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Grußbotschaften für 14,99 Euro: Mit dieser App wollen Influencer künftig Geld verdienen

  • In der App Chattyco können deutsche Stars und Sternchen Videobotschaften an ihre Fans schicken und damit Geld verdienen.
  • In den USA läuft das Geschäftsmodell schon richtig gut, teils mit horrenden Preisen.
  • Wer bezahlt für so was?
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Berlin. Wer die App Chattyco öffnet, der trifft dort zu allererst auf Kader Loth. “Hallo meine Lieben”, flötet die Trash-TV-Teilnehmerin in die Handykamera. Schon ihr Profilbild verrät: Sie will etwas verkaufen. Denn unter ihrem Kinn findet sich ein Preisschild: 14,99 Euro. Am oberen Bildrand ein roter Balken: Preisnachlass, 50 Prozent. Neben Loth reihen sich weitere Influencer ein: TV-Moderator Maximilian Arland, Schauspielerin Armira Wirth, Bloggerin Vera Röchling – und sie alle kosten offenbar Geld.

Influencer im Schlussverkauf? Nicht ganz. Das Konzept der App Chattyco ist ein anderes: Auf der noch jungen Plattform können Influencer und Promis neuerdings “Videodienstleistungen” anbieten. Dazu gehören zum Beispiel Grußbotschaften an die eigenen Fans. Diese sind allerdings nicht kostenlos, sondern müssen bezahlt werden: Kader Loth nimmt dafür 14,99 Euro, der Preis für Influencerin Maria Hering liegt bei 9,99 Euro. Und Singer/Songwriter Davin Herbrüggen ist sogar schon für 5,49 Euro zu haben.

“Habt ihr Lust, eure Freunde oder Familie mit einem Grußvideo zum Geburtstag, zur Verlobung, zur Hochzeit oder zur Trennung zu überraschen?”, säuselt Loth weiter. “Dann seid ihr hier richtig!” Neben Grußbotschaften für Geburtstage sei es auch möglich, bei ihr Grußworte zur Verlobung oder sogar zur Trennung zu bestellen.

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Andere Influencer auf der Plattform bieten noch mehr: Maria Hering beispielsweise, bekannt aus “DSDS” und “Promi Big Brother”, bietet auf ihrem Kanal ein Q&A-Format an. Fans können Fragen schicken, Hering antwortet – für 9,99 Euro.

Promi-Nachrichten für Geld: Idee stammt aus den USA

Wie kommt man auf die Idee, Influencer für Privatnachrichten Geld nehmen zu lassen? Sylvius Bardt, CEO und Mitbegründer der App Chattyco, hat da offenbar eine Marktlücke entdeckt: “Wenn Fans Promis Nachrichten schreiben, werden nur wenige davon überhaupt beantwortet. Hinzu kommt, dass der Nutzer nicht weiß, ob es sich tatsächlich um eine persönliche Nachricht des Influencers handelt”, erklärt er gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Also habe man kurzerhand Chattyco entwickelt, und sich dabei nicht zuletzt die USA als Vorbild genommen. Hier sei die App Cameo bereits erfolgreich, die ein ähnliches Konzept verfolge. Fans schicken Nachrichten, Stars antworten – gegen Geld. Mit Chattyco wolle man sich allerdings nicht nur auf Grußbotschaften beschränken, sagt Bardt. Und zu teuer wolle man auch nicht sein.

Was Bardt mit “teuer” meint, wird klar, wenn man sich das US-amerikanische Vorbild anschaut. Bei Cameo können Fans Videobotschaften des Rappers Ice T für satte 400 Dollar buchen. Kollege Ice Cube nimmt sogar 600. Auf der Startseite der App werden auch Sängerinnen wie Debbie Gibson beworben – ihr Videogruß kostet 229,99 Dollar. Boxer Floyd Mayweather verlangt sogar 999 US-Dollar für ein Video, Snoop Dogg 750 US-Dollar. Wer bezahlt so viel Geld für einen Videogruß?

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Riesiger Boom während des Corona-Lockdowns

Offenbar eine ganze Menge Leute: US-Medien berichten von einem regelrechten Boom der App Cameo während der Corona-Pandemie. Laut PitchBook, einem Analyseunternehmen, hat sich das Geschäft von Cameo gegenüber dem Vorjahr versiebenfacht und eine geschätzte Marktbewertung von 300 Millionen US-Dollar erzielt. Risikokapitalgeber beobachten die App genau.

Als die Netflix-Serie “Tiger King” bekannt wurde, soll Protagonistin Carole Baskin innerhalb einer Woche 100.000 Dollar über Cameo verdient haben, berichtet die US-Radiogruppe NPR. Ihr Preis, Anfangs noch 199 Dollar, ist inzwischen auf 329 Dollar gestiegen. Die Redaktion hat sogar einen Kunden der App ausfindig gemacht, einen Cameo-Nutzer aus Nashville. Er buchte über die App Schauspieler Steven Cree für 40 Dollar und schickte den Gruß seiner Frau. Sie sei riesiger Fan der Serie “Outlander”.

Bei Cameo in den USA sind inzwischen 30.000 Celebritys angemeldet. Bei Chattyco in Deutschland steckt das Geschäftsmodell noch in den Kinderschuhen. Rund drei Wochen nach dem Start seien auf der Plattform 30 Promis aktiv, genaue Nutzerzahlen nennt Bardt zunächst nicht – diese würden aber “stark wachsen”. An der App arbeite derzeit ein zehnköpfiges Team in Berlin.

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Bardt finanziere das Unternehmen derzeit aus eigenen Mitteln. Vor seinem Wechsel ins App-Geschäft war er fast 18 Jahre für die Adviqo AG tätig – diese ist unter anderem für den Kartenleger-Sender Astro TV verantwortlich.

App-Gründer sieht keine Gefahr durch “Abzocke”

Für Chattyco hat Bardt große Pläne. Grußbotschaften und “Q&A”-Format seien erst der Anfang. Künftig sollen Stars auch Tutorials anbieten, wie etwa Sportübungen, Kochkurse oder Beauty-Tipps. Auch Musikwünsche für Coversongs seien denkbar – vor allem für Musiker. Und ganz grundsätzlich sollen Fans über Chattyco am Leben ihrer Stars teilnehmen können. In der Zukunft seien dafür noch weitere Features denkbar, etwa Videochats oder Livestreams für Konzerte aus dem Wohnzimmer.

Bei Promis sei das Konzept sehr positiv aufgenommen worden, resümiert Bardt die ersten Wochen. Allerdings habe es auch Bedenken und Vorwürfe gegeben, etwa die der Abzocke. Diese sieht der Mitbegründer selbst jedoch nicht: “Die Videobotschaften sollen zu einem Preis in der Höhe eines Geschenks sein. Unsere Preise sind meist unter 30 Euro und jetzt während der Einführung auch noch um 50 Prozent reduziert.” Zudem würden Promis ja auch ihre persönliche Zeit aufwenden, also würden sie dafür auch entlohnt. “Gerade in der Corona-Zeit sind Stars sehr glücklich über zusätzliche Einnahmen”, meint Bardt.

Für die Promis selbst habe man einige Schutzmaßnahmen in die App eingebaut. So können Fans ausschließlich Textnachrichten schicken, keine Fotos. Auch sind die Promis nicht verpflichtet zu antworten – sie können Anfragen auch ablehnen oder melden. Fans könnten zudem geblockt werden.

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Die großen Stars müssen erst noch kommen

Kader Loth ist derzeit die wohl bekannteste Influencerin auf Chattyco. Auch “DSDS”- und “Dschungelcamp”-Teilnehmer Daniele Negroni dürfte einem breiteren Publikum bekannt sein. Der Rest der Promi-Riege besteht derzeit vor allem aus Internetsternchen und Teilnehmern von Reality-Shows – richtig prominente Namen fehlen bislang.

Sidney Wolf beispielsweise stellt sich vor als Sieger von “Love Island” und Teilnehmer von “Ibiza Dairy”. “Wenn ihr irgendwas auf dem Herzen habe, wenn ich Leuten gratulieren soll oder andere Glückwünsche rausschicken soll, lasst es mich wissen. Das mach ich komplett individuell, nur für euch.” Sein Preis: 9,99 Euro. Amin Elkach war auch mal bei “Love Island” und “Temptation Island”. “Es besteht ab sofort die Möglichkeit, ein Video von mir zu buchen”, kündigt er an. “Vielleicht wollt ihr das zum Geburtstag oder zum lustigen Mädelsabend verschenken.” Auch er nimmt 9,99 Euro pro Videomessage. Sängerin Maria Hering bietet über Chattyco an, Fans “in allen Lebenslagen” zu beraten, ebenfalls für 9,99 Euro.

Sylvius Bardt hat die Hoffnung, dass sich künftig auch noch bekanntere Promis auf der Plattform anmelden – das werde allerdings noch “einige Monate dauern”, glaubt er. “An dem Beispiel Cameo aus den USA sehen wir, dass selbst große Stars sich auf einer solchen Plattform registrieren und Spaß haben, den Fans zu antworten. Alle interessierten Stars wollen erst wissen, wie die Plattform angenommen wird, und sich nicht auf Basis eines Konzeptes registrieren.” Das Interesse an Chattyco sei aber bereits da, sagt Bardt. Auch bei den großen Stars.

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