnung?

Ich habe in den ersten Jahren in Firmen versucht, wie ich für den Kunden mehr rauskriege. Im Ergebnis war es sogar so, dass ich versucht habe, mit Investmenthäusern einen eigenen Fonds aufzulegen, gelabelte Produkte, bei denen wir Kosten reduzieren, eigene Anlagemöglichkeiten. Ich habe dann im Fachausschuss Investment als Experte an der Gesetzgebung mitgearbeitet, die das deutsche Gesetz mit der Europa-Gesetzgebung vereinbart. Irgendwann, als ich gerade im Urwald im Norden von Kuala Lumpur in Malaysia unterwegs war, ist mir bewusst geworden, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Rahmenbedingungen der Finanzwelt es mir nicht möglich machen, dass bei meinem Kunden genug Rendite ankommt. Andersherum gesagt: Egal, wie gut das Produkt ist, würde er es selbst machen, wäre es besser. Und dann kamen diese beiden Punkte zusammen: Ich habe auf mein Konto geguckt und gesehen, dass ich mein Geld in meinem Leben nicht mehr ausgeben kann und das andere war, dass ich nicht mehr dahinterstehe und meinen Kunden diese Produkte nicht mehr anbieten möchte.

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Also haben Sie damals entscheiden, sich frühzeitig zur Ruhe zu setzen?

Damals bin ich klassisch dreieinhalb Jahre mit meiner Frau als Privatier zu Hause geblieben. Wir hatten einen Sohn, der zweite war unterwegs. Wir haben unser Nest in Hamburg gebaut. Ich würde sagen, dass ich so etwas wie einen Burn-out hatte. Dann habe ich mein Leben hinterfragt: Was machst du da eigentlich? Was ist in deinem Leben passiert, dadurch, dass dieses Vermögen und diese Freiheit da sind? Ich verbinde Geld nicht mit einer Sammlung von Autos oder Häusern. Für mich sind eher Werte wie Freiheit, Familie oder ökologischer Fußabdruck wichtig.

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Wie sind Sie aus dieser depressiven Phase wieder herausgekommen?

Das war meine Frau. Sie hat an einem Morgen beim Frühstück zu mir gesagt: „Schatz, du wirst alt und fett, such dir ein Hobby!“ Und das war vollkommen okay, dass sie das gesagt hat. Sie ist nicht nur meine Frau, sondern auch meine beste Freundin und hat gemerkt, dass ich so dahinlebe. Ich hatte immer davon geträumt, viel Geld zu haben. Das war dann irgendwann real. Ich habe das Reale aber erst so richtig gespürt, als ich Zeit hatte, Geld auszugeben. Denn wenn man Vollblutunternehmer mit mehreren Firmen ist, gibt man nicht so richtig Geld aus – zumindest ich nicht. Aber dann kam der Tag, an dem ich zu Hause saß und gemerkt habe, dass ich wirklich alles machen kann. Ich kann entscheiden, wo ich wohnen möchte, mit wem ich Zeit verbringe, ob ich mir einen Job suche, ob ich ein Unternehmen habe oder nicht. Es bestehen alle Möglichkeiten. Und diese Überflutung von Möglichkeiten haben mich – rückwirkend betrachtet – überfordert und belastet. Das nehme ich auch heute bei vielen jungen Menschen wahr – wenn es zum Beispiel um die Berufswahl geht. Aufgrund der Vielzahl von Möglichkeiten sind sie heute fast gelähmt.

Sie wollten sich also nicht damit zufriedengeben, reich geworden zu sein?

Ich glaube, es gab damals genau zwei Möglichkeiten, wie ich mit meinem Leben hätte umgehen können. Man kann nach Mallorca fliegen, sich die Menschen da angucken, die ein Alkoholproblem haben, dick werden und auf dem Golfplatz stehen oder man kann sich die Menschen angucken, die sagen: Alles klar, für mich ist gesorgt und jetzt versuche ich der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Ich habe mich dafür entschieden, mein Vermögen intelligent zu nutzen. Und das war meine Motivation, noch mal loszulegen und eine Akademie zu gründen.

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Welche Motivation steckte denn dahinter, nun ein Buch darüber zu schreiben, wie man sein Einkommen erhöhen kann?

Mein ganz großer Traum ist, dass wir in Deutschland Bildung für jedes Kind verfügbar machen und zwar auch im Bereich Geld und Finanzen. Da gehört noch mehr als Geld dazu. Da gehören auch Unternehmertum und kaufmännisches Wissen dazu. Kinder und Jugendliche kommen heute aus der Schule und können unternehmerisch, kaufmännisch und wirtschaftlich faktisch fast nichts. Ich wollte dieses Buch herausbringen, um der Gesellschaft einen Anreiz zu bieten, über dieses Thema nachzudenken. Wie wäre es beispielsweise mit einem Unterrichtsfach Geld? Wir haben auch schon Kontakt mit den Kultusministerien von Schleswig-Holstein und Niedersachsen gehabt. Ich hatte bereits Anfragen von Universitäten als Dozent. Und wir haben Rektoren am Institut, die unsere Ausbildung durchlaufen haben und danach sagten: „Philipp, es wäre ein Traum, wenn du bei uns in der Oberstufe einfach Unterricht machen könntest, um deren Leben sich anders entwickeln zu lassen.“

Was wäre denn ein gutes Alter, um sich mit dem Thema Geld intensiver auseinanderzusetzen?

Ich habe bei mir in der Akademie häufig Teilnehmer ab 14 Jahren. Ab diesem Alter dürfen sie zu uns kommen. Insgesamt habe ich rund 200 Minderjährige ausgebildet. Das, was ich heute wahrnehme, ist, dass viele junge Menschen heute andere Werte haben. In meiner Generation zählt noch der Sportwagen, die Luxusuhr oder das große Haus. Wenn ich mich heute aber mit einem 18-Jährigen unterhalte, spricht der mit mir über Arbeitszeit, die in einem vernünftigen Rahmen sein soll, über Homeoffice, übers Sprachenlernen und über die-Welt-Verstehen. Damals, als ich so jung war, waren das überhaupt keine Themen. Wenn ich sehe, wie viele Leute heutzutage überhaupt keinen Führerschein mehr machen oder sich ein Car to go nehmen, finde ich, dass sie heute viel weiter sind, als ich es damals war.

In Ihrem Buch schildern Sie, wie Sie mit Ihren beiden Söhnen Monopoly spielen und dass die beiden auch lernen müssen, zu verlieren. Was steckt hinter Ihrer Einstellung?

Meine Söhne sind acht und zehn Jahre alt, und ich denke, dass es Sinn macht, dass sie lernen, wie das Leben funktioniert. Allerdings lasse ich meine Kinder trotzdem ab und zu beim Monopoly gewinnen. (lacht) Wir Eltern wollen natürlich diesen kurzen, glücklichen Moment, in dem die Kinder dich anstrahlen, weil wir unsere Kinder so lieb haben. Aber wenn man das ständig macht, tut man den Kindern auf Dauer nichts Gutes.


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