Juan Carlos: Die Lust am Denkmalsturz

  • Die Öffentlichkeit hat Juan Carlos längst für schuldig befunden, zur Skandalfigur erklärt – auch wenn er (noch) keiner Straftat überführt worden ist.
  • Dass ihn sein Sohn König Felipe VI. jetzt ins Exil schickt, ist ein Zeichen der Schwäche, findet unser Kommentator.
  • Medien und populistischen Politikern sei es gelungen, die spanische Monarchie in die Knie zu zwingen.
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Madrid. Juan Carlos de Borbón ist im Exil geboren und wird wahrscheinlich im Exil sterben. In der Zwischenzeit machte er eine Karriere als der Mann, der Spanien die Demokratie brachte. Wem das eine Nummer zu groß ist: Er war der Mann, der einen wesentlichen Beitrag zum Übergang Spaniens in die Demokratie und dessen Verteidigung gegen rechte Putschisten leistete.

Das zählt heute alles nicht. Juan Carlos ist aus dem Land gejagt worden, weil er dunkle Konten führte voller Geld ungeklärter Herkunft. Juan Carlos ist nicht Apple, seine Steuervermeidungsstrategien stehen einem König schlecht an, kein Aktionär beklatscht ihn dafür.

Der alte König ist keiner Straftat überführt, auch nicht angeklagt, er wird noch nicht einmal, weder von der Schweizer noch von der spanischen Justiz, als Beschuldigter geführt. Er ist nur ein Mann im Fadenkreuz. In zweijährigen Ermittlungen hat der Genfer Staatsanwalt Bertossa noch keine Klage gegen ihn zusammenbekommen.

Ein Zeichen der Schwäche

Egal, Juan Carlos ist schuldig, ist korrupt, ist eine Skandalfigur – zumindest im Auge der Öffentlichkeit. Vielleicht stimmt das sogar alles. Nachgewiesen ist ihm nichts. Aber die Lust am Denkmalsturz scheint eine überwältigende.

König Felipe VI. hat sich keinen Gefallen damit getan, seinen Vater ins Exil zu schicken. Es ist ein Zeichen der Schwäche. Medien und populistische Politiker müssen nur genug Lärm machen, um die Monarchie in die Knie zu zwingen. Das ist die Lehre dieser Tage. Die Königskritiker werden sie nicht vergessen. Sollte die spanische Monarchie wider Erwarten demnächst untergehen, hätte sie es sich selber zuzuschreiben.

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