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  • Billie Eilish über Social Media: Künstlerin wünscht sich mehr Verständnis für "Digital Natives" und soziale Netzwerke

Billie Eilish im Interview: Soziale Medien wichtig für Veränderungen in der Gesellschaft

  • Billie Eilish ist nicht nur einer der größten Popstars der Welt, sondern für Millionen Fans auch Vorbild und Sprachrohr ihrer Generation.
  • Im Interview wirbt die 18-Jährige für mehr Verständnis gegenüber "Digital Natives".
  • Denn soziale Medien können ein Motor für Veränderungen sein, findet Eilish.
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Hamburg. Ob TikTok, Snapchat oder Whatsapp - während soziale Netzwerke bei vielen Teenagern zum Alltag gehören, ist diese Faszination für ältere Menschen oft nur schwer nachvollziehbar. Ein häufiges Vorurteil: Das sind desinteressierte und internetsüchtige Rebellen, die einen Großteil ihrer Zeit sinnfrei auf technische Geräte starren. Für Pop-Superstar Billie Eilish (18) Grund genug, aus der Heim-Quarantäne in Los Angeles für ihre Altersgenossen eine Lanze zu brechen.

Billie Eilish ist fünffache Grammy-Gewinnerin und einer der erfolgreichsten Popstars der Welt. Ihr Debütalbum “When We All Fall Asleep, Where Do We Go?” erreichte unter anderem in den USA und Großbritannien Platz 1 der Charts. Sie singt auch den Titelsong zum neuen James-Bond-Film “No Time To Die”.

Im Zoom-Call der Deutschen Presse-Agentur spricht die 18-Jährige, die mit mehr als 70 Millionen Followern zu den am besten vernetzten Künstlern weltweit gehört, nach den turbulenten Monaten mit Covid-19 und "Black Lives Matter"-Bewegung über die Macht des Internets - und ihr eigenes Smartphone-Verhalten.

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In einer aktuellen Telekom-Kampagne werben Sie für “digitalen Optimismus” und betonen, dass junge Menschen nicht nur Social-Media-Junkies sind. Sieht sich Ihre Generation häufig dieser Kritik ausgesetzt?

Ja, es gibt tonnenweise Vorurteile, wie unsere angebliche Besessenheit von sozialen Medien und von “Likes”, was zu einem gewissen Grad sogar zutrifft. Aber wir jungen Menschen sind ziemlich schlau, und ich habe das Gefühl, dass ich durch meine eigene Art, das Internet und damit auch die Lernprozesse anderer Leute zu sehen, schon sehr viel Hoffnung verspürt habe.

Das passt ins Stimmungsbild: Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar sind junge Europäer vom Nutzen der Digitalisierung überzeugt, vor allem im Bereich der Wissensvermittlung. Wie erleben Sie das?

Man kann mithilfe digitaler Technologien einfach so viel lernen. Es gibt so viele Themen, wie soziale Ungerechtigkeit oder das Klima, von denen ich vor der Zeit des Internets einfach keine Ahnung hatte – und hätte ich diese Möglichkeit des schnellen Lernens nicht gehabt, wüsste ich nicht so viel über diese Dinge. Deswegen glaube ich, dass es wichtig ist, soziale Medien nicht einfach wegzustoßen, weil sie wirklich nützlich sein können. Solange man Informationen auf ihre Richtigkeit überprüfen kann und weiß, dass die Quellen glaubwürdig sind, können sie so mächtig sein.

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In den vergangenen Monaten haben vorwiegend junge Menschen im Internet mit Protestaktionen wie “Black Lives Matter” oder “Fridays for Future” die Aufmerksamkeit auf gesellschaftliche Verfehlungen gelenkt. Ist dies eine der Stärken von sozialen Medien?

Auf jeden Fall! Ich meine, ein einziger Klick ermöglicht es dir, etwas über die Welt zu lernen und vielleicht das Gefühl zu bekommen, etwas bewegen zu können, und Menschen, die man liebt, zu unterstützen, und für andere Menschen und für sich selbst zu kämpfen. Es war großartig zu sehen, wie diese Möglichkeiten zuletzt Realität geworden sind, und ich fand toll zu sehen, wie Menschen einfach ihre Unterstützung zeigen, selbst wenn es nicht um sie selbst geht.

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Glauben Sie, dass dieses soziale Engagement und die Mobilisierung der Massen ohne den Einsatz digitaler Technologien nicht möglich gewesen wären?

Es ist nicht so, dass die Leute nicht versuchen würden, etwas zu verändern, wenn es das Internet nicht gäbe. Ich glaube aber, es macht es zumindest schneller und einfacher, sich über Dinge zu erkundigen, Petitionen zu unterzeichnen oder über Kundgebungen informiert zu werden. Das Internet eröffnet eine neue Welt.

Fallen Ihnen spontan Beispiele für kreative digitale Projekte ein, die Ihnen begegnet sind und Sie beeindruckt haben?

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Ja, es gibt unglaublich viele. Ein Beispiel wäre das Projekt “Support and Feed”, das meine Mutter zu Beginn der Corona-Quarantäne ins Leben gerufen hat. Dabei geht es darum, Menschen in Not mit einer vegetarischen Mahlzeit zu versorgen. Das ist gut für die Umwelt, hilft Bedürftigen und unterstützt Restaurants und Lokale, die zurzeit wegen Covid-19 eine harte Zeit durchmachen. Es war wirklich schön zu sehen, dass meine Mutter sich so viel Mühe gegeben und selbst auch Lieferungen gemacht hat. Das war großartig.

Und wie ist es mit Ihnen? Welche Rolle spielen Internet und soziale Medien für Sie privat? Wie wäre ein Leben ohne diese Technik?

Ich könnte es Ihnen wirklich nicht sagen. Ich bin mit dem Internet aufgewachsen - so sehr ich mir auch wünschte, es gäbe keine Videos von mir aus der Zeit, als ich nervig und zwölf Jahre alt war. Das ist ein Teil des Lebens. Das Internet ist zudem die einzige Möglichkeit, mit meinen Fans zu interagieren, wenn ich nicht auf Tournee bin. So kann ich mit ihnen kommunizieren, mit ihnen zusammen sein und das Gefühl haben, dass wir eins sind. Das Erstaunliche daran ist, dass ich mich mit Menschen verbunden fühlen kann, die Tausende Kilometer von mir entfernt sind.

Kompensiert dieser Nutzen die vielen Konzertbesucher, die Ihre Live-Shows nur über Smartphone-Bildschirme verfolgen?

Während meiner Shows gibt es gewöhnlich immer ein paar Songs in meiner Setliste, bei denen ich meine Fans dazu ermutige, ihre Handys wegzulegen, mich einfach anzusehen und den Moment zu genießen. Denn so sehr wir alle Videos machen wollen - und ich liebe es selbst, Videos aufzunehmen -, so sollten wir zumindest manchmal auch daran denken, dass es ein Gleichgewicht geben sollte. Aber das bedeutet nicht, das eine oder das andere wegzulassen. Es geht nur darum, ein Gleichgewicht zu haben und zu wissen, was gut für einen ist.

Als Weltstar sind Sie auch mit den Schattenseiten sozialer Medien vertraut. Cyberbullying, Bodyshaming und so etwas sind auch bei normalen Teenagern ein hochaktuelles Thema. Spricht das nicht eher für einen vorsichtigeren Umgang mit der Technologie?

Das ist ein schwieriges Thema, oder? Ich meine, das Internet ist großartig, es hat aber auch Nachteile wie Mobbing, die ich nicht ausstehen kann. Es geht darum, herauszufinden, was gut für einen ist. Das Internet ist heute einfach ein Teil von allem – da muss man einfach wissen, wie man damit umzugehen hat. Man sollte niemals zulassen, dass furchtbare Menschen einem das Gefühl geben, dass man keine Bedeutung hat. Das Internet sollte einen nie dazu bringen, sich so zu fühlen. Ich denke daher wirklich, dass es so etwas wie Internet-Unterricht geben sollte, damit man lernt, wie man mit dem Internet und Mobbing zurechtkommt, und sich nicht davon besessen fühlt oder sich sein Leben ruinieren lässt.

RND/dpa

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