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Guido Cantz: “Mal sehen, ob es in zehn Jahren überhaupt noch Fernsehen gibt”

  • Am Samstag feiert der TV-Klassiker “Verstehen Sie Spaß?” (ARD) seinen 40. Geburtstag.
  • Im RND-Interview spricht Moderator Guido Cantz über politisch unkorrekte Streiche, Fake-Vorwürfe und die Zukunft der Show.
  • "Mal sehen, ob es in zehn Jahren überhaupt noch Fernsehen gibt. Man weiß das alles nicht", sagt Cantz.
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Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihren 40. Geburtstag, aber Sie dürfen niemanden zum Feiern einladen…

(lacht) Bei meinem 40. Geburtstag waren deutlich mehr Leute dabei. Wenn man allerdings all die Zuschauer mitzählt, die am Samstag zugucken werden, waren es nicht so viele bei meinem Geburtstag. (lacht) Das ist halt sehr schade, weil wir natürlich ganz andere Sachen geplant hatten. Mit großer Bigband und ganz vielen, tollen Gästen. Jetzt ist die Show ohne Publikum, doch wir haben zwei Überraschungsgäste. Aber die anderen werden alle per Video zugeschaltet. Das ist natürlich sehr, sehr schade, weil “Verstehen Sie Spaß?” nach 40 Jahren etwas Anderes verdient hätte. Aber man muss dieser Corona-Krise gerecht werden. Für uns alle ist klar, dass wir auf jeden Fall dazu beitragen wollen, dass die Zuschauer sich am 4. April gut unterhalten fühlen. Neben allem, was man im Alltag so mitbekommt. So traurig das auch alles ist, versuchen wir trotzdem, den Leuten für drei Stunden ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. In Spanien ist doch eine Frau 80 Jahre alt geworden, und zu ihrem Geburtstag wurde sie auf ihrem Balkon von den Nachbarn besungen. Sie bekam mithilfe eines Paddels auch noch einen Kuchen überreicht.

Wenn es abends nicht zu kalt ist, könnten ja die Zuschauer auf den Balkon gehen und singen..

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(lacht) Es lohnt sich auf jeden Fall, diese Reise von 1980 bis 2020 mitzumachen. Das ist für eine Unterhaltungssendung eine unglaublich lange Zeit. Ich denke, dass viele sich erinnern werden und sagen: “Ach guck mal, Mitte der Achtzigerjahre haben sich Männer noch einen Schlips angezogen und Frauen haben lange Kleider getragen, wenn man im Publikum saß!” Das war damals wie ins Theater gehen. Davon sind wir heute weit entfernt. (lacht)

Aber damals wie heute schalten die Zuschauer die Sendung ein…

Für viele ist das Ereignis “Verstehen Sie Spaß?” wieder ein wichtiges geworden. Wir haben unglaubliche Quoten zwischen zehn und 20 Jahren. Rund 29 Prozent der Kids schauen uns. Nicht umsonst haben wir so einen Riesenerfolg im Internet, weil die Kids die ganzen Filme bei Youtube gucken und mir dann hinterher erzählen, was ich hätte anders machen sollen. (lacht) Das hätte man im Vorfeld auch nicht gedacht, dass wir mal auf die 900 Millionen Aufrufe zugehen würden.

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Ihr Sohn wird dieses Jahr zehn Jahre alt. Guckt der auch schon?

Ja, klar. Der darf natürlich nicht so lange gucken, sondern nur bis 21.30 Uhr. Aber Grundschüler sind große Freunde unserer Show. Das Lustige ist, dass ich an Flughäfen Selfies mit Vätern mache, die zu mir sagen: “Wenn ich mit dem Foto nach Hause komme, bin ich bei meinem 13-jährigen Sohn ganz weit vorne…” (lacht)

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Haben Sie sich mittlerweile an den Begriff Spaßmacher der Nation gewöhnt?

Das war ich ja mein ganzes Leben lang schon. Eine klassische Karriere vom Klassenclown, Messdiener, Schülersprecher bis ich dann mit 19 Jahren zum ersten Mal auf der Bühne stand. Leute zu unterhalten, ist eine Kunst.

Noch ist nicht ganz klar, ob die Jubiläumsshow um 20.15 Uhr oder etwas später anfängt…

Natürlich haben in solchen Zeiten die Informationen Vorrang. Aber je länger diese ganzen Beschränkungen wie Kontaktsperren andauern, desto wichtiger wird Unterhaltung von Tag zu Tag für die Menschen. Insofern ist es auch richtig, das Jubiläum zu feiern, auch wenn es jetzt in einer abgespeckten Version ist. Wir haben frühere Moderatoren wie Dieter Hallervorden, Frank Elster und Cherno Jobatey ebenso dabei wie Paola Felix und Karl Dall. Aber auch prominente Gäste aus unseren früheren Filmen wie Jan Josef Liefers und Axel Prahl werden dazugeschaltet. Es wäre natürlich noch toller gewesen, wenn sie alle auf dem Sofa gesessen hätten. Aber wir freuen uns mit Comedian Bülent Ceylan und Eckart von Hirschhausen über zwei weitere Gäste, die live mit mir im Studio dabei sein werden.

Man merkt man ja selber, dass man nicht mehr jede Pressekonferenz zum Thema Corona verfolgt so wie am Anfang noch…

Mein Vater ist COPD-Patient und in der absoluten Risikogruppe. Ich schaue abends die “Tagesschau” und das “ARD extra” und man hat dann das Gefühl, dass man auf dem neuesten Stand ist. Wenn es neue Beschränkungen gibt, bekommt man das spätestens dann mit. Bei einer Unterhaltungsshow freut man sich dann auf jeden Fall, etwas zu sehen, wo man mal nicht an Corona denkt.

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Sie sind bestimmt schon diverse Male nach Ihrem Lieblingsfilm gefragt worden…

Das ist schwierig, aber natürlich wird so ein Film wie der Kiosk auf dem Matterhorn mit Reinhold Messner dabei sein. Vielleicht werde ich in der Sendung auch die Möglichkeit haben, mit Reinhold Messner zu reden. Damals war er ja gar nicht so begeistert, dass da jemand mit dem Helikopter einen Kiosk hochgeflogen hat. Für die damalige Zeit war das unglaublich, dass man da neben dem Kiosk auch noch zwei Kameras aufs Matterhorn hochschleppt. Man sieht wirklich mal, mit welchen “einfachen Mitteln” Kurt Felix damals die Filme gedreht hat. In den meisten Fällen mit einer Kamera und einer Einstellung. Wir haben heute bis zu 25 versteckte Kameras im Einsatz, wenn wir große Filme drehen.

Außer Reinhold Messner, welcher Promi hat in all den Jahren noch keinen Spaß verstanden?

Ich habe gehört, dass der einzige Promi, der wirklich überhaupt nicht begeistert war, Götz George gewesen sein soll. Das war noch zu Zeiten von Kurt Felix, der ihn damals persönlich reingelegt hat. Götz George soll das überhaupt nicht prickelnd gefunden haben. Wer sich noch an den legendären Auftritt von Götz George bei „Wetten dass…“ erinnern kann, weiß, wovon wir hier reden. (lacht) Der Film mit ihm liegt – wenn überhaupt – noch in irgendeinem Giftschrank des SWR.

Haben Promis auch mal den Braten gerochen, als sie reingelegt werden sollten?

Das gab es schon. In der jüngeren Vergangenheit mit Joachim Llambi, den wir versucht haben, bei einer Modenschau reinzulegen. Der hat aber irgendwann gesagt: “So Freunde, wenn ihr mir jetzt nicht sofort sagt, was los ist, dann breche ich ab und fahre nach Hause.” So etwas Ähnliches ist uns auch mal bei Rea Garvey passiert. Das war in einem Irish Pub, wo ein SEK-Kommando reinstürmte. Daraufhin hat Rea gesagt, dass sein Vater Polizist in Irland war und irgendein Detail nicht gestimmt hat. Das sind die beiden Promis, die uns in meiner Zeit direkt auf den Kopf zugesagt haben, dass es “Verstehen Sie Spaß?” ist. Bei Prominenten ist natürlich das Problem, dass man nur eine Chance hat, so einen Film zu drehen. Bei den Streichen, die man zum Beispiel in einer Fußgängerzone dreht, kann man natürlich mehr Anläufe wagen und es öfter versuchen, weil da ständig neue Leute vorbeikommen.

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In der jüngsten Vergangenheit wurde enthüllt, dass bei Joko & Klaas bei den Filmen mit der versteckten Kamera nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht. Wie sieht das bei “Verstehen Sie Spaß?” aus?

Wir sind sehr stolz drauf, dass wir nicht faken. Das Problem ist einfach, dass man das merkt. Wenn ein Schauspieler oder Prominenter “mitspielt”, obwohl er das nicht glaubt, dann behaupte ich, dass die Zuschauer das merken würden.

Bei Joko & Klaas wurden Komparsen einfach gepixelt, um Authentizität vorzugaukeln…

Pixeln machen wir auch nicht, weil wir da schon die Maxime haben, dass das alles echt sein soll. Die Leute, die wir heimlich gefilmt haben, müssen ja unterschreiben, damit sie im Fernsehen gezeigt werden dürfen. Dieses Thema kann man umgehen, wenn man pixelt. Das machen wir aber nicht. Wenn jemand nicht gezeigt werden möchte, zeigen wir ihn auch nicht. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum es “Verstehen Sie Spaß?” seit 40 Jahren gibt. Wir legen eine sehr gute Qualität hin. Natürlich klappen nicht alle Streiche, die wir uns überlegen. Teilweise sitzen wir vorher mit dem Team zusammen, denken, wir haben eine gute Idee und beim Drehen merkt man dann, dass man da mehr von erwartet hat. Aber oftmals steht und fällt es nur mit demjenigen, der in die Falle läuft. Wenn man eine kleine Idee hat, die sich auf dem Papier relativ langweilig liest, aber man hat jemanden, der sich komplett aufregt, dann ist das auf einmal ein superlustiger Film geworden. Allerdings muss man auch sagen, dass die Produktionsfirma Kimmig Entertainment, die das von Anfang an macht, einfach gut ist. Das ist ein schwieriges Geschäft. In der letzten Zeit wurde ja auf anderen Sendern immer mal wieder versucht, das Thema Versteckte Kamera wiederzubeleben. Aber die Sendungen gibt es nicht mehr alle.

In den letzten Jahren wird immer mehr darauf geachtet, politisch korrekte Späße zu bringen…

Meine Mutter sagt: “Das ist zu hart. Das darf man nicht.” Und 15-Jährige sagen: “Alter, da könnt ihr die Schraube mal ein bisschen fester anziehen!” Das ist ein bisschen die Krux, weil wir eine Familiensendung sind, die Zuschauer von acht bis 80 Jahren unterhalten möchte. Da muss man einen Mittelweg finden. Manchmal gerate ich auch mit meiner Frau aneinander, die dann sagt: “Den Film fand ich überhaupt nicht lustig!” Dieses politisch Korrekte ist auch bei uns ein Thema. Da wollen wir drauf achten und man muss wissen, wen man vor sich hat. Wenn ich eine Kabarettsendung mache, kann ich, was den Humor angeht, einfach etwas Anderes machen, als wenn ich Moderator einer Familiensendung bin, die um 20.15 Uhr im Ersten läuft.

Fallen Ihnen spontan Filme ein, die in der Jubiläumssendung auf gar keinen Fall mehr gezeigt werden können, weil sie zu einer anderen Zeit entstanden sind?

Es gab mal einen Film, den Kurt Felix in den Achtzigerjahren mal gemacht hat. Da standen Leute vor einem Aufzug und als die Tür aufging, hat da jemand drin geduscht. Teilweise war da eine Frau oben ohne zu sehen. Das würde man heute nicht mehr so machen. Schon allein aus dem #metoo-Gedanken heraus. Das war in den Achtzigern gar kein Thema. Da hat man gesagt: “Oh, die trauen sich was…”

Bei “Verstehen Sie Spaß?” kam es ja auch immer darauf an, wie der Moderator die Sendung angelegt hat. War Harald Schmidt, der übrigens in der Jubliäumsshow fehlen wird, ein großes Missverständnis als Moderator?

Ich weiß nicht, ob das ein Missverständnis war. Wenn man sich das Logo seiner Sendungen anguckt, stand da sehr klein “Verstehen Sie Spaß?”, aber sehr groß “Die Harald Schmidt Show”. Ich denke, dass der Harald damals schon geguckt hat, wie man eine eigene Personalityshow mit dem Vehikel der Show an den Start bekommt. Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass ich das damals geschaut habe. Er ist das Ganze natürlich auf ganz andere Art und Weise angegangen. Die Familienunterhaltung stand da nicht im Mittelpunkt, sondern eher er selber. (lacht) Danach hat es Dieter Hallervorden wieder komplett anders inszeniert. Da war es eher eine Kabarettsendung mit Sketchen. Das ist richtig spannend, wenn man sich die Historie dieser Sendung ansieht. Auch die werden wir am Samstag natürlich beleuchten.

Wird es “Verstehen Sie Spaß?” auch noch die nächsten 40 Jahre geben?

Ich weiß nicht, ob es die Sendung noch in 40 Jahren gibt. Das kann ich nicht beurteilen. Aber ich gehe jetzt mal das nächste Jubiläum an: 50 Jahre. Da glaube ich in jedem Fall dran, weil dieses Thema Versteckte Kamera die Leute einfach interessiert. Auf dem Sofa sitzen und anderen dabei zusehen, wie sie reingelegt werden. Gleichzeitig weiß man, mir auf meinem Sofa kann nichts passieren. (lacht) Diese Schadenfreude ist das, womit wir seit vier Jahrzehnten Erfolg haben.

Wer wären denn Ihre Wunschpromis für die nächsten Jahre?

Natürlich möchte man sehen, wie unser Bundestrainer Jogi Löw oder unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel reagieren, wenn sie nicht wissen, dass sie gefilmt werden. Die kennt man immer souverän in Situationen, die sie beherrschen können. Das ist die Herausforderung. Ich habe gerade mein Vertrag um zwei weitere Jahre verlängert. Mal sehen, ob es in zehn Jahren überhaupt noch Fernsehen gibt. Man weiß das alles nicht. Aber wir hoffen natürlich das Beste… (lacht)

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
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