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Chris Tall: „Es tat mir gut, die letzten Jahre in meinem Kopf zu sortieren“

  • Comedian Chris Tall ist einer der neuen „Supertalent“-Juroren.
  • Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht er über seine neue Aufgabe und die coronabedingte Zwangspause.
  • „Es tat mir mal ganz gut, die letzten Jahre in meinem Kopf zu sortieren“, sagt Tall.
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Herr Tall, in Österreich gibt es die Swarovski-Kristallwelten. Haben Sie mit der „Supertalent“-Moderatorin Victoria Swarovski schon mal verhandelt, dass Sie künftig an den Einnahmen beteiligt werden wollen?

Das ist eine bodenlose Frechheit. Da werden wir anwaltlich gegen vorgehen. Das ist ja Urheberrechtsverletzung. Das einzige Problem, das ich sehe, ist, dass es diese Kristallwelten wahrscheinlich schon länger als mich gibt. (lacht) Da wird die Argumentation sehr schwer, aber wir geben alles, um Victoria und die ganze Familie in Grund und Boden zu verklagen. (lacht)

Spaß beiseite. Wenn man Ihnen sagen würde, dass Sie in zehn Minuten auf die Bühne müssen, um eines Ihrer unentdeckten Talente zu präsentieren. Was wäre das dann bei Ihnen?

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Ich bin ein mittelmäßiger Zauberer, der trotzdem gerne Kartentricks macht. Das wäre allerdings eine Nummer, mit der ich nicht weiterkommen würde. Und ich bin ein erstaunlich unbegabter Tänzer. Wenn ich dazu dann noch singen würde, wäre ich einer derjenigen, der es schafft, von allen Juroren nach vier Sekunden weggebuzzert zu werden. (lacht) So wirkliche Talente schlummern in mir nicht, die für „Das Supertalent“ reichen würden, weil ich weiß, wie hoch der Anspruch ist.

Apropos tanzen, bei „Let’s Dance“ ist jedes Jahr immer ein Comedian dabei. Würde Sie die Show auch reizen?

Nein. Ich glaube einfach, dass es Comedians gibt, die deutlich besser tanzen können als ich.

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Aber man muss doch nicht gut tanzen können. Viel wichtiger ist, dass man mit Leidenschaft dabei ist …

Die fehlt mir auch. (lacht) Man muss ja sagen, dass „Let’s Dance“ viel mit Sport zu tun hat, und spätestens da bin ich halt raus.

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Mussten Sie lange überlegen, als Sie die Anfrage für „Das Supertalent“ bekommen haben?

Ich gebe zu, dass ich schon länger gebaggert hatte. Ich hab denen gesagt: „Wenn ihr unbedingt eine Frau haben wollt, ziehe ich mir auch ein Kleid an!“ Ich liebe dieses Format einfach, und plötzlich hieß es tatsächlich: „Du bist dabei.“

Vor allem bringen Sie ja das zweite L ins Supertalent. Also quasi Super-Tall-Ent…

Okay, ich hätte nicht gedacht, dass es jemand schafft, noch unter mein Niveau zu kommen. Und ich lege die Latte nun wirklich nicht hoch. (lacht) Ich glaube, darauf wird es irgendwann zwangsläufig hinauslaufen, wenn Dieter Bohlen mit 80 Jahren sagt: „So, Leute, jetzt habe ich wirklich keinen Bock mehr!“ Dann werde ich definitiv mit schwarzem Edding ein zweites L ans Supertalent dranhängen. Bis dahin bin ich einfach jedes Jahr dabei. Da bin ich mir ganz, ganz sicher. Das hat ja auch die Vergangenheit gezeigt, dass die Jury immer gleich bleibt. (lacht)

Mit Özcan Coşar machen Sie den sehr erfolgreichen Podcast „08/17“, mit dem Sie aber gerade pausieren. Warum?

Wir pausierten wegen des „Supertalents“ und gerade wegen meiner Late-Night „Darf er das?“. Erst hatten wir noch überlegt, ob wir den Podcast nach Bremen verlegen, wo das „Supertalent“ aufgezeichnet wurde. Aber das wäre einfach zu aufwendig gewesen. Und der Podcast ist nichts, was man nebenbei macht, ich möchte mich völlig auf Özcan konzentrieren können und nicht nur zwischen Tür und Angel.

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Ich dachte, die Comedians in Ihrem Umfeld machen das alle so. Oliver Pocher zum Beispiel …

Aber Olli ist nicht der Maßstab: Der ist eine Maschine. Der schläft ja auch ungern im Hotel und fährt immer noch nach Hause, auch wenn er gerade in Budapest aufgetreten ist. Olli ist auch schon so lange dabei. Was der für eine Energie hat, ist unglaublich.

Sie sind seit 2013 nahezu ständig auf Tour. Konnten Sie denn dann während der ersten Corona-Monate ein bisschen regenerieren?

Es tat mir mal ganz gut, die letzten Jahre in meinem Kopf zu sortieren. Ich hatte Zeit für mich, habe mir ein altes Programm von mir angeguckt, um zu sehen, wie alles losging. Es hat mir geholfen, mal aus dieser Spirale herauszukommen und kurz zu sagen: „Stopp!“ Was war bis hier hin gut, was war schlecht? Was möchte ich künftig machen? Aber ich hatte bisher großes Glück. Und daher unterstütze ich dieser Tage, soweit es geht, lieber die Comedykollegen, die die Corona-Zeit zurückgeworfen hat.

Was war bei Ihnen der Minusrekord bei den Zuschauerzahlen, als Sie 2013 Ihre ersten Auftritte hatten?

Elf zahlende Zuschauer. Aber es war wirklich eine ausgelassene Stimmung, wie bei 13. (lacht) Ich habe vorgeschlagen, einfach eine DVD anzuschauen und uns einen schönen Abend zu machen, aber die wollten, dass ich spiele. Cool war natürlich, dass ich mich von jedem namentlich verabschieden konnte. Das waren drei Familien, und es gab Standing Ovations am Ende. Aber vielleicht wollten sie auch nur nach Hause gehen. (lacht) Im Grunde war es ein sensationeller Abend, an den ich mich sehr gern zurückerinnre.

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Sie haben bereits angekündigt, dass Sie sich dafür einsetzen werden, dass dieses Mal ein Mensch gewinnt und kein Hund. Wie ist diese Ankündigung bei den Fans vom „Supertalent“ angekommen?

Ich habe in einer „Supertalent“-Folge mal zu einem Hund gesagt: „Es war super, aber für mich reicht es nicht, weil ich unsere menschlichen Kandidaten schützen möchte.“ Die Leute im Publikum haben das total gut aufgenommen. Die haben zwar am Ausgang mit Fackeln auf mich gewartet und mich aus Bremen gejagt. Aber ansonsten waren wir uns glaube ich alle einig. (lacht)

Es kann ja auch mal wieder ein Sänger oder eine Sängerin gewinnen …

Wenn ein Hund singt, bin ich dabei. (lacht)

Apropos singen, mussten Sie beim „Supertalent“ auch schon auf die Bühne, um einen Song zum Besten zu geben?

Ich würde für kein Geld der Welt auf die Bühne gehen und singen. Ich kann es einfach nicht. Meine Jurykollegin Evelyn Burdecki dagegen hat gesungen und das gar nicht mal schlecht.

Letzte Frage …

100 Kilo.

Das wollte ich gar nicht fragen, sondern ob auch Ihre emotionale Seite bei der Show herauskommt. Haben Sie die ein oder andere Träne vergossen?

Ich bin zwar als Komiker besetzt worden, aber natürlich sitzt man auch als staunender Zuschauer in der Jury. Wenn mich etwas berührt, muss man es einfach auch mal zulassen. Ich kann ja nicht sagen: „Ihr hättet mich berührt, aber ich bin jetzt so in der Komikerrolle, deswegen Pech gehabt.“ Nein, so wie jeder Mensch Gefühle hat, habe ich sie auch. Ich bin nach einer Nummer komplett in Tränen ausgebrochen und konnte nicht mal mehr mein Juryurteil abgeben, weil ich emotional so angefasst war.

“Staat, Sex, Amen”
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