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“Tatort”-Star Cornelia Gröschel: “Ich will gar nicht wissen, was ich nächstes Jahr arbeite”

  • “Freaks - Du bist eine von uns” (Netflix) ist der erste Superheldenfilm aus deutschen Landen.
  • Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht Hauptdarstellerin und “Tatort”-Kommissarin Cornelia Gröschel über ihre Wandlungsfähigkeit und über ihren abwechslungsreichen Terminplan.
  • “Ich will gar nicht wissen, was ich nächstes Jahr arbeite. Diese Gelassenheit musste ich mir über ganz, ganz viele Jahre erst mal erarbeiten”, sagt Gröschel.
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Seit 2018 spielt Cornelia Gröschel Kommissarin Leonie Winkler im Dresdner “Tatort”. Nun hat die 32-Jährige eine neue Hauptrolle ergattert: In der deutschen Netflixproduktion “Freaks - Du bist eine von uns” verkörpert sie Superheldin Wendy.

Wie ist es, wenn man eine Frauenfigur spielt, die genauso heißt wie ein Pferdemagazin für Mädchen?

Mega, wenn man selbst ein Pferd besitzt und lange blonde Haare hat. (lacht) Ich habe wirklich mein halbes Leben lang “Wendy” gelesen. Wenn sich früher eine meiner Schwestern erdreistet hat, vor mir in mein Magazin zu gucken, dann gab es Ärger. (lacht)

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Das Interessante ist ja, dass Ihre Wendy gar keinen Superheldennamen hat. Ihr Gegenspieler heißt wenigstens Elektroman.

Tim Oliver Schultz, der den Elektroman spielt, und ich haben während der ganzen Dreharbeiten überlegt, wie Wendy als Superheldin heißen könnte und sind zu keinem Ergebnis gekommen. Es wäre fantastisch, wenn ein kluger, weiser Zuschauer uns einfach einen Namen nennen könnte. Powerwoman oder so was wäre viel zu langweilig. Wir brauchen einen coolen Namen für Wendy. (lacht)

Was haben Sie als Erstes gedacht, als Ihnen die Rolle der Superheldin angeboten wurde?

Oh Gott, bin ich überhaupt fit genug? Wenn ich dann die ganzen Stuntszenen machen muss, muss ich sofort schwimmen gehen, ins Fitnessstudio, Fahrradfahren, Laufen gehen. (lacht) Der erste Gedanke war also, ob ich das überhaupt körperlich schaffe. Wie viel Zeit habe ich noch? Kann ich mich bis Drehbeginn noch ein bisschen fit kriegen?

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Haben Sie als Jugendliche auch Superheldencomics gelesen?

Über das “Lustige Taschenbuch” ging es bei mir eigentlich nie hinaus. Da war ab und zu vielleicht mal eine Daisy-Geschichte dabei, aber eigentlich ging es immer nur um Micky Maus und Donald Duck.

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Gab es überhaupt schon mal eine deutsche Superheldenverfilmung?

Es gab wohl mal einen Versuch, aber ich habe den Namen vergessen. Darin ging es um ein junges Mädchen mit Superheldenkräften. Aber einen richtigen Superheldenfilm aus Deutschland gab es wohl bisher noch nicht.

Sie kennt man in Deutschland vor allem als taffe “Tatort”-Kommissarin. Die Rolle der Wendy ist eine komplett andere.

Das ist der Grund, warum ich mit dem “Freaks”-Regisseur Felix Binder so gern zusammenarbeite. Der sagt immer zu mir: “Das ist eine Rolle, in der man dich nicht erwartet und deshalb besetze ich dich so.” Wir haben vor vielen Jahren zusammen die ZDF-Serie “Lerchenberg” gedreht. Da war ich ja praktisch die böse Bitch der Redaktion und diese Rolle ist damals auch nicht die allernaheliegendste gewesen. Dann dachte ich mir, wenn er sich das vorstellen kann, bin ich dabei. Nur mit den Stunts musste ich ein wenig auf mich aufpassen, weil ich mich leicht verletze. Aber ich kenne zum Glück meine eigenen Grenzen und weiß dann relativ schnell und genau, an welcher Stelle ich sage: “Das macht jetzt aber die Stuntfrau!” (lacht)

“Der erste Schritt zum Erfolg ist der Wille zur Veränderung.” Diesen Satz liest Wendy in einem Buch von Arnold Schwarzenegger. Stimmt der Satz?

Definitiv. Das zieht sich durch die ganze berufliche Karriere eines Schauspielers – wie bei jedem anderen Menschen auch. Natürlich werde ich nicht immer mitbekommen haben, wo ich welche Chance verpasst habe, welches Theaterstück an mir vorübergegangen ist. Aber wenn ich an meine Zeit an der Schauspielschule zurückdenke, stand mal die Besetzung der Julia in “Romeo und Julia” auf dem Tagesplan. Ich war fest davon überzeugt, dass ich sie spielen werde und auch meine Dozenten waren davon überzeugt. Dann mussten wir eine Szene vorspielen, die wir selbst erarbeitet hatten. Aber dann sagten die Dozenten: “Sorry, das war so schlecht. Die spielt die Julia nicht!” (lacht) Ich kenne das also aus meinem persönlichen Werdegang, dass ich große Veränderungen erst mal für mich selbst in die Wege leiten musste. 2012 habe ich zum Beispiel beschlossen, das Theater zu verlassen, wo ich einen festen Vertrag hatte. Damals bin ich nach Berlin gezogen und habe die Schauspielagentur gewechselt. Da habe ich erst mal eine Riesenveränderung für mich selbst in Gang gebracht und mir selbst bewiesen, dass es geht. Für viele Außenstehende ist das immer erst mal krass, die sagen dann: “Aber du weißt doch gar nicht, was du nächstes Jahr arbeitest.” Ich mache diesen Job schon so lange, dass ich denke: “Na und? Ich will gar nicht wissen, was ich nächstes Jahr arbeite.“ (lacht) Diese Gelassenheit musste ich mir über ganz, ganz viele Jahre erst mal erarbeiten. Dieses Selbstvertrauen, zu sagen, da kommt schon was.

Wenn man sich anschaut, wie unterschiedlich Sie im “Tatort” oder in “Freaks” aussehen, werden Sie da oft in der Öffentlichkeit erkannt?

Es ist mir schon passiert, dass ich frühmorgens mit Locken ans Set gekommen bin und nach der Maskenzeit und mit glatten Haaren vom Team nicht erkannt wurde. Irgendwann habe ich aber festgestellt, was es für ein Geschenk für einen Schauspieler ist, wandelbar zu sein. Mittlerweile sehe ich das als ganz tolle Eigenschaft meines Gesichtes. Das ist auch für mein Alltag sehr entspannt. Aber wenn ich im Restaurant sitze, ist es schon mal so, dass die Leute vom Nachbartisch gucken und fragen: “Kennen wir uns nicht?” Aber momentan kommt mir natürlich auch noch die Maskenpflicht zugute, sodass man mich schon mal gar nicht mehr erkennt. (lacht)

Apropos Maskenpflicht, wie haben Sie die drehfreie Corona-Zeit verbracht?

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Ich habe diese Zeit sehr gerne angenommen, weil ich schon seit ganz vielen Monaten ein bisschen mehr Zeit zu Hause verbringen wollte, ohne den Gedanken, dass ich eigentlich auch drehen könnte. Für mich war es also geschenkte Zeit. Ich habe aber auch ein Pferd, um das ich mich täglich kümmere.

Wurden nicht sogar die Dreharbeiten für Ihren “Tatort” unterbrochen?

Richtig. Wir haben bis März gedreht und dann abgebrochen. Von Mai bis Juni haben wir dann fertig gedreht. Und ich glaube, dass wir den “Tatort”, den wir jetzt im Herbst drehen, schon längst im Kasten hätten haben müssen.

Gut, da musste jetzt noch mal das Drehbuch geändert werden, weil alle Kussszenen rausgestrichen werden mussten.

Ne, ne. (lacht) Wir Schauspieler dürfen schon noch knutschen. Das engste Team, das aus Schauspielern, Kamera und Regie besteht, wird ständig getestet und in eine Art Quarantäne gebeten. Dann kann man sich am Set relativ frei bewegen.

Wie schnell können Sie nach einem Dreh umswitchen und Ihre Rolle hinter sich lassen – im Bezug auf Ihre Spielpartner und die Beziehung zu Ihnen?

Das ist natürlich Part of the Game. Tim spielt mit Elektroman ja meinen Gegner, aber am Set ist er so ein Sonnenschein, der immer gute Laune hat, das war einfach immer schön mit ihm zu spielen. Viel blöder ist ja, wenn jemand deinen Ehemann oder deine Affäre spielen muss, aber du den einfach nur bescheuert findest. (lacht)

Letzte Frage: Haben Sie eigentlich ein Lebensmotto?

Nachdem ich den Roman “Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand” gelesen habe, gefiel mir ein Satz besonders gut: “Es ist, wie es ist, und es kommt, wie es kommt.” Das habe ich mittlerweile als mein Lebensmotto übernommen.

“Staat, Sex, Amen”
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