Micky Beisenherz: „Wir Ruhrgebietler haben akustisch immer die Jogginghose an“

Moderator und Autor Micky Beisenherz.

Moderator und Autor Micky Beisenherz.

Bochum. Micky Beisenherz ist Moderator, Autor, Podcaster – aber auch großer Fußballfan. Dementsprechend fiebert der 43-Jährige am Wochenende auch einem möglichen Aufstieg seines Heimatvereins VfL Bochum entgegen. Ein Gespräch über Ruhrgebietsvereine, Stadionbesuche und über die Eigenschaften, die man als Ruhrpottlerin und Ruhrpottler nie ablegen kann.

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Herr Beisenherz, eigentlich wollten wir aber über ihre Heimat Bochum sprechen, die sich gerade auf den Aufstieg in die Bundesliga vorbereitet. Nun hatten sie vor einigen Tagen mitgeteilt, dass Sie an Corona erkrankt sind. Daher als Erstes die Frage: Wie geht es Ihnen?

Micky Beisenherz: Gut, danke. Seit gestern bin ich wieder offiziell auf die Öffentlichkeit losgelassen, oder wie es offiziell heißt: genesen. Zum Glück habe ich nicht so wahnsinnig viel verpasst – außer Arbeit! Was ich aber zum Glück auch verpasst habe, ist eine nachhaltige Schädigung meiner Gesundheit – das ist die gute Nachricht.

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Dann wird Sie sicherlich am Wochenende auch der relativ wahrscheinliche Aufstieg des VfL Bochum beschäftigen. Wie haben Sie die Stimmung der Bochumerinnen und Bochumer zuletzt wahrgenommen?

Beisenherz: Die Bochumer sind vorsichtig optimistisch. Viele von denen können ihr Glück noch gar nicht fassen. Der VfL Bochum hat ja schließlich in den letzten zehn Jahren nicht den Eindruck erweckt, dass er nachhaltige Aufstiegsambitionen hat und schwups – ist man da ganz oben und kann es gefühlt gar nicht mehr verhindern. Ist eigentlich das Gegenteil vom HSV… (lacht)

Offiziell bekennen Sie sich aber zu Borussia Dortmund. Ist Platz für zwei Ruhrpottvereine im Herzen?

Beisenherz: Ich bin nominell Dortmund-Fan, wobei ich immer eine große Zuneigung zum VfL Bochum hatte, schon seit der Ära der Unabsteigbaren. Ich finde, dass das eine ganz geile Gruppe ist und ein toller Verein. Wenn man ganz ehrlich ist, ist Bochum auch der „ruhrgebietigste“ aller Ruhrgebietsvereine. Nicht so richtig am Ar.... wie Schalke, nicht so richtig oben wie Dortmund, so dieses typische Ruhrgebietsgefühl von „Wo anders ist auch nicht so toll“ – genau das wird beim VfL Bochum am allermeisten verkörpert.

Ist das also ein guter Tausch: Schalke steigt ab, Bochum auf?

Beisenherz: Ich hab mir den Abstieg der Schalker nicht gewünscht. Ich hätte es lieber gehabt, wenn sie in der 1. Liga geblieben wären. Ich finde aber schon, dass die 1. Liga es verdient hat – vor allem, wenn wieder Fans ins Stadion dürfen – sich diesen großartigen Verein des VfL zu Gemüte zu führen. Er war ja auch lange genug aus der 1. Liga verschwunden. Und nicht wenige hatten ja zwischenzeitlich die Befürchtung, er könnte zu einem weiteren FC Kaiserslautern werden… umso schöner, dass es so nicht gekommen ist. Wer weiß, vielleicht wird der VfL plötzlich noch zum SC Freiburg des Westens?

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Oder direkt nach dem Aufstieg Meister, wie Kaiserslautern?

Beisenherz: Otto Rehhagel ist mittlerweile 82 Jahre alt. Ich gehe davon aus: Der würde es trotzdem machen (lacht). Als alter Essener hätte er es ja auch nicht so weit nach Bochum. Ich glaube aber auch, dass beim VfL niemand konkrete Meisterschaftsambitionen hat (lacht), erst mal aufsteigen.

Eigentlich ist das ja für den Fußballfan kein tolles Jahr zum Aufsteigen: Kein Stadionbesuch, kein Public Viewing, kein Gruppenschunkeln in der Kneipe...

Beisenherz: Absolut. Aber fragen Sie mal die Fans des FC Liverpool, wie die das fanden, nach 30 Jahren Meister zu werden – und das dann mitten in der Pandemie. Klar ist das bitter, aber man muss ja auch sagen: Es ist zumindest schön, in einem Gefühl der allgemeinen Lockerung aufzusteigen – besser als im Januar oder Februar. Aber klar, im vollen Stadion wäre es natürlich noch toller.

Wo werden Sie denn sein, wenn der VfL um die letzten Punkte zum Aufstieg kämpft?

Beisenherz: Ich werde voraussichtlich sogar in Bochum sein. Nach der Corona-Erkrankung und viel Arbeit davor bin ich das erste Mal nach vier Wochen wieder im Ruhrgebiet und werde dann das Gefühl der Stadt – und hoffentlich auch des Aufstiegs – aufsaugen.

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Wird man Sie dann dort in Trikot und Schal sehen?

Beisenherz: Ich ziehe solche Sachen eigentlich traditionell an, wenn ich selbst auf dem Feld stehe und Fußball spiele. In Hamburg hab ich die besten Spiele im letzten Jahr in den flutlichtblauen Trikots des VfL gespielt – mit dem Namen von Hermann Gerland (ehem. Spieler des VfL Bochum, Anmerkung der Redaktion) auf dem Rücken.

Warum aus gerechnet Gerland?

Beisenherz: Ich fand das aus alter Verbundenheit attraktiv. Gerland ist die Person, die mir den Glauben gegeben hat, dass beim FC Bayern doch nicht der Satan wohnt, wenn es jemand wie Hermann Gerland da so lange aushält.

Zu wem halten Sie eigentlich, wenn im kommenden Jahr der BVB auf den VfL treffen sollte?

Beisenherz: Das würde ich von der tabellerarischen Konstellation abhängig machen, wie wichtig die Punkte in dem Moment sind. Ich werde höchstwahrscheinlich dem VfL Bochum alles Gute wünschen, aber Borussia Dortmund die Daumen drücken. Denn wenn alles normal läuft, wird Borussia Dortmund möglicherweise ganz heiß mit um die Meisterschaft spielen, da ist jeder Punkt wichtig.

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Wissen Sie eigentlich noch, wann Sie das letzte Mal im Stadion waren?

Beisenherz: Puh, das ist schon lange her, wie bei den meisten. Das muss in der Saison 19/20 gewesen sein, ich glaube gegen Leipzig. Da war Lucien Favre noch Trainer und wir hatten das Gefühl, wir sind wieder wer….

Was fehlt Ihnen am meisten an den Stadionbesuchen?

Beisenherz: Die kollektive Selbstvergessenheit. Das ist das, was dem Fußball während der Pandemie abgegangen ist. Der Sport an sich auf dem Feld ist nicht schlechter geworden, im Gegenteil – es wurden ja auch absolute Spitzenleistungen geboten –, aber es fehlt die Rückkopplung mit den Fans. Der Fan im Stadion fehlt ja auch als Spiegel für die Person vor dem Fernsehgerät. Das ist eine ganz besondere Beziehung. Man könnte ja auch einfach nur auf das gucken, was auf dem Feld geschieht – aber man stellt fest, wenn die Rückkopplung der Emotionen der Fans im Stadion fehlt, fehlt einem auch selbst etwas. Und der Besuch im Stadion an sich bedeutet für mich: hingehen, nicht nachdenken, sich von teilweise irrationalen Gefühlen davontragen lassen und immer zu sehen, dass man mindestens einen Bierbecher in der Hand hat.

Wenn man an Bochum denkt, denken viele an Grönemeyer und vielleicht noch Currywurst – was macht die Stadt denn sonst aus?

Beisenherz: Recht viel Klasse und Kultur – bei vergleichsweise schwierigen Startbedingungen. Ich finde, Bochum ist eine schöne Stadt, auch herzlich und mit einem guten kulturellen und gastronomischen Angebot. Ich mag’s dort ziemlich gern, deswegen hab ich meine Wohnung dort auch immer noch – sie ist übrigens 1,5 Bier entfernt vom Stadion (lacht).

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Während dieses Interviews hört man Ihren Ruhrpottdialekt sehr deutlich, im Fernsehen hingegen kaum. Ist das Absicht?

Beisenherz: Das ist unbewusst. Im Fernsehen kann ich auch gar nicht anders. Als Ruhrgebietler hat man ja immer akustisch die Jogginghose an, wenn man spricht (lacht). Das ist vielleicht für das gesamtdeutsche Fernsehen nicht immer ideal. Aber spätestens, wenn es bei mir emotional wird, egal, in welche Richtung, kommt das Ruhrgebietsidiom immer durch. Ich liebe das ja, ich höre das auch selbst sehr gerne. Der Ruhrgebietslang ist wie so ein kurzärmeliges T-Shirt: Das lässt man dann raushängen, wenn’s mal etwas handfester sein soll.

Was ist denn an Ihnen sonst typisch Ruhrpott?

Beisenherz: Ich bin davon überzeugt, dass man mir in Hamburg schon an meinem Gang ansieht, wo ich herkomme. Außerdem schreibe ich den Menschen im Ruhrpott eine gewisse Aufrichtigkeit zu und die Bereitschaft, auch Menschen, die einem persönlich noch nicht so bekannt sind, erst mal ins Herz zu schließen. Und sie dann erst wieder rauszukicken, wenn sie sich als dämlich erweisen. Der Ruhrgebietler an sich hat eben keine Berührungsängste. Manchmal muss ich mich nur erinnern, dass so Begrüßungen wie „Du Eierkopp“ anderswo nicht ganz so positiv aufgefasst werden wie im Ruhrgebiet (lacht).

Mit den Wohnsitzen Bochum und Hamburg haben Sie sich aber auch wirklich die größtmöglichen Gegensätze ausgesucht.

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Beisenherz: Das stimmt, da ist selbst München uns Ruhrgebietlern näher. Da fühle ich mich nämlich auch sehr wohl. Aber – weil wir eben über Fußball gesprochen haben: Es sind wirklich schon genug Ruhrgebietler nach München gegangen, das muss ich nicht auch noch tun.

Abschließend noch mal zurück zum VfL: Wie geht das letzte Spiel am Sonntag gegen Sandhausen aus?

Beisenherz: Überraschend deutlich. 4-1. Das lassen sich die Bochumer nicht mehr nehmen.

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