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Hollywoodlegende Robert De Niro: „Gangster mögen unsere Filme“

  • Im Gangster-Epos „The Irishman” spielen Robert De Niro und Al Pacino die Hauptrollen.
  • Im RND-Interview sprechen die Hollywoodlegenden über ihr Kennenlernen, die Zusammenarbeit mit Netflix und digitale Verjüngungskuren.
  • Der von Netflix produzierte Film läuft nur wenige Wochen in den Kinos, bevor er ab 27. November beim Streamingdienst zu sehen ist.
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Das von Netflix produzierte Gangsterdrama „The Irishman“ von Regie-Altmeister Martin Scorsese erzählt die Geschichte des Mafiakillers Frank Sheeran (Robert De Niro), der tatsächlich existierte und der für den zwielichtigen Gewerkschaftsführer Jimmy Hoffa (Al Pacino) kriminelle Aufträge erledigte. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sprechen die Hollywoodlegenden über ihr erstes Treffen, das digitale Jüngerwerden und Fans in der Gangsterwelt.

In „The Irishman“ spielen Sie die früher tatsächlich existierenden Figuren des Gewerkschaftsführers Jimmy Hoffa und des Mafia-Auftragsmörders Frank Sheeran. Was wussten Sie vor dem Film über die beiden?

Al Pacino: Ich kannte Jimmy Hoffa schon als Kind aus den Nachrichten. Er hatte ein Image, das fast zwielichtig war, aber auch positiv – er half den Leuten. Ich wusste also etwas über ihn, aber musste natürlich noch viel über ihn lernen. Bob (Robert De Niro) hat sich gewundert, warum ich am Set mit Kopfhörern rumgelaufen bin – ich habe mir Reden von Jimmy Hoffa angehört. Und dann findet man all die kleinen Dinge, die man gar nicht gesucht hat. Als Jimmy ins Gefängnis geschickt wurde, ist er zum Beispiel einer der Gefängnisreformer geworden. Er konnte nicht glauben, wie die Gefangenen dort behandelt wurden. Durch solche Details bekommt man ein Gefühl dafür, was für ein Typ das war.

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Robert De Niro: Ich hatte das Buch über Frank Sheeran gelesen, aber ich habe auch mit einigen seiner Angehörigen geredet und mit dem Autor Charles Brandt, der Sheeran kannte und viele Jahre mit ihm verbracht hat. Außerdem habe ich mir Audiodateien von Brandt mit Sheeran angehört.

Robert De Niro, es heißt, Sie waren direkt bewegt von der Geschichte um Frank Sheeran und sind damit zu Regisseur Martin Scorsese gegangen. Was hat Sie so sehr begeistert?

Robert De Niro: Ich habe alles geglaubt, was in dem Buch über Frank Sheeran steht. Die Dialoge, die Situationen, das ganze Gefühl kam mir echt vor. Und dann diese historischen Charaktere – Jimmy Hoffa verschwand und wir wussten nie wirklich, wer schuld daran war. Und Frank Sheeran war in den Mord an Hoffa, der zu der Zeit so berühmt wie die Beatles oder Elvis Presley war, verwickelt. Diese Größe war wichtig für die Geschichte, die auf so eine intime Weise erzählt wird. Und das Dilemma meines Charakters, der zwischen Joe Pescis Charakter Russell Bufalino und Al Pacinos Charakter Jimmy Hoffa steht, ist eine großartige Geschichte. Und am Ende geht es auch darum, am Lebensende zu sterben.

Bevor Sie als alte Männer im Film zu sehen sind, gibt es auch viele Szenen, in denen Sie digital jünger gemacht wurden – teilweise mehr als 30 Jahre. Wie war es, sich selbst im Film wieder jung zu sehen?

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Robert De Niro: Es war gut. Aber wer weiß, wie unsere Bilder in Zukunft verändert werden, wie wir jünger gemacht werden – wem gehören dann die Rechte, wenn man die Gesichter verzerrt? Kann man dann noch behaupten, dass ich das bin? Es ist auch eine Art Verletzung der Persönlichkeitsrechte.

Ray Ramano als Bill Bufalino, Al Pacino als Jimmy Hoffa und Robert De Niro als Frank Sheeran (v. l. n. r.) in einer Szene des Films „The Irishman“. © Quelle: -/Netflix/dpa
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Wenn es im echten Leben möglich wäre, sich mit so einfachen Methoden jünger aussehen zu lassen, würden Sie das tun?

Robert De Niro: Nein, ich finde, dass jeder Mensch, außer man ist mit einem Handicap geboren, stolz darauf sein sollte, wie er ist. Wenn jemand sich verändern lässt, ist er unsicher. Er fühlt sich dann besser, aber jeder weiß ja, dass er etwas ändern lassen hat. Man ist perfekt, so wie man ist.

Wenn wir mal in Ihre Vergangenheit zurückkehren: Wie haben Sie beide sich eigentlich kennengelernt?

Al Pacino: Wir haben uns in den Sechzigern kennengelernt, als wir noch junge Schauspieler waren. Das erste Mal haben wir uns an der Ecke 1st Avenue/14th Street in New York getroffen. Bob und ich hatten beide eine Freundin, und Bob kannte meine Freundin. Ich mochte Bob sofort. Er hatte viel Charisma und war kein Angeber.

Robert De Niro: Genau, ich hatte zuvor mit seiner Freundin in einem kleinen Film zusammengearbeitet.

Seitdem haben Sie beide in einer Menge Gangsterfilme mitgespielt. Haben Sie jemals Feedback von der Gangsterwelt bekommen?

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Robert De Niro: Ja, die Gangster mögen unsere Filme. Wir arbeiten im Film auch mit Menschen zusammen, die aus dieser Welt kommen.

Nehmen die Gangster Sie auch als Vorbilder?

Robert De Niro: Das ist eine interessante Frage – ich weiß es nicht. Es ist ja immer die Frage, was zuerst da ist. Ich habe zum Beispiel letztens einen Artikel gelesen, in dem es um eine Person aus der Unterwelt von früher geht, die dann der Großvater von Trends und Traditionen der Unterwelt in New York war.

„The Irishman“ ist Ihr erster Netflix-Film. Was halten Sie davon?

Al Pacino: Nur durch Netflix konnten wir diesen Film machen. Generell ist es aber eine andere Erfahrung, wenn man einen Film in einem Kino sieht. Es wird interessant zu sehen sein, was passiert, wenn „The Irishman“ zu Hause angesehen wird. Man kann den Film stoppen, zwischendurch telefonieren, das ist einfach eine andere Art des Schauens. Was wir versuchen, ist, dass Netflix den Film auch in einigen Kinos zeigt – es geht nicht nur um den großen Bildschirm, den gibt es mittlerweile auch zu Hause, sondern um das Erlebnis.