Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Nach anderthalb Jahren im Exil

Ex‑König Juan Carlos will in den Emiraten wohnen bleiben – Sohn Felipe reagiert kühl

Juan Carlos, ehemaliger König von Spanien, will vorerst in Abu Dhabi bleiben.

Ein Satz wie ein Fußtritt: „Seine Majestät der König respektiert und versteht den in seinem Brief ausgedrückten Willen Seiner Majestät des Königs Don Juan Carlos.“ Kein freundliches Wort weiter vom Sohn („Seiner Majestät dem König“) an den Vater („Seine Majestät den König Don Juan Carlos“). Soll er in Abu Dhabi bleiben und König Felipe VI. in Ruhe lassen!

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Am Montagabend veröffentlichte das spanische Königshaus auf seiner Website einen Brief des Ex-Monarchen an seinen Nachfolger, einen Brief, den man sich als das Ergebnis ausführlicher Verhandlungen verschiedener Seiten – einschließlich der spanischen Regierung – vorstellen darf. Darin erklärt Juan Carlos, der vor gut anderthalb Jahren ins Exil nach Abu Dhabi aufbrach und seitdem noch nicht wieder in Spanien war, dass er vorhabe, seine Heimat gelegentlich zu besuchen, seinen Wohnsitz aber in Abu Dhabi behalten wolle, „wo ich Ruhe gefunden habe“. Falls es ihn aber in der Zukunft doch wieder ganz nach Spanien zurückziehen sollte, werde er sein Leben und seinen Wohnsitz „in Bereichen privaten Charakters“ organisieren. Will heißen: Er besteht nicht mehr darauf, in seinen Palast in der Nähe Madrids zurück­zu­kehren.

Ex-Monarch wurde nicht von der Polizei gejagt

Das ist ein dolles Ding. Juan Carlos ist aus seinem Palast ins Ausland verjagt worden, ohne dass es in Spanien eine Revolution gegeben hätte. Rechtliche Gründe für seinen nun offenbar dauerhaften Wegzug gibt es nicht. Juan Carlos hat sich nie auf die Flucht begeben, wie das der frühere stellvertretende Minister­präsident Pablo Iglesias fand. Auch wenn man leicht den gegenteiligen Eindruck bekommen konnte, ist der Ex-Monarch nie von der Justiz oder der Polizei mit Haftbefehl verfolgt worden. Verfolgt haben ihn höchstens Reporter. Das reichte in diesem Fall.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Juan Carlos ist kein Unschuldslamm. Er hatte sich daran gewöhnt, Geschenke in Millionen­höhe anzunehmen, ohne die fälligen Steuern zu bezahlen. Er lebte in einer Welt, in der ihn weder seine Mitarbeiter noch die Behörden an diese Pflicht erinnerten. Diese Welt brach vor gut zehn Jahren zusammen, als sich nämlich sein Schwiegersohn Iñaki Urdangarín als korrupter Geschäfte­macher herausstellte. Das hat die spanische Gesellschaft aufgerüttelt. Und so wie Capitaine Renault in „Casablanca“ überrascht feststellt, dass in Rick’s Café illegale Glücksspiele stattfinden, so fiel es spanischen Journalisten, Staatsanwälten und Politikern überraschend ein, dass Juan Carlos vielleicht keine saubere Weste habe.

Juan Carlos’ Ruf ist ruiniert

Vor Gericht ist Juan Carlos nie gekommen, unbezahlte Steuern aus der jüngeren Zeit hat er nachbezahlt, ältere Fälle sind verjährt. Als König, bis zu seiner Abdankung 2014, genoss er außerdem absolute Immunität, das ist in der Verfassung so vorgesehen. Aber sein Ruf ist ruiniert. Und von diesem schlechten Ruf will sich sein Sohn so fern wie möglich halten. Felipe VI. ist langweilig, aber sauber. Für das Gegenteil gibt es keine Hinweise. Solange jedoch immer wieder sein Vater in den Schlagzeilen ist, so lange ist auch die spanische Monarchie in den Schlagzeilen, und das ist nicht gut für die Monarchie und für Felipe. Besser, Juan Carlos ist weit weg von Madrid.

Ernstliche Sorgen muss man sich um den Ex-Monarchen nicht machen. „Juan Carlos geht’s wunderbar“, berichtete der spanische Starmoderator Carlos Herrera, der den alten König kürzlich besuchte. Am 5. Januar feierte Juan Carlos seinen 84. Geburtstag mit Freunden in einem italienischen Luxus­restaurant in Abu Dhabi. Seine Töchter halten noch, anders als der Sohn, zu ihm, und selbst mit seiner Frau Sofía soll er sich so weit versöhnt haben, dass sie wieder regelmäßig miteinander telefonieren. Ansonsten genießt er das gute Leben, das ihm offenbar der Kronprinz und De-facto-Herrscher von Abu Dhabi, Mohamed bin Zayed, ermöglicht. An dessen Seite fühlt sich Juan Carlos so unschuldig, wie er sich früher fühlte.

RND

Mehr aus Promis

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen