Freiheit hat ihren Preis

Aus Haft entlassen: So geht es für Boris Becker jetzt in Deutschland weiter

Boris Becker verlässt nach einem Prozesstag den Southwark Crown Court. (Archivfoto)

Boris Becker verlässt nach einem Prozesstag den Southwark Crown Court. (Archivfoto)

London. Seit Tagen lauerten Fotografen in eisiger Kälte vor dem Huntercombe-Gefängnis westlich von London, um den Moment festzuhalten, wenn Boris Becker das Gefängnis verlässt. Schließlich galt als sicher, dass er diese Woche freikommen soll, wann genau war jedoch nicht bekannt. Am gestrigen Donnerstag wurde er dann tatsächlich vorzeitig aus britischer Haft entlassen, das bestätigte Beckers Anwalt Christian-Oliver Moser. „Unser Mandant Boris Becker wurde aus der Haft in England entlassen und ist heute nach Deutschland ausgereist. Damit hat er seine Strafe verbüßt und ist in Deutschland keinerlei strafrechtlichen Restriktionen unterworfen“, hieß es in einer Mitteilung des Anwalts.

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Fast sieben Monate ist es her, dass Becker das für ihn vernichtende Urteil in London erhielt. Im Southwark Crown Court, einem Gericht unweit der Themse, wurde der 55-Jährige zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, weil er seinen Insolvenzverwaltern Vermögenswerte in Millionenhöhe verschwiegen hatte. Für ihn ging es damals ohne Umwege nach Wandsworth, ein Gefängnis im Süden Londons. Wenige Wochen später wurde er in das Huntercombe-Gefängnis westlich der britischen Hauptstadt verlegt. Seit diesem Donnerstag ist der Ex‑Tennisstar nun offenbar wieder ein freier Mann, wie Nachrichtenagentur PA berichtete. Offizielle Bestätigungen durch Beckers Anwälte und die Behörden stehen jedoch noch aus.

Neue Langzeit-Doku über Boris Becker angekündigt

Kurz nach Boris Beckers angeblicher Freilassung verkündet Apple: Das Leben des früheren Wimbledon-Siegers wird verfilmt.

Becker kann Sonderregel nutzen

„Ich gehe davon aus, dass sich Becker in Deutschland ohne jede Einschränkung bewegen kann“, erklärte der Promi-Anwalt Paul Vogel gegenüber dieser Zeitung. Dabei profitiere der Ex‑Tennisstar von einer Sonderregel. Diese besagt, dass ausländische Häftlinge ihre Strafe um bis zu zwölf Monate verkürzen können, wenn sie einer Rückführung in ihr Heimatland zustimmen. Becker komme infrage, weil er keine britische Staats­bürgerschaft besitzt. Dadurch sollen britische Gefängnisse entlastet werden.

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Überraschend ist diese Wendung aus der Sicht von Vogel, weil Becker seinen Lebensmittelpunkt seit Jahren in Großbritannien und dort überdies einen besseren Stand hatte als in Deutschland. Teile seiner Familie sowie seine Partnerin Lilian de Carvalho Monteiro leben in London. „Unter der Prämisse, dass er möglichst schnell auf freien Fuß kommt, hätte es auch die Option gegeben, auf Vollzugslockerungen in England hinzuarbeiten“, erklärte der Experte. Und dennoch: „Mit diesem politischen Programm geht es nun ebenfalls schnell und ohne allzu große anwaltliche Mühe.“

Vorerst keine Einreise nach Großbritannien

Die Freilassung habe jedoch einen Preis: Denn auf die Insel zurückkehren könne der gebürtige Leimener dann wohl erst einmal nicht. Ihm werde nach der Abschiebung die Einreise nach Großbritannien verwehrt bleiben. Mindestens bis seine Haftstrafe im Oktober 2024 abgelaufen ist, „vermutlich aber deutlich länger“, wie Vogel erklärte. Allerdings gebe es für eine Person wie Becker immer die Option, mit guter anwaltlicher Begleitung Ausnahmeregelungen zu forcieren. Insbesondere dann, wenn man im Vereinigten Königreich ein eigenes Interesse daran habe – zum Beispiel im Rahmen einer sportlichen Veranstaltung.

Parallel zu den Meldungen zu Beckers Entlassung hat der Streamingdienst Apple TV+ eine Dokumentation über ihn angekündigt. Wann genau die zweiteilige Serie, die noch keinen Titel hat, veröffentlicht werden soll, ist unklar. Sie basiere auf drei Jahren exklusivem Zugang zu Becker und werde „alle Aspekte des Mannes“ beleuchten, hieß es in einer Mitteilung.

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Wo wird Becker nun wohnen?

Die große Frage ist aktuell auch, wo Becker nach seiner Rückkehr unterkommen wird. Während manche Medien berichteten, dass er bei Freunden leben werde, geht Vogel davon aus, dass er bei seiner Mutter in Leimen wohnen wird. Offiziell bestätigt wurde dies jedoch nicht. Eins steht laut dem Anwalt fest: „Wo er sich in Deutschland niederlässt, kann er sich aussuchen.“

Die Verurteilung war ein tiefer, schmerzhafter Fall für den Deutschen, der einst im Alter von nur 17 Jahren Wimbledon gewann und in den 80er- und 90er‑Jahren viele weitere große sportliche Erfolge feierte. Vor allem die ersten Wochen im Wandsworth, dem Gefängnis im Süden Londons, sollen nicht leicht für Becker gewesen sein. „Ich fühle mich nicht als Deutscher. Mein Zuhause ist London“, sagte er vor etwas mehr als fünf Jahren in einem Interview. Nun jedoch kehrt der 55‑Jährige offenbar dennoch in seine Heimat zurück.

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