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Der Kraftkerl, der unter der Dusche singt: Mario Adorf wird heute 90

  • Rund 200 Rollen schmücken seine Filmografie, auf der Kinoleinwand war er neben Stars wie Heinz Rühmann, Romy Schneider oder Klaus Kinski zu sehen.
  • Mario Adorf ist einer der ganz großen deutschen Schauspieler.
  • Heute feiert er 90. Geburtstag - und blickt auf ein bewegtes Leben zurück.
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Hannover. Mario Adorfs Karriere wäre beinahe vorbei gewesen, bevor sie überhaupt begonnen hatte: „Am Ende der Aufnahmeprüfung an der Münchener Schauspielschule hatte ich mit meiner Laufbahn als Schauspieler abgeschlossen“, sagte Adorf dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) einmal. Damals war er mit ein bisschen zu viel Tempo bei der Sache: Er stürmte auf die Bühne und stürzte prompt über die Rampe in den Zuschauerraum.

Warum wurde er 1953 dann doch genommen? „Er hat Kraft und Naivität“. So beschied es die Prüfungskommission. Und deshalb kann Adorf an seinem heutigen 90. Geburtstag auf ein reiches Schauspielerleben zurückblicken. Rund 200 Rollen hat er gespielt, genau weiß er die Zahl gar nicht. Er drehte mit Heinz Rühmann, Hans Albers, Romy Schneider, Klaus Kinski, war im italienischen, französischen und amerikanischen Kino präsent.

Als vor ein paar Jahren eine „Winnetou“-Neuverfilmung anstand, wurde er an einen bis heute nicht ganz verstummten Vorwurf erinnert – mal mit mehr, mal mit weniger Ironie vorgebracht: „Aber dass Sie Winnetous Schwester Nscho-tschi erschossen haben, verzeihe ich Ihnen nie!“ Genau das hatte er 1963 als Oberschurke Santer getan.

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„Ich scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld“

Sein erster Auftritt als Bösewicht war das nicht: Zuvor hatte Adorf in Robert Siodmaks „Nachts, wenn der Teufel kam“ (1957) als psychopathischer Frauenmörder reüssiert. Dieser Auftritt bedeutete seinen Durchbruch nach vielen Theaterjahren. Der nicht eheliche Sohn einer deutschen Röntgenassistentin und eines anderweitig verheirateten kalabrischen Chirurgen, geboren in Zürich, aufgewachsen in der Eifel, gehörte lange zum Ensemble der Münchner Kammerspiele.

Heute wundert man sich über die Einsortierung Adorfs bei den Fieslingen. Man muss nur mal seine lachenden Augen sehen und seinen gut gelaunten Bass hören.

Seine Lieblingsrolle ist eine andere: die des neureichen Klebstofffabrikanten Haffenloher in der TV-Serie „Kir Royal“ (1986). „Auf den werde ich immer noch angesprochen, auch auf dessen legendären Satz: ‚Ich scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld‘.“ Prinzipiell schaut Adorf aber lieber nach vorn als zurück. Riefe jetzt ein Regisseur wie etwa Fatih Akin bei ihm an – wer weiß, ob es ihn wieder vor die Kamera ziehen würde.

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So viel anders war das ja damals auch nicht, als Volker Schlöndorff und Rainer Werner Fassbinder auf ihn aufmerksam wurden. Auch da gehörte Adorf schon zu den Altvordern. In Schlöndorffs „Blechtrommel“ gab er den Vater Matzerath, in Fassbinders „Lola“ den Baudezernenten von Bohm, der sich vom Wirtschaftswunder-Deutschland korrumpieren lässt.

Auch mit 90 singt Mario Adorf noch unter der Dusche

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Bald 70 Jahre als Schauspieler hat Adorf nun auf dem Buckel. Und dabei war von seinen Nebenbeschäftigungen als Boxer, Entertainer oder Sänger noch gar nicht die Rede – noch im Vorjahr startete er seine Bühnentournee „Zugabe!“.

In Saint-Tropez lernte Adorf seine Ehefrau Monique kennen, die mit Brigitte Bardot befreundet war. „Ich hatte zuerst nur Augen für die Bardot“, hat Adorf mal eingeräumt. Dann fiel ihm Monique auf, ihre Lebendigkeit. „Und da begann die ganze Geschichte zwischen uns.“

Adorf fühlt sich keineswegs altersweise, aber einen Rat für den Nachwuchs hat er parat: „Ich war immer der Meinung, dass man Misserfolge umso leichter verkraftet, je gelassener man die Erfolge sieht.“

Er habe viel Glück im Leben gehabt, hat Adorf gegenüber dem RND gesagt. „Aber ich bin nun auch nicht unbedingt der Typ, der sich nach dem Aufwachen erst einmal beim lieben Gott bedankt, dass er ihm noch einen Tag geschenkt hat.“

Was nichts daran ändert, dass er bis heute gern morgens unter der Dusche trällert – bestimmt auch an seinem 90., den er coronabedingt im allerkleinsten Kreis begeht.

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