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Drei Jahre #MeToo: Der Weinstein-Effekt auf Spacey, Trump und Wedel

  • Vor drei Jahren verbreitet sich der MeToo-Hashtag wie ein Lauffeuer auf der ganzen Welt.
  • Millionen Frauen und Männer teilen seitdem ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt.
  • Besondere Aufmerksamkeit liegt auf berühmten Männern: Was wurde aus den Beschuldigten Kevin Spacey, Dieter Wedel und Donald Trump?
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Mit den Investigativrecherchen der New York Times und des New Yorkers hat es angefangen: Beide US-Publikationen berichten im Oktober 2017 über das sexuelle Fehlverhalten des US-amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein. Doch erst ein Hashtag gibt der aufkommenden Bewegung ihren Namen: #metoo. Schauspielerin Alyssa Milano postet am 15. Oktober 2017 auf Twitter: „Wenn Sie sexuell belästigt oder angegriffen wurden, schreiben Sie ‚Ich auch‘.“

Die Idee des Hashtags geht auf die US-amerikanische Aktivistin Tarana Burke zurück, die seit 2006 mit diesem Schlagwort auf sexualisierte Gewalt aufmerksam macht.

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Millionen Frauen (und Männer) folgen dem Aufruf von Milano und teilen ihre Erfahrungen von Missbrauch, Vergewaltigung und Belästigung. Viele Opfer wenden sich an Zeitungen und trauen sich erstmals öffentlich, ihre mutmaßlichen Peiniger zu benennen. Diese prominenten Namen fallen gleich mehrfach: Schauspieler Kevin Spacey, Weinstein und US-Präsident Donald Trump. Und in Deutschland: Regisseur Dieter Wedel.

23 Jahre Haft für Harvey Weinstein

Die Vorwürfe gegen Weinstein überraschen 2017 die Öffentlichkeit. Doch in Hollywood schien sein Verhalten schon lange ein offenes Geheimnis gewesen zu sein. Viele Schlüsselfiguren der MeToo-Bewegung, darunter die Schauspielerinnen Rosanna Arquette, Ashley Judd und Gwyneth Paltrow, erzählen von ihren Erfahrungen mit dem Medienmogul. Insgesamt werfen rund 100 Frauen dem Produzenten sexuelles Fehlverhalten vor. Infolgedessen verliert der mittlerweile 68-Jährige seine Karriere, Macht und Ehefrau.

In London, Los Angeles und New York City untersuchen die dortigen Polizeistellen eine Vielzahl von Anschuldigungen, die Weinstein bis heute bestreitet. Der erste Prozess beginnt im Januar 2020 in New York. Die Jury spricht Weinstein einen Monat später wegen Vergewaltigung dritten Grades und kriminellen sexuellen Handlungen ersten Grades schuldig. Er soll 23 Jahre in Haft – sein Anwalt möchte in Berufung gehen. Momentan sitzt er in einem Gefängnis im Bundesstaat New York.

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Ob es bei nur einer Verurteilung bleibt, ist fraglich: In Los Angeles muss Weinstein sich ebenfalls vor Gericht verantworten, unter anderem wegen gewaltsamer Vergewaltigung in vier Fällen. Wie die Nachrichtenagentur „AP“ berichtet, fordert die Staatsanwaltschaft die Überstellung Weinsteins nach Kalifornien. Doch wegen der Corona-Pandemie ist das erstmal aufgeschoben.

Keine Zukunft im Film

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Fast 40 Jahre arbeitet Weinstein im Filmgeschäft: Zuletzt als Vorstandsvorsitzender seiner Produktionsfirma „The Weinstein Company“ gemeinsam mit seinem Bruder Bob. Der Vorstand entlässt ihn wenige Tage nach den ersten Berichten. Bob Weinstein gibt später an, nichts von den Taten seines Bruders gewusst zu haben.

Harvey Weinstein und seine Exfrau Georgina Chapman.

Weinstein zählt vor dem Skandal zu den machtvollen Spendern der Demokratischen Partei. Er organisiert Spendengalas für Politikerinnen und Politiker, auch für Barack Obama. Der ehemalige US-Präsident distanziert sich in einem Statement von Weinstein: „Michelle und ich waren von den jüngsten Berichten von Harvey Weinstein angewidert.“ Auch Weinsteins Familie wendet sich ab: Ehefrau Georgina Chapman, Inhaberin der Modemarke „Marchesa“, lässt sich scheiden.

Kevin Spaceys Entschuldigung sorgte für Kritik

Die Nachbeben des Weinstein-Skandals werden Weinstein-Effekt genannt: Kevin Spacey spürt diesen bis heute. US-Schauspieler Anthony Rapp („Star Trek“) wirft Spacey 2017 in einem „Buzzfeed“-Interview vor, er habe ihn 1986 betrunken angemacht. „Er hat versucht, mich zu verführen“, so Rapp. Damals sei Spacey 26 Jahre und Rapp 14 Jahre alt gewesen. Spacey entschuldigt sich prompt auf Twitter.

Der zweifache Oscar-Preisträger sagt allerdings, er würde sich nicht erinnern: „Aber wenn ich mich damals so verhalten habe, wie er es beschreibt, schulde ich ihm die aufrichtigste Entschuldigung.“ Das Statement bringt Spacey eine Menge Kritik ein, weil er direkt im nächsten Absatz seine Homosexualität verkündet. Viele kritisieren damals, dass der mittlerweile 61-Jährige sein mutmaßliches Fehlverhalten und seine Homosexualität in einem Atemzug nennt. Der schwule Comedian Billy Eichner macht seiner Wut auf Twitter Luft: „Die Erklärung von Spacey ist wirklich ekelhaft, unverantwortlich und gefährlich.“

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Bizarres Video wirft Fragen auf

Wenige Monate später kommen weitere Anschuldigungen hinzu, auch acht Mitarbeiter des „House of Cards“-Set melden sich. Die Vorwürfe: Sexuelle Belästigung und sexuelle Übergriffe. Daraufhin muss Spacey die Serie verlassen. Juristisch gesehen erlebt Spacey bis heute wenig Konsequenzen: Zwei strafrechtliche Prozesse in Nantucket (Massachusetts) und in Los Angeles laufen 2019 ins Leere.

Kevin Spacey als US-Präsident Frank Underwood in der Netflix-Serie „House of Cards“.

Doch im September dieses Jahres verklagen Rapp und ein weiterer Unbekannter Spacey. In London ist der Schauspieler ebenfalls Teil von Untersuchungen, bisher gibt es allerdings keine Anklage. Zwischenzeitlich teilt Spacey bizarre Videos auf sozialen Netzwerken: Darin schlüpft er in seine „House of Cards“-Rolle des Frank Underwoods.

Eine Einladung bekommt Spacey 2020 dann doch: Im März dieses Jahres darf er auf der deutschen Start-Up-Konferenz „Bits & Pretzels“ erzählen, wie man Krisen und Unsicherheiten überwindet. Das ist überraschend, denn vor drei Jahren heißt es von den Veranstaltern, dass Spacey „derzeit kein geeigneter Botschafter“ sei. Ihre diesjährige Einladung erklären die Gründer in einem Statement unter anderem so: „Die Entscheidung über alle Anschuldigungen überlassen wir den Gerichten.“ Bis auf diese Ausnahmen bleibt es still um Spacey – ein schauspielerisches Comeback scheint unwahrscheinlich.

Dieter Wedel bestreitet Vergewaltigung

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Der sogenannte Weinstein-Effekt kommt 2018 auch in Deutschland an, jedoch mit einer viel kleineren Wucht. Hierzulande dreht sich #MeToo vor allem um Regisseur Dieter Wedel: Der mittlerweile 80-Jährige ist bekannt für Filme wie „Der große Bellheim“ (1994) oder „Gier“ (2010). In einem Bericht der „ZEIT“ werfen drei Frauen dem Regisseur Übergriffe bis hin zu sexueller Nötigung vor. Darunter auch die Schauspielerin Jany Tempel, die sagt, dass Wedel sie 1996 bei einem Vorsprechen in dem Münchner Hotel „Vier Jahreszeiten“ vergewaltigt habe. Wedel weist die Vergewaltigungsvorwürfe zurück. Die Staatsanwaltschaft München I nimmt noch im gleichen Monat die Ermittlungen auf, doch bis heute gibt es keine Anklage.

„Wann die Ermittlungen abgeschlossen werden können, lässt sich derzeit leider nicht ausreichend beurteilen“, erklärt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Wir streben an, das Ermittlungsverfahren dieses Jahr abzuschließen“, heißt es weiter. Das hänge jedoch nicht nur von der Staatsanwaltschaft ab.

2018 sagt Wedel der „Bild“-Zeitung: „Inzwischen bin ich froh, dass es diese Ermittlungen gibt. Ich vertraue auf die Staatsanwaltschaft.“ Dennoch legt er seine Arbeit als Intendant der Bad Hersfelder Festspiel im gleichen Jahr nieder. 2018 erlitt er eine Herzattacke, so eine Sprecherin des Regisseurs.

Vorwürfe prallen an Donald Trump ab

Donald J. Trump ist ein besonderer Fall im MeToo-Kosmos. Mindestens 24 Frauen werfen US-Präsident Donald Trump sexuelles Fehlverhalten vor, darunter auch Vergewaltigung und sexuelle Belästigung. Doch die Anschuldigungen, die es schon vor dem ersten Weinstein-Bericht gegeben hat, scheinen an Trump abzuprallen. Der jüngste Vorwurf kommt im September 2020, von dem ehemaligen Model Amy Dorris. Sie berichtet dem „Guardian“, Trump habe ihr während der „US Open“-Tennisturniere in New York 1997 die Zunge in den Hals gedrückt und sie angefasst. „Seine Hände waren [...] überall an meinem Po, Brüsten, Rücken, alles“, so Dorris. Trumps Anwälte bestreiten den Vorfall, genau wie alle anderen Anschuldigungen.

US-Präsident Donald Trump mit seiner Ehefrau Melania.

Trump betont immer wieder, wie sehr er Frauen respektiert. Das hält ihn allerdings nicht davon ab, abfällig über sie zu sprechen, wie zahlreiche Beispiele zeigen. Auch wenn der Weinstein-Effekt bis heute auf Trump wirkt, Konsequenzen trägt er bisher nicht. Im Gegenteil: Seit Januar 2016 ist er der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, das mächtigste Amt der Welt. Gegenüber „CNN“ sagt eine der Frauen letztes Jahr: „Ich fühle mich als wären wir die Vergessenen. Ich fühle mich als wären wir beiseite geschoben und vergessen worden.“ Momentan kandidiert Trump um eine zweite Amtszeit, bisher ist sein Umgang mit Frauen kaum Thema im Wahlkampf.



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