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Igor Levit deaktiviert Twitter-Account: „So ein Leben ist komplizierter als 280 Zeichen“

  • Starpianist Igor Levit hat sich womöglich endgültig von Twitter verabschiedet.
  • Seinen Account mit Zigtausenden Followern deaktivierte er am Sonntag.
  • Dies sei „mit Freude in den Augen“ geschehen, sagt Levit, der ergänzt: „So ein Leben ist komplizierter als 280 Zeichen auf Twitter“.
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Berlin. Starpianist Igor Levit hat sich erneut von Twitter verabschiedet, und diesmal womöglich endgültig. Am Sonntag deaktivierte der 34-Jährige, der im Netz viele Drohungen erhielt, seinen Account auf der Plattform.

Levit sagte bei einer Diskussion anlässlich einer Festveranstaltung zu 30 Jahren jüdischer Zuwanderung in Deutschland in Berlin, dies sei „mit Freude in den Augen“ geschehen, ohne die Gründe zu erläutern. An anderer Stelle sagte er: „So ein Leben ist komplizierter als 280 Zeichen auf Twitter.“ Bereits Mitte Mai hatte Levit seinen vorübergehenden Rückzug von der Plattform bekannt gegeben, sich aber wenige Wochen später zurück gemeldet. Deaktiviert hatte er seinen Account damals jedoch nicht. Die Deaktivierung eines Twitter-Accounts ist der erste Schritt zur endgültigen Löschung.

Levit wehrt sich gegen „Rassismus auf dem Rücken von Juden“

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Levit, selbst Jude und häufig im Fokus von rechten Hetzern, auch auf Twitter, verwahrte sich bei der Podiumsdiskussion mit scharfen Worten gegen pauschale Antisemitismusvorwürfe gegen Migranten. „Auf dem Rücken von Jüdinnen und Juden wird hier in diesem Land Rassismus betrieben, da fehlen mir manchmal die Worte“, sagte Levit.

Er verwies auf die nach judenfeindlichen Ausschreitungen bei Pro-Palästina-Demonstrationen kürzlich aufgeflammte Debatte über Antisemitismus unter arabischen Zuwandern in Deutschland. Man dürfe nicht zulassen, „dass wir innerhalb von einer Woche einerseits Frau Neubauer vorwerfen, sie würde unidifferenziert mit Herrn Maaßen umgehen und dann in die Kamera sagen, Jugendliche mit Migrationshintergrund müssen mal etwas über Antisemitismus lernen“, sagte Levit. Die Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer hatte dem früheren Verfassungsschutzpräsidenten und CDU-Bundestagskandidaten Hans-Georg Maaßen Antisemitismus vorgeworfen und wurde dafür teils harsch kritisiert.

Großes Publikum bei Twitter-Konzerten

Levit betonte: „Wer eine Gesellschaft spaltet, wer undifferenziert Rassismus betreibt auf dem Rücken der Juden, gefährdet Juden.“ Dabei verwies er konkret auf Teile der Medien. „Ich kenne sehr, sehr viele Jüdinnen und Juden, die sich nicht vertreten fühlen von der Art und Weise, wie zum Beispiel ein gewisses großes deutsches Medienhaus sein Rittertum für die jüdische Sache führt“, sagte er in Anspielung auf den Axel-Springer-Konzern.

Die Anfeindungen gegen Zuwanderer seien für ihn 2015 der Grund gewesen, sich öffentlich dagegen zu äußern, sagte Levit, der mit seiner Familie selbst als Kontingentflüchtling nach Deutschland kam. Der berühmte Pianist hatte viele Follower bei Twitter, seine Klavierkonzerte dort zu Beginn der Pandemie fanden ein großes Publikum.

RND/epd

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