• Startseite
  • Promis
  • Ina Müller: „Wenn ich ‚Inas Nacht‘ drehe, bin ich angeknipst: Sabbeln, saufen, singen!“

Ina Müller: „Wenn ich ‚Inas Nacht‘ drehe, bin ich angeknipst: Sabbeln, saufen, singen!“

  • Seit 13 Jahren moderiert sie die Talkshow „Inas Nacht“.
  • Nun veröffentlicht Ina Müller mit „55“ ein neues Album.
  • Das RND sprach mit ihr über ihre Show, ihren Partner und ob sie Stille ertragen kann.
|
Anzeige
Anzeige

Ina Müller, haben Sie gerade Hunger?

Ja, und wie!

Dann habe ich jetzt ein bisschen Angst.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Warum das?

In Ihrem neuen Song „Wie Heroin“ singen Sie „Es tut mir leid, was ich zu dir gesagt hab vorhin, als ich hungrig war“ und „Es tut mir leid / dass ich dein Laptop durchs Fenster warf / Es tut mir leid / dass ich damit deinen Wagen traf“.

Ich könnte wirklich gerade ein halbes Schwein auf Toast essen. Aber wenn ich noch Interviews geben und mich noch konzentrieren will, habe ich ein Problem mit einem vollen Magen. Dann ist alles Blut im Bauch und nichts mehr im Kopf. Also warte ich noch ein bisschen, ich will Ihnen ja auch noch ein paar kluge Antworten geben.

Ina Müller ist ein großer Fan von Adele

Anzeige

Werden Sie denn wirklich so unleidlich, wie Sie singen?

Es geht ja in dem Song mehr um Zucker als um den bloßen Hunger. Und wenn ich unterzuckert bin und zusätzlich Stress habe, bin ich tatsächlich nicht gut gelaunt. Man könnte mich dann aber mit so einem Zuckernuckel, wie sie kleine Babys früher hatten, wieder versöhnlich stimmen.

Anzeige

Ihr neues Album heißt „55“. Bezieht sich das nur auf Ihr Alter oder steckt mehr dahinter?

Nein, es verbirgt sich leider nicht mehr dahinter. Aber ich erzähle Ihnen die Vorgeschichte: Vor 15 Jahren hieß ein Album von mir „Weiblich. Ledig. 40“. Das war noch, bevor Adele ihre Alben „19“ und „21“ nannte. Da dachte ich bei mir, in jungen Jahren kann das ja jeder, da sieht das gut aus, aber mit über 40 …Und deshalb habe ich dann eines meiner nächsten Alben „48“ genannt.

Also ein kleiner Seitenhieb?

Nicht gegen Adele, ich bin großer Fan, aber 19 oder 21 Jahre jung im Popbusiness ist nicht so ungewöhnlich. Mit 48, da fängt es dann an, lustig zu werden. Und das neue Album heißt jetzt 55, weil ich die Zahl irgendwie schön finde. Ich habe nur gesagt: Lasst uns dann auch 55 Auftritte planen. Und so kommt es jetzt auch: Wir haben für unsere Tour 2022 genau 55 Termine gebucht.

Wenn Sie mal in die Zukunft schauen: Ginge das Leben für Sie auch ohne Tourneen weiter?

Ja, und ich kann mir sehr viele Sachen vorstellen, die vielleicht dazukommen. Ich könnte ein Album nur mit plattdeutschen Songs aufnehmen oder ein Buch schreiben oder Theater spielen. Aber ich kann mir fast nicht vorstellen, mit 66 Jahren noch auf der Bühne zu stehen und zu rufen: „Hallo, Berlin!“ Oder vielleicht ja doch? Außerdem wissen wir ja gar nicht, was in elf Jahren sein wird.

Inwiefern?

Wir haben ja gerade gesehen, wie schnell sich eine Situation ändern kann, sodass du gar nicht mehr auf die Bühne gehen kannst. Vielleicht ist das ganze System der Massenkulturveranstaltungen, der Konzerte und der ausverkauften Stadien beim Fußball wegen Corona gar nicht mehr möglich. Vielleicht verschwindet das Problem nicht mehr, vielleicht aber auch schon im nächsten Jahr.

Bei den ersten Liedern Ihres neuen Albums hatte ich das Gefühl, dass da einiges an Melancholie in den Songs steckt. Oder täuscht das?

Wenn Sie das so empfinden, freue ich mich. Ich mag ja immer die leiseren, traurigeren, melancholischen Songs am liebsten. Am besten im Wechsel mit den poppigeren Nummern. Ich bin, was Musik angeht, mehr die Melancholikerin. Wobei man bei mir wohl eher die Stimmungsnudel erwarten würde.

Anzeige

Sie sagen es. Aus Ihren Sendungen kennt man Sie als laut, fröhlich und aufgedreht. Ertragen Sie privat eigentlich Stille?

Ich ertrage mittlerweile Stille besser als alles andere. Wenn ich rausgehe und „Inas Nacht“ drehe, dann bin ich angeknipst und will auch laut und da sein: sabbeln, saufen, singen! Aber das geht nicht, ohne am nächsten Morgen aufzuwachen und erst einmal eine Stunde lang an die Decke zu starren. Dann bin ich so froh, dass sich außer mir niemand in der Wohnung befindet und ich einfach nur daliegen kann. Irgendwann stehe ich langsam auf und schweige den ganzen Tag, um erst einmal wieder Kraft und Energie zu sammeln. Ich brauche diese schweigenden Regenerationstage.

Der Song „Obwohl du da bist“ handelt von einer Beziehung, aus der die Luft raus ist. Ist Ihre Idealvorstellung von Liebe, dass es immer kribbelt wie am ersten Tag? Geht das überhaupt?

Ich glaube, dass die Abnutzungserscheinungen einer Beziehung, die es ja immer gab und immer geben wird, schneller eintreten, wenn man gemeinsam in einer Wohnung lebt. In meinen langjährigen Beziehungen mit Partnern, mit denen ich zusammengewohnt habe, habe ich irgendwann festgestellt, dass es besser ist, nicht jeden Abend nach Hause kommen zu müssen, nur weil der Partner sagt: „Aber ich hab uns doch schon was gekocht, Liebling.“ Das nimmt wahnsinnig viel Freiheit, weil es jede Spontaneität nimmt.

Finden Sie das so schlimm?

Ich habe mich in diesen Jahren oft dabei ertappt, mich in ständigen Kompromissen wiederzufinden: Was essen wir? Was gucken wir? Wann gehen wir ins Bett? Wann wird das Licht ausgemacht? Es war eine schlechte Kombination aus Kompromissen und Vorwürfen. Und ich war nie allein, auch das hat mich gestört. Ich habe daher für mich sehr konsequent den Schluss gezogen: Wenn ich eine Beziehung habe, lebt jeder in seiner Wohnung, aber beide in derselben Stadt.

Das ist bei Ihnen in Ihrer Beziehung mit Johannes Oerding ja gerade der Fall.

Momentan lebe ich in einem Idealzustand. Wir sind beide frei künstlerisch tätig, wir beide wissen, worüber wir sprechen, wenn einer sagt: Ich kann gerade nicht. Du musst dem anderen nicht erklären, warum du gerade keine Zeit hast. Der andere weiß, was es heißt, wenn ich wie jetzt gerade drei Interviewtage habe oder auf Tour bin.

In „Obwohl du da bist“ singen Sie: „Im TV läuft gerade Sport / Werder führt gegen Hannover.“ Dürfen Sie als Hamburgerin singen, dass Werder Bremen führt?

Ich glaube, Hamburg spürt da gerade nichts mehr, was Beleidigungen, Zuspruch, Trost und Erwartungen angeht. Man darf mittlerweile alles singen. Ich habe das Gefühl, es gibt da im Moment niemanden, der sich noch angesprochen fühlt oder beleidigt ist. Wie kann eine Stadt wie Hamburg fußballerisch so schlecht dastehen? Wir haben hier doch zwei tolle Vereine.

Ihre Lieder auf dem neuen Album sind wieder sehr persönlich, es geht viel um Liebe, Beziehung, menschliches Miteinander, die Mühlen des Alltags. Warum singen Sie mehr oder weniger immer nur über sich und Ihre Erfahrungen?

Das, was ich in meinen Songs singe, muss immer auf jeden Fall an mir dran oder in mir drin sein. Ich hatte jetzt vier Jahre Zeit zu schauen, ob es noch mal machbar ist, ob ich noch genügend Themen und Gefühle in mir habe.

„An den Fenstern meiner vielschichtigen Seele die Nase platt drücken“.

Offenkundig war das so.

Ja, normalerweise ist aber unglücklich zu sein besser, um wieder neue Themen für neue Songs zu finden. Man kann dann so schön hassen und trauern und sich selbst leidtun und dann darüber schnell ein Lied schreiben.

Was macht man denn dann, wenn man nicht unglücklich ist?

Da ich ja glücklich bin und trotzdem ein gutes Album aufnehmen wollte, musste ich vielleicht ein bisschen tiefer graben. Das, was sich jetzt auf dem Album findet, bedeutet mir in meinem Leben viel, und ich finde, ich habe tolle Songs daraus gemacht. Ein Freund hat neulich zu dem Album gesagt, man könne sich „an den Fenstern meiner vielschichtigen Seele die Nase platt drücken“. Das ist schön formuliert, und ich finde, das trifft genau auf dieses Album zu.

Sie sind ein sehr humorvoller Mensch. Ist Humor auch ein Schutzschild für Sie?

Humor als Schutzschild würde ja bedeuten, ich würde ihn benutzen, um nicht ehrlich antworten zu müssen oder ironisch zu sein. Es gibt ja Menschen, bei denen ist jede Antwort, die sie geben, ironisch. Das kenne ich aus meiner Sendung. Egal, was du fragst, es kommen immer ironische Antworten. Das ist so ermüdend, das versuche ich zu vermeiden. Ich versuche immer, ehrlich zu antworten.

Seit mehr als 13 Jahren moderieren Sie die Sendung „Inas Nacht“. Würden Sie Ina Müller mal gern in Ihre Sendung einladen?

Tja, wie würde ich die wohl finden? Ich glaube, sie wäre nicht eine meiner ersten Gäste gewesen, aber im Moment würde es sicherlich heißen: Wir brauchen mehr Frauen. Und dann würde ich schon schnell auf Ina kommen, weil ich wüsste, mit der hätte ich einen lebendigen Abend, die würde mir alles erzählen, die trinkt einen mit. Und dann würde ich mir Fragen überlegen, was mich an Ina Müllers Leben interessiert und was ich sie fragen möchte.

Was wäre das denn?

Vermisst du was in deinem Leben? Ist dir etwas, was du gemacht hast, peinlich? Guckst du dir deine Sendung an? Wie gehst du mit schlechten Kritiken um? Verstehst du einige Sachen, die in negativen Kritiken stehen? Bist du schon mal fremdgegangen? Findest du, dass sich die Sendung verändert hat? Hast du dich mal in einen Gast verliebt? Wie lange willst du das noch machen? Eigentlich alles das, was ihr auch immer fragt.

Wie lange möchten Sie das denn noch machen?

Ja, sehr gute Frage! (lacht) Die habe ich Helge Schneider und Nena neulich auch gestellt. Und Nena hat gesagt – und das wäre auch meine Antwort: Das ist doch mein Beruf. Wieso soll ich das nicht so lange machen, wie es geht?

Hoffen Sie, irgendwann am Samstag um 20.15 Uhr zur Primetime eine Sendung zu moderieren?

Im Leeeeben nicht – und Leben können Sie mit vier e schreiben. Im Leeeeben nicht. Warum sollte ich das wollen sollen? Habe ich mal irgendwo gesagt, dass ich das gern machen will?

Nein. Aber ich möchte es trotzdem fragen. Sie waren doch zum Beispiel mal für „Wetten, dass …?“ im Gespräch.

Also ich war da mit niemandem im Gespräch, und ich bin mir auch nicht sicher, ob das stimmt. Die ARD hat mir mal um 20.15 Uhr zwei, drei Sachen zugetraut, die ich machen durfte. Dann habe ich viel positive Kritik von meinem Sender und den Leuten, mit denen ich die Sendung zusammen gemacht habe, bekommen. Und zwei Tage später stand in der Zeitung, dass ich scheiße war, und dann roch der frische Wind, den ich etwa in die Moderation der Echo-Verleihung bringen sollte, am Ende plötzlich doch nicht mehr so frisch. (lacht)

Hamburg ist der Ort, an dem Ina Müller sein will

Und deshalb ein solch deutliches Nein, ein „im Leeeeben nicht“ – oder warum?

Weil ich mittlerweile weiß, was da gefragt ist und was und wem man sich aussetzt und was man können muss und was man nicht können darf und wie man aussehen muss ...

Der Programmdirektor der ARD, Volker Herres, hat im Sommer gesagt, es gebe keine Frauen in Deutschland, die so moderieren können wie Kai Pflaume.

Ja, aber es gibt in Deutschland auch keinen Mann, der so moderieren kann wie Kai Pflaume. Vielleicht hätte Herr Herres das damals dazusagen sollen, dann wäre ihm das Ding nicht so um die Ohren geflogen.

Sie leben in Hamburg, und Ihr Song „Wenn der liebe Gott will“ ist auch eine Liebeserklärung an diese Stadt. Ist Hamburg die beständigste Liebe in Ihrem Leben?

Hamburg ist der Ort, an dem ich sein will. Hamburg ist die Stadt, durch die ich geirrt bin, wenn es mir mal nicht gut ging. Hamburg ist die Stadt, in der ich gedacht habe: wenn Liebeskummer, dann hier. Zudem erinnert mich die Zeile „Wenn der liebe Gott will“ natürlich an das berühmte Kinderlied „Guten Abend, gute Nacht“ und an meine Kindheit. Und das alles wird kombiniert mit Heimweh und Fernweh und mit allem, was Hamburg hat. Wenn ich diesen Song höre, bin ich jedes Mal wieder hingerissen und ergriffen. Darf man von seinem eigenen Song hingerissen sein?

Ja, ich finde, das darf man. Und jetzt guten Appetit beim halben Schwein auf Toast!

Danke!

Kneipe, Kalauer, Kultshow

Ihre Talkshow passt wunderbar in eine Kneipe. Bei Ina Müller wird es schon mal lauter, der Humor rutscht gern mal unter die Gürtellinie, und Alkohol ist auch kein Tabu bei „Inas Nacht“. Und wenn der Spaß in Hamburgs ältester Seemannskneipe, dem Schellfischposten, mal wieder keine Grenzen kennt, schmettert der vielköpfige Shantychor im Fenster sein „Lustig, lustig“ in die Hamburger Luft (zumindest vor der Corona-Krise, im Moment dürfen die Sänger natürlich nicht dicht beieinander stehen).

Dass sie Musik liebt, zeigt Müller nicht nur auf der Bühne und im Studio, sondern auch in ihrer Sendung. Sie lädt jedes Mal zwei Acts ein, häufig sind noch (fast) unbekannte Talente dabei. Oft stimmt sie mit ein, was die Songs nicht selten erheblich aufwertet. Kürzlich sang sie in der Sendung gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Johannes Oerding das Duett „Ich hab dich nicht mehr zu verlieren“.

Mal poppig, mal melancholisch: Ina Müller neues Album heißt „55“. © Quelle: Columbia Local/Sony Music

Am Freitag erscheint Ina Müllers neues Album „55“. In ihren Liedern erzählt sie von sich, von ihren Lieben und Vorlieben, vom Schlüsselverschusseln und von Sport als Pflicht. Und die 55-Jährige singt in dem sehr schön unaufdringlichen, zurückhaltenden Liebeslied „Wohnung gucken“ darüber, wie ein Paar sich auf den Weg macht und den Leuten in die Fenster schaut.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen