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Harrison Ford: “Wir müssen Greta Thunberg den Weg freischlagen”

  • In seinem neuen Film "Ruf der Wildnis" spielt Harrison Ford an der Seite eines (animierten) Hundes.
  • Im Interview verrät er, wie ähnlich ihm seine Rolle ist - auch im echten Leben ist Ford ein Naturbursche.
  • Privat kämpft der Hollywood-Star für die Umwelt: Er unterstürzt junge Aktivisten wie Greta Thunberg und schießt gegen Donald Trump.
Dierk Sinderman
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Beverly Hills. Der Bart ist ab. Gott sei Dank, werden die Fans von Harrison Ford – und wahrscheinlich auch seine Frau Calista Flockhart – sagen. Denn in seinem neuen Film “Ruf der Wildnis” sieht der Held aus Star-Wars- und Indiana-Jones-Abenteuern ziemlich alt aus. Beim Interviewtermin im eleganten SLS-Hotel von Beverly Hills hat Ford seine Rollenkluft (Flanellhemd, Hosenträgerjeans) gegen einen zivilen Edelzwirn (dunkelblau, handgeschneidert) ausgetauscht und von seinen 77 Jahren mindestens zehn buchstäblich wegrasiert. Nur den knurrigen Charme eines Naturveteranen hat er aus dem Film auf sich übertragen – oder besser umgekehrt, von seinem persönlichen Naturell auf die Rolle.

Augenblicke: Trapper John (Harrison Ford) und sein tierischer Begleiter Buck. © Quelle: Fox

“Ruf der Wildnis” spielt zu den Wildwestzeiten des amerikanischen Goldrausches. Wie ist in unseren modernen Zeiten Ihr Verhältnis zur freien Natur?

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Unberührte Natur muntert mich auf. Sie gibt einem die Möglichkeit, ein wenig seine Gemütsruhe zurückzubekommen, die man im Alltagsleben verliert. Ich bin gerade von einem zwölftägigen Trip über den Colorado River und durch den Grand Canyon mit meiner Frau, meinem Sohn und ein paar guten Freunden zurückgekehrt. Es gab dort nichts, was einen ablenken konnte. Nur Wasser, Himmel, die tolle Umgebung und ein paar meiner Hirnaffen (lacht), die allerdings in der freien Natur immer leiser werden.

Eigentlich sind Sie nicht der Star des Films, sondern ein Hund namens Buck …

… der in fast jeder Szene zu sehen ist, aber nie wirklich vor mir sitzt.

Weil die Szene vom Computer geschaffen wird!

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Und von meinem Kollegen Terry Notary gespielt wird, der auf Motion Capture spezialisiert ist (Sensoren werden an ihm befestigt, seine Bewegungen an den Computer weitergeben, der daraus ein Bild geformt, Anm. d. Red.). Mit anderen Worten: Terry sitzt wie ein Hund vor mir. Er bringt das Verhalten eines Hundes so realistisch rüber, dass ich weniger Vorstellungskraft brauche und mich mehr auf meine Gefühle konzentrieren kann.

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Haben Sie einen Hund zuhause?

Ich hatte mehrere Hunde in meinem Leben. Im Moment leben drei mit uns. Wir haben sie alle aus dem Tierasyl adoptiert. Hunde waren immer sehr wichtig als Teil unserer Familie, und ich könnte mir gar nicht vorstellen, keine zu haben.

Warum sind sie Ihnen so wichtig?

Sie sind eine unglaubliche emotionale Stütze und wollen nur wenig Gegenleistung von einem. Es gibt eigentlich aus meiner Sicht keinen Grund, warum man keinen Hund haben sollte – außer man ist ständig auf Reisen. Sie sind unsere treuesten Gefährten und machen unser Leben besser.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Hund erinnern?

Ja. Das ist fast 70 Jahre her. Wir lebten in einem Apartment in Chicago. Unser Hund hieß Lady und mein Bruder und ich mussten uns um sie kümmern: füttern, Gassi gehen. So habe ich Sinn für Verantwortung gelernt.

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Sie sind seit langer Zeit ein Kämpfer für den Erhalt von Natur und den Schutz von Nationalparks.

Seit über 30 Jahren. Und es bricht mir das Herz, dass plötzlich Politiker unberührte Natur für kommerzielle Dinge wie Ölbohrungen freigeben. Aber wissen Sie was? Es macht mich stolz zu sehen, dass sich eine neue Generation für die Umwelt lautstark einsetzt. Früher wollte die Jugend nicht Teil des politischen Scheißsystems sein. Das hat sich geändert. Die neue Generation ist bereit, für politische Änderungen zu kämpfen. Sie lässt sich nicht mehr einfach so abwimmeln.

Wie wichtig ist es, dass Promis sich für politische oder soziale Dinge wie Umweltschutz einsetzen?

Bewegungen entstehen von unten und nicht durch Anregungen von Promis oder Autoritäten. Es braucht junge Aktivisten wie Greta Thunberg, die andere mitreißen. Das Beste, was wir tun können, ist, zum Teufel den Pfad für sie und ihre Mitstreiter freizuschlagen.

Anders als früher wird die neue Generation oft von den Eltern im Kampf gegen den Status quo unterstützt. Wie war das bei Ihren Eltern?

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Ich komme aus einer Familie mit einer jüdischen Mutter und einem katholischen Vater. Meine beiden Eltern haben ihre Religion aufgegeben und mich nicht mit religiösen, sondern mit ethischen und moralischen Prinzipien erzogen. Ich habe gelernt, wie wichtig Menschlichkeit und soziale Gerechtigkeit ist, und habe es verinnerlicht.

Nach Rick Decker in “Blade Runner” und Han Solo in “Star Wars” schlüpften sie jetzt noch einmal in eine ihrer Kultrollen und werden zum fünften Mal “Indiana Jones”. Was reizt Sie daran?

Ich glaube, jeder kehrt gerne noch einmal zu Dingen zurück, die sehr erfolgreich für einen waren. Wichtig für mich ist allerdings, dass wir nicht die alten Filme aufkochen, sondern dass wir neue gute Elemente reinbringen. Und das ist beim neuen Indiana Jones auf jeden Fall so. Es wird ein richtig guter Film!

Ihr Lieblingsdrink im “Ruf der Wildnis” ist Whiskey direkt aus der Flasche. Was ist Ihr persönliches Lieblingsgetränk, ohne das Sie nicht leben können?

Bis 16 Uhr ist es Kaffee. Manchmal schaffe ich es auch bis 18 Uhr (lacht). Aber ich mag abends dann meinen Drink als Absacker. Und das ist auch bei mir Whiskey.

Sie haben erwähnt, dass Sie in Chicago aufgewachsen sind. Woher kommt dann ihre Liebe zur Natur?

Wir zogen, als ich grade ein Teenie war, in einen Vorort von Chicago um. Und dort war ich der totale Außenseiter. Ich wurde von meinen neuen Mitschülern gemobbt, weil ich nicht sportlich, sondern eher der Strebertyp war. Ich hatte also viel Zeit für mich selbst und bin immer mit dem Fahrrad über die Feldwege und ein Waldstück gefahren, das nah an unserem Haus lag. Und dann hatte ich eines Tages ein ganz besonderes Erlebnis. (hält inne) Da war so ein Bach. An dem saß ich, als plötzlich auf der anderen Seite ein Fuchs auftauchte. Er setzte sich einfach hin und starrte mich an. Und ich saß regungslos da und schaute zurück. Wir blickten uns fast eine halbe Stunde lang in die Augen, ehe er dann wieder zurück in den Wald lief. Dieses Erlebnis hat sich mir eingebrannt. Es hat mir gezeigt, dass die menschliche Gesellschaft nicht die einzige Verbindung ist, die ich habe.

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