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Frank Thelen entschuldigt sich nach Rassismusvorwürfen – und beklagt Kampagne

  • In einem Podcast philosophiert Frank Thelen über mögliche Zwangssterilisierungen in Afrika.
  • Ein Ausschnitt des zwei Jahre alten Gesprächs wird seit Montag auf Twitter herumgereicht – Nutzerinnen und Nutzer werfen Thelen Rassismus vor.
  • Inzwischen hat sich der Unternehmer entschuldigt und von den Vorwürfen distanziert. Zugleich wittert er eine Kampagne.
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Bonn. Der Unternehmer Frank Thelen hat sich in einem Statement für einen Podcast-Ausschnitt aus dem Jahre 2019 entschuldigt. Twitter-Nutzer hatten zuvor eine kurze Passage aus dem Podcast „Startup-DNA“ geteilt, in dem Thelen über Zwangssterilisation als Begrenzung der Weltbevölkerung philosophiert und als Beispiel ausgerechnet Afrika heranzieht. Der Ausschnitt ist nur wenige Sätze lang – und sorgt in der Twitter-Sphere für mächtig Aufregung. Viele Nutzerinnen und Nutzer halten die Worte des ehemaligen „Höhle der Löwen“-Juroren für tief rassistisch.

Was steckt dahinter? Und was hat Thelen tatsächlich gesagt?

Philosoph bringt Afrika ins Spiel

Hintergrund der Aufregung ist eine Podcast-Episode vom 31. Oktober 2019, die Thelen mit dem Philosophen Anders Indset aufgenommen hatte. Im letzten Part des Podcasts bringt Thelen den Klimawandel und die Umweltverschmutzung ins Spiel und sagt: „Am Ende des Tages ist eins der größten Probleme, dass wir uns als Menschen immer mehr vermehren.“ Dann fragt er Indset nach seiner Einschätzung: „Würde es dem Planeten besser gehen, wenn wir weniger Menschen hätten?“

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Nach ein wenig Hin und Her setzt Indset zu einem längeren Monolog an. Und tatsächlich ist nicht Thelen, sondern Indset auch derjenige, der hier erstmals das Beispiel Afrika einbringt.

„Natürlich würde es der Erde besser gehen, wenn es überhaupt keine Menschen gäbe“, sagt der Philosoph und ergänzt später: „Ich mache mir eher Gedanken, weil wir eben acht Milliarden haben und weil wir einen unfassbaren Zuwachs an Menschen in Afrika haben werden. Wie können wir die Lebensgrundlage, also dieses organisierte menschliche Leben verlängern? Wir sind längst überfällig als Spezies. Wie können wir es verlängern, sodass es uns gelingt, zehn Milliarden Menschen auf diesem Planeten auch einigermaßen zu versorgen?“

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Thelen hat eine Idee

An dieser Stelle steigt Frank Thelen ein. „Man könnte ja zum Beispiel – also ich sage nicht, dass ich das gut finde, ich habe das nicht durchdacht … Aber China zum Beispiel hat ja gesagt: ‚Die dürfen sich nicht mehr vermehren.‘ (…) Dass man nur noch ein Kind haben darf. Man könnte in Afrika genau das machen, ein Gesetz erlassen und sagen, nach so und so viel Geburten wird der Mann sterilisiert, die Frau. Ich sage nicht, dass das richtig ist, ich sage nur …” Dann wird Thelen von Indset unterbrochen.

„Ich habe eine viel einfachere Antwort“, so der Philosoph. Sie heiße Bildung – dann sinke auch die Geburten­rate. „Bildung, Energie und Wasser. In Afrika wird die Bevölkerung von 1,3 Milliarden auf vier Milliarden anwachsen, und es wird wärmer. (…) 2, 3 Milliarden Menschen, die fast in unmöglichen Lebensverhältnissen leben. Wenn wir da nicht reininvestieren, dann holen wir uns diese Herausforderung auf dem Planeten selbst ins Haus, weil wir nicht verstehen, wie die Welt tickt.“

Twitter-Ausschnitt ohne Einleitung

Der kurze Ausschnitt, in dem Thelen über die Zwangssterilisationen spricht, wird zunächst von dem Investor Philipp Kloeckner auf Twitter geteilt. In dem nur neunsekündigen Ausschnitt fehlt sowohl Thelens Einleitung „Ich sage nicht, dass ich das gutfinde“ als auch seine Abmoderation „Ich sage nicht, dass das richtig ist.“

Wohl nicht zuletzt deshalb sorgen Thelens Gedankenspiele schnell für größte Empörung in der Twitter-Blase. Der Autor Mario Sixtus schreibt beispielsweise: „Das ist einfach nur purer Rassismus, was @frank_thelen hier ablässt. Daran gibt es überhaupt nichts herumzudeuteln und zu relativieren.“ Ein anderer schreibt: „Menschen auf anderen Kontinenten sterilisieren lassen, damit wir in Europa weiter auf Kosten der Erde leben können. Das ist purer Faschismus und Rassismus.“

Der Journalist Rayk Anders schreibt: „In DEUTSCHLAND soll der Staat die Menschen gefälligst in Ruhe lassen, aber in AFRIKA kann man ja mal brainstormen, Männer vom Staat sterilisieren zu lassen! Deren Freiheit endet offenbar da, wo ‚unsere‘ Ressourcen knapp werden. Danke fürs wichtige Learning, Hr. Thelen.“ Klaas Heufer-Umlauf kommentiert den Ausschnitt einfach nur mit einem Wort: „what?“

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Was Thelen selbst zum Fall sagt

Thelen selbst äußerte sich am Montagabend schließlich selbst zum Fall. Er entschuldigte sich für seine Wortwahl, fühle sich jedoch auch ungerecht behandelt.

„Ich habe leider einfach die Idee in den Raum geworfen, man könnte als Regierung sogar auf die Idee kommen, Frau oder Mann zu sterilisieren, nachdem sie ein oder zwei Kinder bekommen haben. Und das kam einfach falsch an. Auch zu Recht, ich hätte diese beiden Worte am besten gar nicht in einen Satz getan.“

Thelen betont: „Ich habe in diesem Podcast vorher und auch nach diesem Satz gesagt, dass das keine gute Idee ist. Trotzdem hätte ich Sterilisation und Afrika wahrscheinlich nicht in einen Satz so packen sollen. Das tut mir leid.“ Er distanziere sich „unendlich weit von Rassismus“. „Ich will keine AfD in der neuen Regierung haben, genauso will ich aber auch keine linksradikale Regierung haben.“

Der Unternehmer sei zudem „unendlich böse, dass einige Menschen das so unglücklich geschnitten haben, wo wirklich genau die Worte nur genommen werden und eben nicht mal der ganze Satz. Der hätte dann schon vieles klargestellt. Um eine gewisse Kampagne loszutreten.“

Wahlkampf und eigener Fonds

Nicht bei allen kommt die Entschuldigung an. „Wo Sie glauben zu stehen ist irrelevant. Menschen, die aus der Geschichte gelernt haben, kommen nicht mal auf die Idee, Menschen zu sterilisieren als Option ins Gespräch zu bringen. Und dass Sie AfD und Linke in einen Topf werfen, zeigt nur, wie wenig Sie gelernt haben“, schreibt beispielsweise ein Nutzer. „Das ‚kam nicht falsch an‘, sondern das war menschenverachtend falsch“, kommentiert der Politikberater Erik Flügge.

Ein weiterer schreibt: „Wie wär’s, wenn du überhaupt nicht Sterilisation in den Mund nimmst? Wäre mal eine Idee. Ich glaube auch nicht, dass du verstehst, was du da gemacht hast und wo das eigentliche Problem ist. Deine Worte sind es nicht, es sind die Denkmuster.“

Frank Thelen war in den Medien zuletzt vor allem als glühender Wahlkämpfer für die FDP aufgefallen. In die Schlagzeilen geraten war er zuletzt, als bekannt wurde, dass Thelen und weitere Investoren eine halbe Million Euro an die Partei gespendet hatten. Am Mittwoch startet der Unternehmer seine ersten Fonds für Aktien und Kryptowährungen. Damit wolle er „den Venture-Capital-Gedanken und unsere Erfahrungen auf dem Feld breiteren Anlegerkreisen zugänglich machen“, wie Thelen Medien sagte.

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