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David Hasselhoff: „Nur, wenn ich auf der Mauer singen darf“

  • Sänger David Hasselhoff landete 1989 in Deutschland einen großen Hit mit seiner Single „Looking for Freedom“.
  • Silvester 1989 sang er den Song an der Berliner Mauer.
  • Er hat bis heute eine besondere Beziehung zu Berlin.
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Es sind nicht viele Künstler gefragt worden, ob sie am ersten Silvester nach dem Mauerfall 1989 am Brandenburger Tor vor Millionen von vereinten West- und Ostberlinern auftreten möchten. Einer, dem diese Ehre zuteilwurde, hat darauf geantwortet: „Nur, wenn ich auf der Mauer singen darf.“

So zumindest erzählt es David Hasselhoff knapp 30 Jahre später im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Ganz ernst gemeint sei der Satz allerdings nicht gewesen, sagt der „Looking for Freedom“-Sänger. „Meine Freunde haben mich damals gefragt: Meinst du, das klappt? Und ich habe gesagt: Nein, niemals. Die mussten ja schließlich die Erlaubnis von Honecker und Kohl einholen.“

Ich hätte nie gedacht, dass das mal eine Hymne in Ostdeutschland wird.

David Hasselhoff über seinen Hit
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Die Teilung Deutschlands hatte Hasselhoff schon länger beschäftigt. „Ich erinnere mich noch daran, wie ich das erste Mal über die Mauer geflogen bin und dachte: Wow, was ist das? Das muss 1987 gewesen sein.“

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David Hasselhoff: „Nur, wenn ich auf der Mauer singen darf“
3:46 min
Zum 30-jährigen Jubiläum erzählt David Hasselhoff, wie er den Mauerfall wahrnahm.  © Lena Obschinsky/Kouzina/Obschinsky

Zwei Jahre später reiste der Frauenschwarm, der bis dahin vor allem als Schauspieler in den Kultserien „Knight Rider“ und „Baywatch“ Erfolge gefeiert hatte, nach Deutschland, um mit dem Produzenten Jack White sein Album „Looking for Freedom“ aufzunehmen. Eine Reise, die sich für den Amerikaner auszahlte: Bis zu 70.000-mal pro Tag verkaufte sich die Platte. Auch die gleichnamige Single hielt sich acht Wochen lang auf Platz eins der deutschen Charts.

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„Ich hätte nie gedacht, dass das mal eine Hymne in Ostdeutschland wird“, sagt Hasselhoff. Dabei sind die meisten Ostdeutschen erst nach der Wende mit dem Ohrwurm in Kontakt gekommen. Ganz hartgesottene Fans behaupten sogar, Hasselhoff habe damit einen Anteil daran gehabt, dass die Berliner Mauer gefallen ist. Ob das stimme, werde er ständig gefragt, sagt Hasselhoff. Aber: „Ich glaube nicht, dass das jemand ernsthaft denkt.“ Auch er selbst habe das nicht in Umlauf gebracht: „Ich habe nie gesagt, dass ich damit etwas zu tun hatte.“

Jeder sang „I’ve been looking for freedom“

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Trotzdem erfüllte man Hasselhoffs eigentlich unmöglichen Wunsch für die Silvesterparty. Vier Tage nach seiner Forderung klingelte das Telefon erneut. „Du kannst auf der Mauer singen“, habe ihm sein damaliger Manager gesagt. „Und dann hab ich gesagt: Oh, wow“, sagt Hasselhoff. Plötzlich hatte er eine noch verrücktere Idee: „Kann ich auch noch einen Kran bekommen?“

Hasselhoff, völlig überwältigt von der Zusage, trommelte all seine Highschool-Freunde zusammen, verteilte Aufgaben: „Ich hab gesagt: Du filmst, du machst Fotos, ihr kommt alle mit rüber nach Berlin zu der größten Party der Welt. Aber niemals hätte ich gedacht, dass da eine Million Menschen sind. Meine Familie, meine Freunde, alle waren sie dabei und jeder sang ,I’ve been looking for freedom.‘“

Es war ebenjener Moment, der auf zahlreichen Bildern für die Ewigkeit festgehalten ist: Hasselhoff, gekleidet in eine kitschige, blinkende Lederjacke und mit einem Klavierschal, sang seinen Hit in mehreren Metern Höhe oberhalb der Mauer, auf der Hunderte Menschen sangen und tanzten.

Noch heute erinnert sich Hasselhoff daran, wie er ein paar Tage später zurück nach Malibu kam und dort gefragt wurde, wie er Silvester verbracht habe. Voller Stolz antwortete er: „Ich habe vor einer Million Menschen gesungen.“

David Hasselhoff beim Photocall zur Veröffentlichung seines Hörbuchs „Up Against The Wall – Mission Mauerfall“. © Quelle: imago images / Future Image
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Nicht nur für Hasselhoff war der Auftritt etwas Besonderes – auch die Berliner kannten eine Silvesterfeier in dieser Form damals nicht. Was heute ein Anziehungspunkt für viele Berliner und Touristen ist, fand in dieser Form das erste Mal Silvester 1989 statt.

Die „ZDF-Silvestershow“, die Hasselhoffs Auftritt live übertrug, gab es zwar bereits zuvor – jedoch fand sie in diesem Jahr das erste Mal am Brandenburger Tor statt. Neben dem Amerikaner traten in der Sendung auch noch Opernsängerin Deborah Sasson, Pianist Horst Jankowski und das Rias-Tanzorchester auf.

Was die Künstler damals wohl nicht mitbekamen: Zu der großen Euphorie kam am Brandenburger Tor auch bei einigen feiernden Gästen eine Portion Übermut hinzu. Als Dutzende Menschen versuchten, eine Videowand zu besteigen und diese damit zum Einsturz brachten, wurden 135 Menschen verletzt.

Auch nach der Wiedervereinigung blieb die besondere Verbindung zur Mauer bestehen. Als 2013 das längste verbliebene Mauerstück an der East Side Gallery einem Hotel weichen sollte, reiste der Amerikaner extra nach Deutschland und demonstrierte mit Tausenden Berlinern für den Erhalt. „Es ist ein Denkmal, verdammt noch mal“, sagt Hasselhoff, als er sich daran erinnert. 2017 schickte er eine Videobotschaft an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller, als wieder ein Stück Mauer vom Abriss bedroht war. „Man muss doch daran erinnern, was hier passiert ist. Ich weiß nicht, ob alle Deutschen Bescheid wissen. Und ob die Menschen in der Welt wirklich diese Geschichten kennen.“

Damit noch mehr Menschen die Geschichte kennenlernen, nahm er 2014 für National Geographic eine Doku über die Mauer auf. „Ich habe Menschen getroffen, die Fluchttunnel gegraben haben. Menschen, die mit Flugzeugen geflüchtet sind. Und ich habe Menschen kennengelernt, die Angehörige verloren haben“, erzählt Hasselhoff.

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... dass Bruce Springsteen noch zu DDR-Zeiten in Ost-Berlin auftrat? Die SED hielt den „Boss“ für antikapitalistisch genug, um ihn in der Radrennbahn Weißensee mit seiner E-Street-Band spielen zu lassen. 200 000 Zuschauer kamen 16 Monate vor dem Mauerfall zu diesem für viele unvergesslichen Konzert. Ab und an wird behauptet, dieser Auftritt habe geholfen, die Mauer einzureißen. Doch mit dem Ende der deutsch-deutschen Teilung wird musikalisch weniger Springsteen in Verbindung gebracht als Westernhagens „Freiheit“ und David Hasselhoffs „Looking for Freedom“.  @ Quelle: J.P.Gandul/EFE/dpa

Dass er selbst deutscher Abstammung ist, hat der Amerikaner erst vor knapp zehn Jahren erfahren. Ein Ahnenforscher fand damals heraus, dass Hasselhoffs Ururgroßmutter Meta Hasselhoff bis 1865 in Völkersen gewohnt hatte, erst dann in die USA auswanderte. Im Jahr 2010 begab sich Hasselhoff dann auf Spurensuche und besuchte die 1500-Einwohner-Ortschaft bei Bremen.

Es blieb sein bislang einziger Besuch: „Sie haben mir dort ein Buch über die Hasselhoffs und über das Dorf gegeben, aber ich kann es nicht mehr finden“, erzählt Hasselhoff. „Ich weiß nicht mehr, ob ich es meiner Schwester oder meinem Vater gegeben habe. Das macht mich verrückt. Aber genau deshalb muss ich da noch mal hin.“

Heute sorgt sich Hasselhoff um eine andere Mauer

Um immer wieder an einen Teil seiner eigenen Geschichte erinnert zu werden, hat Hasselhoff Stücke der Berliner Mauer in seine Heimat USA mitgenommen: „Ich habe viele Stücke. Ein großes und bestimmt 50 kleine. Ich hab die auch damals an den Cast von ‚Baywatch‘ verschenkt. Wer weiß, was diese Stücke heute wert sind?“

Seit einiger Zeit hat David Hasselhoff eine weitere Mauer, um die er sich kümmern muss: die, die ausgerechnet an der Grenze seines eigenen Landes gebaut wird. „Ich habe mal aus Spaß gesagt: Ich muss alle Mauern dieser Welt fallen lassen. Ich glaube nicht, dass die Mauer in Amerika von langer Dauer sein wird, das wird eher was Temporäres.“

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Auch wenn er findet, dass man lernen müsse, mit der Migration aus Lateinamerika anders umzugehen als bisher: „Aber auf einem humanitären Weg. Wir müssen mitfühlender werden. Die Leute verlassen ihr Land aus einem Grund. Sie verlassen ihre Heimat, weil sie dort getötet werden.“ Eine konkrete Lösung habe er allerdings auch nicht: „Ich bin kein Politiker. Ich weiß nicht, was Donald Trump durch den Kopf geht. Ich weiß nur, dass es gerade eine negative Situation ist. Es geht am Ende gar nicht nur um eine Mauer. Es geht um uns alle.“

In diesem Jahr jährt sich sein Auftritt am Brandenburger Tor zum 30. Mal, ebenso wie die deutsche Einheit. Aus diesem Grund will er nicht nur noch mal Silvester am gleichen Ort auftreten, sondern gibt auch am Tag der Deutschen Einheit ein Konzert – natürlich in Berlin. „Das ist so gewählt, weil ich den Menschen in Berlin danken möchte“, sagt Hasselhoff. „Dafür, dass sie an mich geglaubt haben. Dafür, dass sie mich unterstützt haben.“

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Liedermacher Wolf Biermann (GER) vor einem Protesttransparent während der Besetzung des Hauptquartiers des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR in Berlin-Lichtenberg.  @ Quelle: Werner Schulze

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Vor 30 Jahren fiel die Mauer. Das Jahr 1989 gehört zu den bewegendsten in der deutschen Geschichte. Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) hat mit Zeitzeugen gesprochen, prominenten und nicht prominenten. Was sie zu erzählen haben, lesen Sie in der Serie „Mein Traum von Deutschland“. Jeden Tag erscheint eine neue Geschichte. Die Serie läuft bis zum Tag des Mauerfalls am 9. November.