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Erinnerung an den Komiker und Schauspieler

Vor zehn Jahren starb Dirk Bach: über einen Kleinen, der ein Großer war

Mehr Sympathieträger geht nicht: Der Schauspieler, Comedian und Moderator Dirk Bach war ein Star des Fernsehens der bunten 90er- und 2000er-Jahre. Er verstarb am 1. Oktober 2012 im Alter von 51 Jahren.

Mehr Sympathieträger geht nicht: Der Schauspieler, Comedian und Moderator Dirk Bach war ein Star des Fernsehens der bunten 90er- und 2000er-Jahre. Er verstarb am 1. Oktober 2012 im Alter von 51 Jahren.

Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Dirk Bach war einer von den Guten, und er hat erst gar nicht versucht, das zu verstecken. „Comedy kann unheimlich viel, wenn man keinen schlechten Zweck damit verfolgt“, sagte er einmal im Interview mit der Nachrichtenagentur Teleschau. Auch wenn er weiland im RTL-Dschungelcamp mit seiner drolligen Khaki-Fantasieuniform, den bunten Hemden und dem Tropenhelm nie um einen Spruch verlegen war, aus dem Mund von Dirk Bach klang selbst die frechste Zote niemals böse. Dafür kam der knuddelige Moderator, Comedian und Schauspieler viel zu gutmütig und liebenswert rüber.

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Der Tod des TV-Stars erschütterte vor zehn Jahren, am 1. Oktober 2012, nicht von ungefähr die Menschen. Der gebürtige Kölner, der mit nur 51 Jahren vermutlich an einem Herzversagen starb, war einer der großen Protagonisten der knallbunten Fernsehunterhaltung der 90er- und der Nullerjahre, einer Zeit, in der Attribute wie schräg, bunt und nonkonform noch nicht unentwegt auf einem mit Häme und Polarisierung aufgeladenen Social-Media-Prüfstand hinterfragt wurden.

Zehn Jahre ist Dirk Bach nun schon tot. Ein guter Anlass, um einen Kleinen zu würdigen, der ein Großer war – aber auch, um sich zu fragen, ob eine solche Karriere heute noch möglich wäre. Auch seine gute Freundin Hella von Sinnen tat dies dieser Tage. Sie begleitete gemeinsam mit Cornelia Scheel und Pelle Pershing die Vorbereitungen des Buches „Dear Dicki“. Es erschien zum zehnten Todestag von Dirk Bach und enthält persönliche Briefe von Weggefährten, unter anderem von Anke Engelke, Wigald Boning, Sonja Zietlow, Gerhard Polt, Jürgen Domian, Olli Dittrich, Bastian Pastewka und Udo Lindenberg.

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Der klassische Star zum Liebhaben

Dirk Bach war als öffentliche Figur, als Fernsehstar, stets sehr eindeutig. Er zeigte jedoch weder Krallen noch zeichnete er sich durch scharfe Kanten aus. Rund zu sein, das gehörte bei dem 1,68 Meter kleinen Dirk Bach nicht nur zum Programm, es prägte wohl auch sein ganzes Wesen: Dirk Bach war ein Fernsehschwergewicht, das nie zu viel Aufhebens um seine Person machte. Er war der klassische Star zum Liebhaben – aber auch, so schien es, für ewig an das Paradiesvogelklischee gebunden. Ob er darunter auch litt, ist schwer zu sagen. In Interviews fiel seine Kritik am Schubladendenken stets dezent aus – womöglich, weil ihm bewusst war, dass er eben diesem Schubladendenken auch einiges zu verdanken hat.

Dirk Bach und Sonja Zietlow moderierten zusammen „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!".

Dirk Bach und Sonja Zietlow moderierten zusammen „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!".

„Man kann sehr viel Schlechtes verhindern, wenn man sich selbst immer wieder infrage stellt, über sich selbst Witze macht“: Dass sich Dirk Bach selbst nie zu wichtig nahm, war wohl sein eigentliches Erfolgsgeheimnis. Denn wer über sich selbst lachen kann, genießt die Narrenfreiheit, die es braucht, um ein Trash-Format wie die RTL-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ so lange mit spitzer Zunge mitzutragen. Sechs Staffeln des Dschungelcamps moderierte er gemeinsam mit Sonja Zietlow und sorgte für allerbeste Unterhaltung – mit Sprüchen der Marke: „Hier im Dschungel ist es wie in Berlin, die Arbeitslosen nennen sich Künstler.“ Aber: „Auch dort spiele ich eine Figur“, so Bach.

Ein ernsthafter und gefragter Theaterschauspieler

Der am 23. April 1961 in Köln geborene Bach war so viel mehr als das vielfach mit Preisen ausgezeichnete bekannte Fernsehdickerchen, viel mehr als schrill und lustig. Ein ernsthafter und gefragter Theaterschauspieler beispielsweise. Einer, der mit vielen bemerkenswerten Rollen im Kino erfolgreich war. Und ein Büchernarr, der viele Tausend Titel sein Eigen nannte. Er war Vegetarier und engagierter Tierschützer. Bach unterstützte Amnesty International und die Organisation PETA, von der er 2001 mit dem Humanitarian Award ausgezeichnet wurde. 2008 erhielt er den Reminders Day Award für sein Engagement im Kampf gegen HIV und AIDS. Das „Lebenshaus“, ein Hospiz für Aidskranke in Köln-Longerich, wurde 2013 im Gedenken an Dirk Bach in „Dirk Bach-Haus“ umbenannt. Der eng mit Hella von Sinnen befreundete Patenonkel von Luke Mockridge setzte sich mit seinem ganzen lebensfrohen Kölschen Gemüt für die Gleichberechtigung von Homosexuellen ein – mit seinem eigenen Schwulsein ging er immer locker und völlig unverkrampft um.

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Wer je das Vergnügen hatte, sich mit dem Künstler abseits der schrillen Blödelformate zu unterhalten, entdeckte schnell auch die tiefgründige Seite des Comedians. Ob er der Schublade als die lustige, kleine, dicke Tunte nicht gerne entkommen würde, wurde Bach im Interview gefragt. „Vielleicht, ein bisschen – aber ich scheue den Kraftaufwand, den man dafür einsetzen muss. Wichtig ist, dass ich selbst dieses Klischee ja nicht lebe. Der Rest ist absolut zweitrangig“, so die vielsagende Antwort des Mannes, der in der großen Zeit von „leben und leben lassen“ zum Star avancierte.

„Wir müssen einfach mehr zulassen, mehr ausprobieren“

In der großen weiten Welt zwischen Loveparade und „Bullyparade“, zwischen „7 Tage, 7 Köpfe“ und „Big Brother“, zwischen „Genial daneben“ und „Schillerstraße“ war fast alles möglich – ohne Weiteres auch ein Werdegang wie der von Dirk Bach, der 1992 mit der „Dirk Bach Show“ bei RTL bekannt geworden war und mit den ZDF-Schmunzelserien „Lukas“ und „Der kleine Mönch“ ein Star der „Generation VIVA“ wurde und fraglos auch ein wenig Fernsehgeschichte geschrieben hat.

Wenn man heute Bilder aus einer quietschbunten Sitcom wie „Lukas“ (1996 bis 2001) sieht, fragt man sich unweigerlich, wann, wo und warum das im Laufe der Jahre eigentlich verloren gegangen ist: dieser zugleich liebevolle und anarchistische Ansatz, schrilles Fernsehen für die ganze Familie zu machen – oder besser: für das Kind in den erwachsenen Zuschauerinnen und Zuschauern. Damals ging alles – sogar im ZDF. Bach erhielt 1996 für die Rolle des Titelhelden, eines übergewichtigen Schauspielers, der in einer Kindersendung als fliederfarbene Fledermaus auftritt, den Fernsehpreis Telestar als bester Darsteller in einer Serie.

„Solange du Gutes willst, kennt Humor keine Grenzen“, sagte Dirk Bach einst. Auf Debatten über Geschmacksfragen hatte er keine Lust. „Was ist das überhaupt für ein Begriff, ‚guter Geschmack’“, dozierte er weiland im Teleschau-Interview: „Ich denke, wir sollten uns in der Comedy alle Möglichkeiten offen halten. Wenn du anfängst, auf bestimmte Gruppen Rücksicht zu nehmen, gräbst du dir selbst das Wasser ab. Irgendwann unterscheidest du tatsächlich zwischen korrekten und inkorrekten Witzen.“ Das war 2009 – der Entertainer ahnte offenbar, was da noch kommen würde. „Wir sollten uns in dieser Beziehung alle eine ganz große Offenheit und Toleranz bewahren.“ – Worte, die heute noch mal eine ganz andere Bedeutung hätten.

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Dirk Bach seinerseits würde sich fraglos am noch immer gigantischen Erfolg von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ erfreuen. Nicht etwa aus Eitelkeit, sondern weil es ihm einfach ein Anliegen war, diese Art Fernsehen auf einer breiten Basis zu verankern. Längst beschäftigen sich die Feuilletons mit diesem hochironischen Format, das so viele Blüten trieb und Nachahmer fand wie wohl kein anderes hierzulande. „Ich habe mich eher gewundert, warum sie so lange gebraucht haben, um die Sendung zu verstehen – schließlich sind sie doch intellektuell“, frotzelte er damals, 2009, über die Kritiker, die gerade dabei waren, auf das „Dschungelcamp“ einzuschwenken. „Ich war beglückt, dass sie es endlich verstanden haben. Wir haben seit der ersten Sendung nichts verändert und es auch nie anders gemeint.“

Bach zeigte sich vom Konzept überzeugt: „Ich finde, dass es eines der ironischsten Formate ist, die es gibt. Gerade in Bezug auf die Frage, wie man mit Fernsehen umgeht.“ Und sein Plädoyer könnte man immer noch so stehen lassen: „Wir müssen einfach mehr zulassen, mehr ausprobieren.“

„Mir ist nichts peinlich“

Ziemlich dick, ziemlich klein und ziemlich lustig: Dirk Bach war es leid, als Ulknudel vom Dienst auf sein barockes Erscheinungsbild reduziert zu werden. Aber er machte es jenen, die es taten, nicht zum Vorwurf. Als er 2005 gefragt wurde, ob er sich angesichts all der schrillen Auftritte nicht hin und wieder selbst denke: „Mein Gott, was tu‘ ich hier nur?“, antwortete er vielsagend: Er habe schon vor vielen Jahren aufgehört, sich solche Fragen zu stellen. „Eigentlich habe ich mir die Frage schon seit der allerersten Produktion, die ich in meinem Leben gemacht habe, nicht mehr gestellt. Das war 1978 am Schauspielhaus hier in Köln: Ich war als Prometheus nackt an einen Felsen gekettet. Mir ist also nichts peinlich, falls Sie das meinen.“

Mehr muss man vielleicht nicht wissen über den Moderator, Komiker und Schauspieler Dirk Bach, über seine Berufseinstellung und auch über seine Zeit.

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RND/Teleschau

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