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  • Harry und Meghan in Interview mit Oprah: vorläufiger Tiefpunkt

Harrys und Meghans Interview: Am Ende gibt es nur eine Gewinnerin

  • Das TV-Interview von Harry und Meghan zeichnet das Bild einer zerrütteten, gefühlskalten und dysfunktionalen Familie.
  • Das britische Königshaus ist schwer beschädigt, doch auch den beiden Hauptprotagonisten sind Vorwürfe zu machen, kommentiert Katrin Pribyl.
  • Am Ende dieser Schlammschlacht gibt es deshalb nur eine Gewinnerin.
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London. Großbritannien, das kann man so sagen, erlitt am Montag einen kollektiven Nervenzusammenbruch. Er wurde ausgelöst vom Sensationsinterview von Prinz Harry und Herzogin Meghan, die auspackten über die royale Familie und sich vor allem als Opfer darstellten, gefangen im goldenen Käfig, im Stich gelassen von der Verwandtschaft, verletzt von den Liebsten, unfair behandelt von der Presse.

Das zweistündige Drama ließ kaum etwas aus. Und es erschüttert einmal mehr das Bild vom Königshaus, das sich gern so unnahbar wie glanzvoll präsentiert – und sich nun gegen schwere Vorwürfe zur Wehr setzen wird und muss, will es nicht in eine tiefe existenzielle Krise stürzen. Denn die Anschuldigungen reichen von Rassismus über Lügen und Rufmord bis hin zur mangelnden Unterstützung eines nach eigenen Angaben zutiefst unglücklichen Paars, das mit dem immensen Druck und psychischen Problemen kämpfte, aber keine Hilfe erhielt.

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RND-Videoschalte nach dem TV-Interview von Meghan und Harry: So geht es für das Paar weiter
9:29 min
Meghan und Harry haben mit ihrem TV-Interview für viel Aufruhr gesorgt. Hollywood-Expertin Natascha Wittmann gibt in der RND-Videoschalte Einschätzungen dazu.  © RND

Meghans Naivität scheint unglaubwürdig

Die Familie wird als zerrüttet, gefühlskalt und dysfunktional geschildert. Das erinnert verdächtig an das Interview von Prinzessin Diana im Jahr 1995, als sie zum Rundumschlag ausholte. Die Parallelen dürften kaum zufällig sein. Die Abrechnung der Sussexes wirkte wie eine späte Rache von Harry für die Leiden der Mutter. Hier präsentierte sich das Paar wie schon damals die „Königin der Herzen“ als gutmütig, warmherzig und ahnungslos, das an der empathielosen, strikt hierarchischen und anachronistischen Institution verzweifelte. Es handelt sich um die eine Seite der Geschichte. Sie klingt verstörend, zumindest in Teilen.

Denn ein paar Haken gibt es. So fällt es schwer zu glauben, dass Meghan nicht klar war, in welche Familie sie einheiraten würde. So naiv kann die ehemalige Schauspielerin kaum gewesen sein, insbesondere weil Harry beinahe besessen von seinem Hass auf die Boulevardmedien ist und seiner künftigen Ehefrau sicherlich den Alltag im Kreis der Windsors beschrieben hat, der weniger Märchen als harte Arbeit ist.

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Meghan verrät im TV-Interview: "Ich wollte nicht mehr leben"
2:31 min
Der Herzog und die Herzogin von Sussex haben eine - oder gleich mehreren Bomben - platzen lassen, in einem Interview mit der US-Talkerin Oprah Winfrey.  © Reuters

Die Realität bestand eben nicht nur aus glamourösen Auftritten und Reisen durch die Welt für wohltätige Zwecke. Privilegien zu haben schien das Paar als Grundrecht zu betrachten, die dafür zu erfüllenden Aufgaben und der mit dem royalen Status einhergehende strenge Blick von Presse und Öffentlichkeit lehnten die beiden dagegen als Zumutung ab. Zahlreiche Insider betonten in den vergangenen Monaten außerdem immer wieder, dass die Herzogin jegliche Hilfe und Ratschläge vor und nach der Hochzeit ablehnte, stattdessen einige Mitarbeiter mobbte und mit einem US-amerikanischen Arbeitsethos im britischen Haushalt aneckte.

Doch eine Art von Selbstreflexion war in dem jetzigen Interview nicht zu erkennen. Stattdessen Klagen und Beschwerden, einige sicherlich gerechtfertigt, andere vermutlich überspitzt oder gar unangebracht. Manche Vorwürfe klingen nach verletzter Eitelkeit, nach Verbitterung und Neid. Das Problem mit dem Opfernarrativ ist, dass es wenig glaubhaft erscheint, wenn der Herzog und die Herzogin während einer Pandemie in einer Luxusvilla in Kalifornien leben und auf dem Rücken der auch auf sie noch abfärbenden Pracht und Reputation des Königshauses ein Vermögen machen. Hinzu kommt, dass etliche Briten mit Stolz auf die Monarchie blicken und die Attacken der beiden beinahe als persönlichen Affront betrachten.

Marke des Königshauses schwer beschädigt

Wie 1995 nach Dianas Interview ist auch jetzt die Marke des Königshauses schwer beschädigt, vielleicht sogar nachhaltiger als je zuvor. Daran tragen sowohl die Abtrünnigen im fernen Kalifornien Schuld als auch die sogenannte Firma in der britischen Heimat. Beide Seiten haben Fehler gemacht. Das Oprah-Gespräch ist der vorläufige Tiefpunkt in dieser traurigen Saga um Meghan und Harry, die mit ihren Aussagen vermutlich kaum jemanden zum Meinungsumschwung animiert haben.

Fans der Sussexes, vor allem außerhalb Großbritanniens, werden sie bewundern für ihren Mut und ihre Offenheit, verbal gegen das antiquierte, traditionsbewusste Königshaus zu schießen. Kritiker dagegen, insbesondere auf der Insel, dürften die Sussex-Seite der Geschichte mit Skepsis bewerten oder gar vollends vergrault sein.

Die einzige Siegerin dieser Schlammschlacht, so viel steht immerhin fest, heißt Oprah Winfrey.

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