Heino Ferch: „Ich habe fast 50 Corona-Tests hinter mir“

  • Im ARD-Film „Liebe ist unberechenbar“ ist Heino Ferch als neurotischer Mathematiker zu sehen.
  • Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht der Schauspieler über die Rolle, seinen verstorbenen Kollegen Michael Gwisdek und das Drehen in Zeiten der Pandemie.
  • „Es wird überall viel gedreht und sehr, sehr viel getestet. Ich habe schon fast 50 Corona-Tests hinter mir“, sagt Ferch.
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Er gehört zu den beliebtesten Schauspielern des Landes: Heino Ferch. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht der 57-Jährige über seinen neuen ARD-Film „Liebe ist unberechenbar“ (Freitag, Das Erste, 20.15 Uhr), in dem der im September verstorbene Michael Gwisdek in seiner letzten Rolle zu sehen ist – als Ferchs Vater.

Herr Ferch, haben Sie Höhenangst?

Nein, überhaupt nicht. (lacht) Sonst hätte ich die Anfangsszene auf dem großen Windrad gar nicht machen können.

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So beeindruckend beginnt Ihr neuer ARD-Film „Liebe ist unberechenbar“…

Danke. Das war in 130 Metern Höhe und wurde mit einer Drohne gefilmt, die von unten ferngesteuert wurde.

Wie kam man auf die Idee, Sie als neurotischen Mathematikprofessor zu besetzen?

Die Produktion hat einen Stoff für meine Schauspielkollegin Tanja Wedhorn und mich gesucht, und wir haben uns dann für dieses Drehbuch entschieden. Es war schon ein Wunsch von mir, dass ich mal etwas anderes spiele. In der „Nordholm“-Reihe im ZDF zum Beispiel spiele ich einen harten, kalten Hund. Das hält man auch als Schauspieler nur bedingt aus. (lacht) Zum Beispiel sind auch die „Allmen“-Filme ein heiß geliebtes Format von mir, was wieder ganz andere Charakterzüge bedient. Ich mag es sehr, unterschiedlich zu sein. Diesen gehemmten Menschen zu spielen, der auf eine quirlige Frau trifft, die voller Lebensfreude ist. Das ist ein großer Reiz gewesen, den zu spielen.

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Wie bereitet man sich auf so eine Rolle vor?

Ich habe im Vorfeld einen Profi aus dem therapeutischen Bereich getroffen, der sich mit dem Verhalten solcher Menschen auskennt. Ich wusste also schon, welche Macken und Defizite meine Figur haben sollte. Filmvorbilder wie „Forrest Gump“ waren natürlich auch willkommene Erinnerungen. Und es gibt auch einige Figuren, die Robin Williams verkörpert hat, die gerne mit solchen Charakterschwächen hantieren. Trotzdem baut man sich die eigene Figur dann mit seinem Regisseur selber zusammen.

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„Für mich sind die schwierigsten Rollen diejenigen, die am nächsten an mir selber dran sind“ – das sollen Sie mal in einem Interview gesagt haben. Wie leicht fiel Ihnen hier das Spielen?

Ganz so leicht ist es mir nicht gefallen, weil man immer versucht, einen Seiltanz hinzukriegen, dass dieses phobische Verhalten wirklich von innen kommt und dass das einen authentischen Habitus bekommt und nicht einen künstlichen. Normalerweise schaue ich mir die Szenen, die ich gerade gedreht habe, nie sofort an, aber dieses Mal habe ich das gemacht. Ich denke, dass jeder Mensch, der mit Schwächen oder Defiziten durch die Welt geht, versucht, sie zu verstecken und sich nichts anmerken zu lassen.

Gucken Sie sich grundsätzlich Filme von sich noch mal an, wenn sie im Fernsehen laufen?

Ich schaue den Film natürlich noch mal. Das ist ein ganz anderer Eindruck, als wenn man dreht. Wenn dann Schnitt, Bildbearbeitung, Ton und Synchron dazukommt, ist das etwas völlig Neues. Ich will schon sehen, was ich falsch gemacht habe. (lacht)

Sind Sie nie mit Ihrer Leistung zufrieden?

Selten. Ich glaube, jeder ist sich selbst der größte Kritiker. Es gibt immer etwas. Ich sehe zum Beispiel, dass ich zu wenig Schlaf hatte, an dem Abend, bevor eine bestimmte Szene gedreht wurde. Man wird ja nicht jünger. (lacht)

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Im Film soll Kindern und Jugendlichen das Thema Mathematik schmackhaft gemacht werden. Haben Sie sich in Ihrer Schulzeit für Mathe begeistern können?

Ganz ehrlich, überhaupt nicht. Das ist immer ein Problem gewesen, das ich relativ bald durchs Gymnasium geschleppt habe. Ich habe mich mit vielen anderen Sachen beschäftigt und hatte andere Interessen als Mathe. Wenn man in den Grundlagen nicht wirklich wasserdicht ist, hat man nach hinten raus keine Chance. So ist es mir während der Schulzeit gegangen. (lacht)

Ferch: „Dreh mit Micha war ein Geschenk“

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Im September letzten Jahres ist Michael Gwisdek gestorben, der in dem Film Ihren Vater spielt. Wie wird er für Sie in Erinnerung bleiben?

Wir haben mehrfach zusammengearbeitet, aber das war das erste Mal, dass wir eine Vater-Sohn-Geschichte gedreht haben. Der Dreh mit Micha war immer ein großes Geschenk. Er war ein großer Entertainer vor der Kamera und vor allem auch am Set. Die Zeit, die man mit ihm verbrachte, war immer ein Vergnügen. Er war ein toller, unterhaltsamer Kollege, der eine Menge zu erzählen hatte. Und er ist ein lustig-frecher Hund gewesen. Wir haben jeden Tag in vollen Zügen genossen, an dem wir Micha am Set hatten. Es ist eine Ehre, dass wir in seinem letzten Film zusammen waren.

War denn erkennbar, dass er krank war?

Während der Dreharbeiten hat man nichts gespürt. Ich habe keine Ahnung gehabt, dass er vielleicht schon zu diesem Zeitpunkt krank war. Bezeichnenderweise stand über der Todesanzeige ein Zitat von ihm: „Sag ihnen, sie haben mich beim Zigaretten holen vom Pferd geschossen.“ Das passt, mit dieser Ironie das Leben zu sehen, mit dieser Leichtigkeit sich selber auf die Schippe zu nehmen, und gern auch etwas kokett, das war Micha.

„Liebe ist unberechenbar“ (ARD) mit den drei Hauptdarstellern (von links) Tanja Wedhorn, Heino Ferch und Michael Gwisdek. © Quelle: Britta Krehl/ARD Degeto/obs

Sie haben im letzten Jahr unter anderem die neue „Ku’damm“-Staffel und „Allmen und die Erotik“ gedreht. Gewöhnt man sich an das Drehen in Zeiten von Corona?

Es wird überall viel gedreht und sehr, sehr viel getestet. Ich habe schon fast 50 Corona-Tests hinter mir. Als wir Anfang September mit dem „Allmen“-Dreh in Prag begonnen haben, wurde die Stadt zum Hochrisikogebiet erklärt. Das Kernteam musste jeden Tag einen PCR-Test machen. Dreharbeiten sind eben zur Zeit nur möglich mit strengen Corona-Schutzmaßnahmen, da müssen wir alle durch. Und so drehe ich jetzt schon den vierten Film in Corona-Zeiten.

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