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Jannis Niewöhner: “Meine Mutter war dagegen, dass ich Schauspieler werde”

  • Im Zweiteiler “Der Überläufer” (ARD), der am Mittwoch und Freitag gezeigt wird, spielt Jannis Niewöhner einen Wehrmachtssoldaten, der die Seiten wechselt.
  • Im RND-Interview spricht er über die Dreharbeiten und seinen Werdegang.
  • "Meine Mutter war immer ein bisschen dagegen, dass ich Schauspieler werde", so Niewöhner.
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Er ist einer der derzeit angesagtesten Jungstars: Jannis Niewöhner (28). Bereits mit zehn Jahren stand er für eine Rolle in einem “Tatort” aus Münster vor der Kamera. Seitdem hat er zahlreiche Filme und Serien abgedreht, war im letzten Jahr für seine Hauptrolle in der Amazon-Serie “Beat” sogar für den Fernseh-Oscar Emmy nominiert. Am Mittwoch und Freitag spielt Niewöhner die Titelrolle im ARD-Zweiteiler "Der Überläufer”. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht er über die Rolle und seinen Werdegang.

In der Siegfried-Lenz-Verfilmung „Der Überläufer“ spielen Sie einen deutschen Soldaten, der kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs zu den sowjetischen Truppen überläuft. Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Ich habe mit einem Coach gearbeitet und mich mit der Zeit beschäftigt. Außerdem habe ich versucht, etwas abzunehmen. Aber ich hatte eine extrem kurze Vorbereitungszeit. Das Casting für die Rolle war zwar schon ein Jahr vorher, doch der Drehstart kam etwas plötzlich. Vor allem hatte ich 55 Drehtage, die es in sich hatten. Körperlich bin ich da schon öfter mal an meine Grenzen gegangen.

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Kannten Sie denn den Klassiker von Lenz?

Das nicht, aber ich habe ihn natürlich vorher gelesen. Der Vorteil gegenüber einem Drehbuch ist einfach, dass eine Buchvorlage viel mehr Informationen für einen bereithält als ein Drehbuch. Da kann man viel tiefer in die geschichtliche Materie eintauchen.

Was hat Sie an dem Stoff besonders beeindruckt?

Im Kern geht es darum zu zeigen, wie ein Mensch mit sich ringt, sich in einem riesigen, unübersichtlichen Chaos richtig zu verhalten und anständig zu bleiben. Für mich ist diese Geschichte brandaktuell. Auch meine Generation muss sich auf ihren moralischen Kompass verlassen. Denn momentan leben wir in einer Zeit, in der jeder glaubt, er muss was ganz Besonderes sein. Ich glaube aber, dass wir bei aller Individualität unser Gemeinschaftsgefühl nicht verlieren dürfen.

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Im Kino waren Sie gerade in einer anderen Literaturverfilmung zu sehen. In „Narziss und Goldmund“ von Hermann Hesse …

Das war eine Geschichte, die wirklich auf die Kinoleinwand gehört. Das ist mein absolutes Lieblingsbuch. Und dann konnte ich das selber spielen. Das war schon toll. Gerade weil man weiß, dass solche Verfilmungen meistens auch nicht mehr so funktionieren wie früher im Kino. Da wird wenig so erfolgreich wie zum Beispiel „Das Parfum“. Das waren einfach andere Zeiten. Trotzdem werden solche Verfilmungen gemacht.

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Sabin Tambrea (links) als Narziss und Jannis Niewöhner als Goldmund in einer Szene des Kinofilms "Narziss und Goldmund". © Quelle: -/Sony Pictures /dpa

Im letzten Jahr waren Sie für die Amazon-Prime-Serie „Beat“ als Bester Schauspieler für einen Emmy nominiert. Wie haben Sie eigentlich von Ihrer Nominierung erfahren?

Bereits im Februar letzten Jahres hatte ich erfahren, dass man eingereicht wurde. Da hat Amazon Deutschland mir schon mitgeteilt, dass sie mich gerne vorschlagen würden. Aber da war es noch ein ganz offenes Feld. Da habe ich nicht wirklich dran gedacht, dass ich nominiert werden könnte. Der Regisseur Christian Schwochow, mit dem ich „Je suis Karl“ gedreht habe, hatte mich dann Monate später angerufen und kündigte an: „Du kriegst heute noch einen schönen Anruf.“ Da dämmerte es mir, weil er für seine Serie „Bad Banks“ auch für den Emmy nominiert wurde.

Wem haben Sie zuerst erzählt, dass Sie für einen Emmy nominiert wurden?

Meiner Maskenbildnerin, die gerade neben mir stand. (lacht) Danach habe ich irgendwann mit meinem Vater und meiner Mutter telefoniert.

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Wie fanden es Ihre Eltern, als Sie mitbekamen, dass Sie als Schauspieler arbeiten wollen?

Meine Mutter war immer ein bisschen dagegen, dass ich Schauspieler werde. Sie dachte: „Oh Gott. Hoffentlich verliert der Junge nicht den Boden unter den Füßen.“ (lacht) Mein Vater hat das aber unterstützt, mich aber auch nicht reingepusht. Es war aber gut, zwei unterschiedliche Pole zu haben.

Sie haben schon sehr früh vor der Kamera gestanden. Hatten Sie auch mal einen anderen Berufswunsch?

Nein, eigentlich nicht. Das war ja auch so früh bei mir da. Ich hätte Lust auf Schreiner. Aber ich glaube, dass ich eine völlig romantisierte Vorstellung von dem Beruf habe. Das wäre einfach das totale Gegenteil von dem, was ich jetzt mache. Dieser Alltag, das Normale, Handwerkliche. Ein bescheidener Beruf, der meiner Meinung nach mehr Wertschätzung verdient hätte. Aber ich habe absolut gar keine handwerklichen Fähigkeiten. (lacht) Ich hatte von klein auf immer eine Freude an dem, was ich gemacht habe. Dass das auch ein richtiger Beruf sein kann, wusste ich damals noch nicht. Das war immer nur ein glücklicher Nebeneffekt.

War denn beim Dreh von „Beat“ klar, dass es keine zweite Staffel geben würde?

Nein, das war nicht von vornherein klar. Das liegt nur daran, dass Warner auch mit einer eigenen Plattform anfängt. Und Warner und Amazon Prime haben beide Teilrechte an der Serie. Andererseits finde ich es aber auch völlig okay, denn damit steht diese eine Staffel für sich. Die Serie ist supergut angekommen. Bei einer zweiten Staffel hätte man gucken müssen, dass sie noch besser als die erste wird. Ich finde es gut, dass es jetzt so ist, und habe da kein Problem mit. Ich finde, es kann auch mit anderen, neuen Sachen weitergehen.

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Herr der Sounds: Club-Promoter Robert „Beat“ Schlag (Jannis Niewöhner) gerät aus der Fassung, als in seinem Laden zwei tote junge Frauen gefunden werden. Szene aus der Amazon-Serie "Beat.

Sie haben mit „Mute“ und „Berlin Station“ bereits internationale Projekte gedreht. Hätten Sie denn grundsätzlich Lust auf Hollywood?

Das waren Erfahrungen, die okay waren. Aber ehrlich gesagt, sind diese Projekte mit den Sachen, die ich in Deutschland machen konnte, nicht vergleichbar. Bei den Rollen, die ich hier spielen kann, kann ich viel mehr in die Tiefe gehen. Das ist schon richtige Arbeit und macht riesigen Spaß. Der Eindruck war viel zu kurz, aber wenn noch mal ein neues Angebot kommt, dann mache ich international lieber etwas, das größer ist. Und wenn es nur eine kleine Rolle ist, dann wenigstens mit den richtigen Leuten und der richtigen Geschichte. Man darf nicht vergessen, dass Deutsch meine Muttersprache ist. Natürlich kann ich auch auf Englisch drehen. Aber das ist schon noch mal was anderes. Man hat für die Rollen, die man spielt, einfach einen anderen Umgang mit der Sprache. Einen eigenen Umgang mit einer neuen Sprache zu finden, reizt mich aber sehr.

Ende letzten Jahres haben Sie das Kinodrama „Je suis Karl“ von Christian Schwochow abgedreht. Darin spielen Sie den charismatischen Führer einer rechtsextremen Partei …

Das ist kein Blockbuster, aber dafür finde ich es umso wichtiger, dass man Filme macht, die eine Aufmerksamkeit auf wichtige Themen schaffen. Aus den Recherchen zu seinem NSU-Projekt hat sich die Idee ergeben, dass man etwas über die Neuen Rechten erzählt. Das haben wir in einer fiktiven Geschichte eingebaut und das wird sehr, sehr spannend.

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