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Cornelia Poletto über Gastronomie in der Corona-Krise: “Was Kollegen passiert ist, ist schon brutal”

  • Das Coronavirus hat viele Branchen hart getroffen – vor allem die Gastronomie.
  • Das hat auch die TV-Köche hart getroffen, Sarah Wiener musste zum Beispiel Insolvenz anmelden.
  • Im Gespräch mit dem RND zieht Cornelia Poletto Bilanz.
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Sarah Wiener musste Insolvenz anmelden, Tim Mälzer rührte mit seinem Tränenauftritt bei “Markus Lanz” ein Millionenpublikum. Auch Deutschlands TV-Köche leiden unter den Auswirkungen der Corona-Krise. Im Gespräch mit dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND) berichtet Cornelia Poletto, wie sie die vergangenen Monate erlebt hat.

Frau Poletto, viele Gastronomen sind durch die Corona-Einschränkungen stark getroffen worden. Wie ist das Jahr bislang für Sie verlaufen?

Tatsächlich habe ich relativ früh erfahren, was da auf uns zurollen könnte, weil ich ein Restaurant in Shanghai habe. Da hatte ich ja viel Kontakt mit meinem Küchenchef, und der sagte mir schon Ende Januar: Hier passiert was. Damals war nämlich Chinese New Year, und das ist traditionell eine Zeit, in der die Chinesen viel verreisen und ins Restaurant gehen. Als wir dann merkten, dass sich das Virus auch nach Europa verbreitete, habe ich Mitte März mein Team zu einer Krisensitzung zusammen­gerufen. Noch vor dem Lockdown hab ich dann entschieden, das Restaurant zu schließen – und uns komplett sieben Tage die Woche auf Take-away und Lieferung einzustellen. Das hat uns rückwirkend gerettet.

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Kochkurs mit Cornelia Poletto: So gelingt das perfekte Steak für die Feiertage
9:21 min
Die Fernseh­köchin und Unternehmerin Cornelia Poletto kocht in ihrer Hamburger Kochschule ein weiteres Gericht zum Nachmachen. Diesmal: ein besonderes Steak.  © Maximilian Arnhold

Verändert hat sich Ihr Betrieb sicherlich trotzdem.

Natürlich. Da wir so schnell reagiert haben, konnte ich glücklicherweise nach kurzer Zeit Mitarbeiter wieder aus der Kurzarbeit holen. Als wir dann Mitte Mai wieder­eröffnet haben, konnten wir natürlich nur noch die Hälfte der Plätze besetzen und mussten unsere Speisekarte verkleinern. Wir haben zwei Tisch­belegungen pro Abend eingeplant und immer genügend Zeit, dass sich die Gäste nicht begegnen. Aktuell renovieren wir mein Restaurant, was wir schon vor Corona vorhatten. Nun hat es den Vorteil, dass wir mehr Platz schaffen können – den wir wegen der halben Belegung gut gebrauchen können.

Sie haben die Zeit auch genutzt, um Bedürftigen zu helfen.

Ich hatte im März von einem Aufruf gelesen, Senioren beim Einkaufen zu unterstützen. Da hab ich mich gemeldet und bekam direkt einen Anruf von der Arbeiterwohlfahrt: “Frau Poletto? Sind das wirklich Sie?” Die konnten das gar nicht glauben. Wir haben dann anderthalb Monate lang jede Woche 100 Mahlzeiten für die AWO gekocht. Es hat mich einfach in der Zeit unglaublich erfüllt zu sehen, wie dankbar die Leute waren und mit welch großer Begeisterung sie uns bei jeder Lieferung empfangen haben.

Hatten Sie während des Shutdowns Sorgen, dass von Ihrem Lebenswerk nicht viel übrig bleibt?

Ich hatte da schon ziemliches Kopfkino. Das ist wohl auch normal in der Situation. Ich bin aber ein positiver Mensch und habe mir immer gedacht: Ich bin nicht die Einzige, die das trifft. Wir Gastronomen sitzen schließlich alle in einem Boot. Bei uns allen fallen Buchungen weg, Caterings und sicherlich auch die meisten Weihnachts­feiern.

Ihr TV-Kollege Tim Mälzer war im TV den Tränen nahe, Sarah Wiener musste sogar Insolvenz anmelden. Was haben Sie besser gemacht?

Was da einigen Kollegen passiert ist, ist brutal. Mein Vorteil ist, dass ich mehrere kleine Outlets habe. Ich hab mein kleines Restaurant, meine Kochschule. Sarah Wiener hatte ja zum Beispiel auch Catering als großes Standbein, so was ist natürlich komplett weggebrochen. Auch bei uns wäre es das Jahr des Caterings geworden, das ist natürlich alles wegfallen.

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Wie eng ist der Austausch unter den Kollegen?

Ich bin mit vielen Kollegen privat befreundet. Wenn wir uns dann bei so TV-Aufzeichnungen wie zum Beispiel der “Küchenschlacht” sehen, dann reden wir natürlich über Probleme, die wir alle derzeit haben. Umsatzausfälle und Kommunikation mit der Versicherung zum Beispiel. Mit Alexander Kumptner habe ich erst kürzlich darüber gesprochen, wie das war, als Wien wieder dicht gemacht hat. Ich mache mir nämlich auch Sorgen, wenn ich höre, dass in Berlin wieder Sperrzeiten eingerichtet werden und wir in Hamburg auch täglich steigende Zahlen haben.

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Cornelia Poletto kocht während der Corona-Krise einfache Gerichte für zu Hause
11:11 min
Die Fernsehköchin und Unternehmerin Cornelia Poletto kocht in ihrem Hamburger Studio ein einfaches Gericht zum Nachmachen in der Corona-Zeit.  © Maximilian Arnhold

Macht Ihnen der Gedanke an einen erneuten Shutdown Angst?

Ich denke positiv und sage mir: Wir sind darauf vorbereitet. Da sicherlich der Großteil der Weihnachtsfeiern wegbrechen wird, haben wir uns beispielsweise überlegt, dass wir den Gästen anbieten, eine Foodbox zu bestellen. Da gibt es dann die Zutaten, das Menü und eine Videoanleitung von mir, wie man das Gericht zubereitet. Wir müssen also erfinderisch werden, um weiterzuexistieren. Aber ich glaube nicht, dass es noch einen Shutdown geben wird, weil dass die Menschen nicht mehr mitmachen würden. Da würde es sicherlich große Aufstände geben.

Finden Sie, dass die Politik die richtigen Maßnahmen für die Gastronomie getroffen hat?

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Der Kurs der Bundesregierung ist absolut der richtige. Ich bin echt ein mutiger Mensch und ich lasse mich nicht einschüchtern von Corona. Aber ich hab ja auch Gäste mit unterschiedlichen Schicksalen, und wenn ich in meiner Kochschule 20 Gäste habe, dann bete ich, dass die schöne Stimmung, die wir an dem Abend haben, nicht nachträglich davon getrübt wird, dass wir eine Meldung bekommen, dass jemand Corona bekommen hat. Das wäre die Hölle.

Wie läuft es denn aktuell mit Ihrem Restaurant in Shanghai?

Das ist wieder geöffnet und wir haben da aktuell fast noch mehr Normalität als in Deutschland. Leider kann ich natürlich selbst aktuell nicht mehr vorbeischauen, aber mit unserem Küchenchef tausche ich mich alle zwei, drei Tage aus. Die Gästezahlen liegen sogar über denen vom letzten Jahr in dieser Zeit. Die Chinesen haben wieder Lust rauszugehen, was ich übrigens auch in Hamburg merke. Wir waren die vergangenen Wochen jeden Abend ausgebucht. Die Gäste möchten einfach mal ein bisschen abschalten, rauskommen und sich bekochen lassen. Das ist wirklich toll zu sehen, und ich bin dankbar für das Vertrauen, das uns die Gäste schenken.

Viele Menschen haben in der Corona-Zeit alte Hobbys wiederentdeckt oder neue gefunden – wie war das bei Ihnen?

Ich habe meine Liebe zu Pferden wiederentdeckt. Meine Tochter reitet ja sehr viel, und ihre Trainerin ist die Springreiterin Janne Friederike Meyer-Zimmermann, die eine Freundin von uns geworden ist. Die hab ich in der Corona-Zeit angerufen und ihr gesagt: “Bei dir klappt das ja mit dem Kochen nicht so und bei mir mit dem Reiten nicht.” Dann entstand die Idee: Janne an den Herd, Conny aufs Pferd. Mittlerweile reite ich immerhin noch einmal die Woche – aber bei Janne ist aus dem Kochen leider nicht so viel geworden.

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