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Matthias Matschke: “Ich habe größte Angst um meine Eltern”

  • Am Freitagabend startet die finale vierte Staffel der Krimiserie “Professor T.” (ZDF).
  • Matthias Matschke spielt darin den Ermittler, der stets blaue Handschuhe trägt und Menschen meidet.
  • Im RND-Interview spricht er über den Abschied von der beliebten Serie und sein Leben in Corona-Zeiten.
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Herr Matschke, wir führen das Interview telefonisch. Wie muss man sich Ihr derzeitiges Aussehen vorstellen?

Mein Aussehen ist im Augenblick das von vielen. Der Bart sprießt so vor sich hin, die Haare sind ungeordnet und ich habe drei Jogginghosen, die ich im Wechsel benutze. (lacht) Der Aufwand des Kleiderwaschens ist im Moment nicht so groß. Ich bin gerade ganz froh, dass ich nicht so viel in den sozialen Medien wie Instagram mache. Das wäre für mich gegenwärtig ein unglaublicher Aufwand, der überhaupt nicht in meine derzeitige Stimmung passt. Ich habe gerade überhaupt keine Lust, mich zu zeigen. (lacht)

Sie gehören also auch zu den Schauspielern, die aktuell noch nicht wieder drehen?

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Die ganzen Drehs, die geplant waren, sind ausgefallen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie das in der derzeitigen Situation gehen soll. Wie ein Team zusammenarbeiten soll unter diesen Bedingungen, wie Schauspieler miteinander agieren sollen. Das ist für mich alles so abstrakt. Am Anfang der Krise dachte ich auch noch, dass man da nur ein bisschen das Drehbuch umschreiben müsste, aber jetzt merkt man: “Das ist alles Quatsch!”

Wobei man ja gerade den Eindruck hat, dass vieles sehr schnell wieder hochgefahren wird.

Man merkt gerade, wie die Vorstellung der Menschen von Jetzt-ist-aber-gut ist. Der Vorwurf ist ganz schnell: “Jetzt habe ich aber doch genug getan.” Man merkt daran auch, wie einmalig die Situation ist, in der wir uns befinden. Niemand kann wirklich aussprechen, wie lange uns das alles noch beschäftigen wird, sonst verfallen die Leute in Panik. Man merkt das auch bei der ganzen Klimageschichte. Die Leute können das gar nicht verstehen, auch wenn man wissenschaftlich fundierte Zahlen liefert. Als wäre der Einstiegstutzen in unserem Gehirn viel zu groß und steht schon auf Überlauf, und dann läuft das meiste am Hirn vorbei. Nach dem Motto: “Jaja, ich weiß. Es ist alles schlimm, aber ich kann es jetzt auch nicht mehr hören.”

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Ist Ihr “Professor T.”, der am Freitag in die finale vierte Staffel startet, eigentlich der Ermittler der Stunde? Immerhin trägt er schon seit Jahren Handschuhe und meidet so weit es geht soziale Kontakte.

Das ist ja jemand, der sich von der Welt abgeschottet hat und wenn man jetzt die neuen Folgen sieht, wird man denken: “Was für ein Luxustyp.” Dass der es sich leisten kann, zu sagen, dass er nichts mit anderen zu tun haben will. Der will keine Kontakte, keine Berührungen. Wenn der wüsste, was er verpasst. Im besten Falle wird er den Leuten sehr, sehr leid tun. Denn jetzt wissen sie ja, wie man sich fühlt, wenn man sich – im Falle von uns ungewollt – in so eine Isolation begibt.

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Jasper Thalheim hat panische Angst vor Keimen. Früher hielt ich ihn für einen eher neurotischen Typen. Aber war er am Ende weitsichtiger als wir alle?

Als ich Abitur machte, hat der Vater eines Freundes, der Arzt ist, damals schon gesagt: “Es gibt einfach so Viren, die sich durch Tröpfchen übertragen und gegen die kein Mittel gewachsen ist. Man braucht Jahre bis Jahrzehnte, bis man einen Impfstoff findet.” Das hat der vor 30 Jahren erzählt. Das ist nur ein Zufall, dass so ein Virus nicht schon früher eingeschlagen ist. Der Wissenschaftler, den wir erzählen, weiß um die Gefahr durch diese ganzen Bakterien und Viren, die uns umgeben. Der weiß, dass es daher kommt, weil wir dem Wildleben und den wilden Tieren immer näher rücken. Der dichtet sich natürlich selber noch mal den Verschwörungsmythos drauf und sagt: “Alles ist infiziert!” Das macht er ja nur, um der Welt aktiv abhanden zu kommen.

War von vornherein klar, dass es nur vier Staffeln von “Professor T.” geben wird?

Das wussten wir. Wir hatten nie die Intention, die Serie ewig laufen zu lassen. Geschichten haben einfach ein Ende. Sowas zu machen und zu gucken, wie lange es gut geht, damit ist keine zeitgemäße Serie gut beraten. Geschichten brauchen etwas, auf das sie zulaufen. Sonst sind sie wie eine Komfortzone. Da kann man Freitagabends immer hingehen. Es wird auch nicht so schlimm. So eine gediegene Langeweile war für uns von Anfang an keine Option. Wir wollten kein “Derrick” der Jetztzeit werden. Wir wollten eine spannende Geschichte erzählen, die horizontal stark ist. Das passte uns super, weil wir so neben den spannenden Fällen auch eine durchgehende Geschichte erzählen und zum Ende führen konnten. Auch die Belgier, die die Vorlage geliefert haben, haben es übrigens ganz genauso gemacht. Da gab es das große Finale bereits nach drei Staffeln. Ich glaube, diese Figur braucht auch etwas Finales. Es hat irre Spaß gemacht, dieses Zusammenziehen von Fäden. Natürlich freuen sich Sender und Produktionsfirmen, wenn sie wissen, dass noch eine weitere Staffel kommt. Und auch das Publikum hätte sich bestimmt gefreut. Ich habe schon ganz viele Kommentare bekommen wie “Oh nein, nicht die letzte Staffel”. Das freut mich zwar alles, aber das ist für uns alle am allerbesten. Das ist auch ein Qualitätsbeweis.

Vor allem ist “Professor T.” die mit Abstand tödlichste Serie für Ermittler.

Das kann man wohl so sagen, ist aber natürlich auch ein tödliches Geschäft. (lacht)

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Haben Sie nach Drehschluss eigentlich heimlich ein paar blaue Handschuhe mitgenommen?

Ich nehme mir grundsätzlich keine Souvenirs vom Dreh mit. Bei den blauen Handschuhen war ich allerdings dazu verleitet, sie mir für zu Hause mitzunehmen, aber die gehören in die Welt von T. Ich persönlich trage jetzt schwarze Handschuhe. (lacht) Aber dann heißt es wieder, dass Handschuhe auch Quatsch seien. Es ist gerade sehr schwierig, die richtige Haltung dazu zu finden. Ähnlich verhält es sich ja bei den Masken. Auch wenn uns allen klar ist, dass man damit Viren, die im Nanobereich groß sind, nicht abhält, hat es zumindest einen psychologischen Effekt, den man nicht unterschätzen sollte. Eines zeigt die derzeitige Krise eindeutig: Man muss bereit sein, Ansichten auch wieder zu revidieren. In dieser derzeitigen Situation war noch niemand von uns. Und wir müssen für uns alle als Gesellschaft das Beste tun. Das ist, glaube ich, schwierig für uns, weil wir das nicht gewohnt sind. Wir sind eigentlich darauf trainiert, zu gucken, was man sonst noch machen könnte. Wie kann man Gewinn maximieren? Wie kann man noch schneller, höher, weiter kommen? Ich bin sehr schnell auf die Dinge zurückgeworfen worden, dass die Einfachheit des Lebens das Unbeschwerteste daran ist. Das hört sich jetzt vielleicht romantisch an, was es nicht sein soll, denn auch ich bin von dieser Krise natürlich existentiell bedroht. Aber dass diese Gewinnmaximierung nicht der Faktor ist, der unser Leben groß macht, sondern nur der Faktor, dass man überlebt. Ich habe natürlich größte Angst um meine Eltern. Dass man Leuten, die gesundheitlich vielleicht nicht mehr so gut beieinander sind, dass man denen sagt: “Ihr gehört zu mir, und ich werde euch nicht gefährden.” Das ist der eigentliche Wert, den man vielleicht noch weiter nach vorne stellen sollte.

Viele dachten anfangs auch, dass diese Corona-Krise schnell wieder überstanden ist.

Meine Eltern haben das Ganze auch erst unterschätzt. Aber das liegt vielleicht auch an dieser Altersklasse. Wenn ich meine Eltern besuche, stelle ich denen den Einkauf vor die Tür und setze mich auf den Treppenabsatz und bin fünf Stufen von ihnen entfernt und wir haben alle Masken an. Meine Mutter ist 87 Jahre alt, mein Vater 83. Die sind natürlich Risikopatienten. Mittlerweile wissen sie, dass sie in ihrer letzten Lebensphase von den Auswirkungen der Krise eingeschränkt sein werden. Wir müssen einfach zusehen, dass wir diejenigen, die es am schwierigsten haben, möglich gesund durch diese Zeit bringen. Das ist eine ganz neue Form von Solidarität, die wir jetzt brauchen.

RND

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