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Barbara Schöneberger: „Ich finde dieses ganze Frauen-Empowerment albern“

  • Nach längerer Corona-Pause kann nun auch Barbara Schöneberger wieder auf Tour gehen.
  • Im RND-Interview spricht sie über 2G-Regelungen bei Veranstaltungen sowie Genderdebatten und deren Einfluss auf die Comedybranche.
  • Außerdem erzählt sie, warum sie trotz zahlreicher Einladungen nie in Politshows wie „Anne Will“ sitzt.
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Entertainerin und Musikerin Barbara Schöneberger kann, nachdem sie zuletzt etwa den Fernsehpreis moderiert hat, nun auch ihre wegen der Pandemie verschobene Tour „Alles Gute und so weiter“ nachholen. Ab Ende September tourt sie durch elf verschiedene Städte, den Auftakt macht sie am 30. September in Halle/Saale, es folgen unter anderem Auftritte in Berlin (5. Oktober), Hannover (16. Oktober) und München (24. Oktober). Im RND-Interview spricht sie über aktuelle Veranstaltungsregelungen, das Impfen als „Bürgerpflicht“ und ihren Umgang mit Genderdebatten:

Frau Schöneberger, Sie können wieder auf Tour gehen. Wie sehen Sie die Debatten um 2G, 3G usw. bei Veranstaltungen?

Wenn die Welt vorm Abgrund steht, verstehe ich nicht, warum es Leute gibt, die sich nicht impfen lassen wollen, obwohl das nachweislich weniger Erkrankungen und schwere Verläufe bringt. Wenn wir mit dem Impfen nicht weiterkommen, wird uns Corona die nächsten zehn Jahre beschäftigen. Von mir aus kann jeder zu meinen Konzerten kommen, ich persönlich habe keine Angst vor dieser Krankheit, bin aber ja nicht alleine auf der Welt, deshalb halte ich es für unsere Bürgerpflicht, alles dafür zu tun, dass die Pandemie eingedämmt wird.

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Also finden Sie die 2G-Regelung angemessen?

Ja, das Wohl unserer Gesellschaft will ich ungern von einem Test abhängig machen. Für mich persönlich ist es mir egal, aber als Gesellschaft ist die Impfung jetzt der Beitrag, den wir leisten müssen als Individuen, damit wir hinterher sagen können, alles dafür getan zu haben, dass es besser wird.

Ich gehe davon aus, dass Sie auch schon doppelt geimpft sind?

Ich war als eine der Ersten geimpft. Man kann mich fast als Impfdrängler bezeichnen. Ich bin wirklich jeden Tag mit hundert unterschiedlichen Leuten zusammen. Da macht es schon Sinn, mich als potentiellen Überträger auszubremsen.

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Was sagen Sie Kolleginnen und Kollegen, die sich nicht impfen lassen wollen?

Ich sage niemandem etwas. Aber die Kollegen – es sei denn, es sind die ganz großen Superstars, die machen können, was sie wollen – werden oft nicht mehr gebucht, wenn sie sich nicht impfen lassen. Es ist dann schon eine Entscheidung, die sie treffen müssen. Ich kann nur sagen: Bei mir hat sich durch die Impfung weder mein Charakter noch mein Körper verändert. Wobei sich mein Körper zunehmend verschlechtert – aber ich kann das wohl nicht auf die Impfung schieben.

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In Ihrer Musik, mit der Sie nun auf Tour gehen, geht’s auch um Frauenperspektiven und den Blick auf die Männerwelt. Wie stehen Sie zu den aktuellen Genderdebatten?

Wenn wir über Gender diskutieren, diskutieren wir auch über Feminismus, #MeToo, Dieselfahren, Fleischessen, über alles. Wenn ich sage, dass ich die Genderdebatten übertrieben finde, bin ich auch gleich eine Umweltsau und mindestens ein CSU-Wähler. Ich habe mich mein Leben lang beim Wort „Studenten“ und „Mitbewohner“ mitgemeint gefühlt. Ich sage manchmal, ich sei „Hühnerhalter“ und manchmal „Hühnerhalterin“. Ich bin nicht dogmatisch. Es ist mir ein Rätsel, wie plötzlich so viel Dogma in unsere Gesellschaft einziehen kann. Dieses Dogma soll uns vermeintlich befreien und jedes Individuum zu seinem besten bringen, ich glaube aber, dass wir immer unfreier werden. Jedes Mal, wenn ich jetzt auf eine Bühne gehe, merke ich, wie viele Fallen es gibt, in die ich treten kann.

Und wie handhaben Sie das selbst?

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Ich frage mich: Muss ich mich da jetzt einordnen, um cool und jung zu sein – es ist ja vor allem die junge Zielgruppe, die das fordert –, oder gestehe ich mir ein und bin selbstbewusst genug zu sagen: „Ich respektiere eure Welt und finde vieles wichtig und gut, aber manches mache ich auch nicht mit“? 18-Jährige gendern total organisch, weil es für sie selbstverständlich ist. Dass man als 50-Jähriger bei der ein oder anderen Formulierung hadert oder stolpert, macht einen nicht zum schlechten Menschen oder Fortschrittsverweigerer. Das muss sich organisch auswachsen. Wenn man das Gefühl hat, es wird zum Dogma und Diktat, wird es viel Gegenwind geben. Das hilft der Sache nicht. Ich lebe mein Leben lang ein feministisches Leben, ohne dass mir bewusst war, dass ich Feministin bin, und ich würde mich selbst auch nie so bezeichnen. Ich habe nie darüber nachgedacht, ob ich aufgrund oder trotz meiner Brüste Karriere mache. Ich bin überzeugt, ich hätte diese Karriere auch mit dunklen Haaren und einer Körbchengröße kleiner gemacht. Wir müssen uns unseren Humor bewahren und nicht so sehr den Fehler bei anderen suchen. Ich wundere mich, wie viel mit dem Finger auf andere gezeigt wird.

Welchen Einfluss haben diese Debatten auf die Entertainment- und Comedybranche?

Die Comedybranche wird sich dagegenstemmen. Man kann kein politisch korrektes Kabarett oder politisch korrekte Comedy machen. Anstatt über nichts mehr zu lachen, lasst uns doch bitte über alles lachen, und vor allem über uns selbst. Wenn ich sehe, wie wichtig manche sich nehmen, verstehe ich das nicht. Natürlich gibt es Dinge, die zu weit gehen, aber wir müssen uns weiterhin auf den gesunden Menschenverstand verlassen und nicht nur auf irgendwelche Strömungen. Natürlich muss sich eine Gesellschaft verändern. Ich merke den Gesellschaftswandel auch daran, was wir heute in der NDR-Talkshow an interessanten Menschen zu Gast haben. Die hätte man früher nicht eingeladen und das war ein Fehler, weil es so viel mehr gibt als – überspitzt gesagt – nur die große, blonde, deutsche Schauspielerin. Es gibt viele tolle Lebenswege, die man erzählen kann. Aber es wird sich auch mit den falschen Sachen aufgehalten.

Was meinen Sie genau?

Ich finde dieses ganze Frauen-Empowerment albern. Jede Frau weiß, dass sie, wenn es darauf ankommt, mehr schafft als ein Mann. Da brauche ich nicht, weil es mir bei Instagram 200 Follower mehr bringt, bei „Women Support Women“ mitmachen. Das finde ich bescheuert. Wir haben unser Selbstbewusstsein jetzt schon so lange, jetzt wird es sichtbar, aber ich muss deshalb nicht bei jeder Gelegenheit die politische Fahne schwenken. Ich bin Unterhalterin, man muss sich auch weiterhin ungeniert amüsieren dürfen, ohne dass gleich einer den erhobenen Zeigefinger hebt.

Ist das auch der Grund, warum Sie sich mit politischen Statements zurückhalten?

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Total. Muss ich jetzt auch noch posten „Periode ist kein Luxus, Tamponsteuer von 19 auf 7 Prozent senken“? Ist es das, was die Leute von mir hören wollen? Ich glaube nicht. Das sollen andere machen, die sich dann auch wirklich auskennen. Ich finde das super, die sollen sich für alles einsetzen, #womensupportwomen, #stayathome, was weiß ich was. Ich bin kein unpolitischer Mensch, aber ich bin Unterhalter. Ich muss nicht ständig bei Anne Will sitzen und den Menschen erklären, wie Politik funktioniert. Das ist nicht mein Metier. Ich muss nicht jede Unterhaltungsshow mit politischen Aussagen würzen, um mir selbst eine gewisse Tiefe zu geben.

Werden Sie denn häufiger zu politischen Talkshows eingeladen?

Ich werde recht häufig zu Politshows eingeladen, meistens zum Thema Emanzipation. Ich fürchte, ich würde mich derartig um Kopf und Kragen reden, dass ich da im Leben nicht hingehen würde. Ich finde es auch super, bei manchen Themen einfach die Klappe zu halten, weil ich vieles auch nicht zu Ende gedacht habe.

Was glauben Sie, warum Sie so oft zum Thema Emanzipation angefragt werden?

Ich bin offenbar die Vorzeigefrau, die unabhängig ist, obwohl sie mit ihrer Weiblichkeit spielt. Das zu erklären oder zu intellektualisieren, was ich mein Leben lang aus dem Bauch heraus gemacht habe, und dann am besten noch jungen Frauen einen Kompass auf den Weg mitzugeben, kann ich nicht. Meine Mutter war zu Hause und mein Vater hat gearbeitet, es war eine konservative Rollenverteilung, aber ich habe keine Sekunde in meinem Leben daran gezweifelt, dass mir die Welt offensteht. Ich brauche niemanden, der mir sagt: Du kannst als Frau auch alles schaffen. Und ich wünsche mir, dass keine Frau daran zweifelt. Ich bin einen sehr intuitiven Weg gegangen. Das kann man nicht erklären, zumindest nicht bei Anne Will. Ich treffe mich lieber mit ihr privat.

Sie übernehmen 2022 „Verstehen Sie Spaß?“. Finden Sie sich selbst lustig und wie würden Sie Ihren Humor beschreiben?

Ich kann über viel lachen, am meisten darüber, wenn Menschen sich und ihr Leben so wahnsinnig ernst nehmen. Das ist häufig bei Männern der Fall, dass da eine gewisse Wichtigkeit vorgespielt wird. Ob ich mich selbst lustig finde, finde ich eine interessante Frage. Manchmal muss ich tatsächlich darüber lachen, was ich in einer Sendung gesagt habe, wenn ich es aus Versehen mal später ansehe. Letztendlich lacht man immer über Timing. Wenn einer ein gutes Timing hat, kann es auch vom Inhalt her mal schwach sein, aber man muss trotzdem lachen.

Und Sie haben ein gutes Timing?

Ich habe manchmal ein gutes Timing. Und ich habe keine Angst davor, etwas falsch zu machen. Das sieht man bei allen Leuten, über die man lachen muss. Menschen, die damit leben können, dass etwas schiefgeht, sind per se komisch. Ein Teddy Teclebrhan hält es zum Beispiel auch mal aus, fünf Sekunden nichts zu sagen und nur zu gucken. Das muss man erst mal hinbekommen, und dann muss man auch lachen.

Sie werden häufiger als „Deutschlands beste Entertainerin“ bezeichnet. Wer ist Ihre größte Konkurrenz?

Die ganzen guten, großen Moderatoren sind zurecht da, wo sie sind. Wenn ich mit Jörg Pilawa mal einen Abend moderiere, weiß ich einfach: Das ist der Wahnsinn, was der Typ macht. Dasselbe gilt für Bettina Tietjen, Johannes Kerner, Günther Jauch oder Thomas Gottschalk. Die können es einfach. Wenn ich mich von jemandem dauerhaft entertainen lassen müsste, dann würde ich mich für Günther Jauch entscheiden. Ich liebe diese Mischung aus unfassbarem Wissen, großer Lebenserfahrung und gleichzeitig unglaublich bösem Humor, was man ihm immer nicht zutraut. Das fällt den Leuten oft nicht auf, weil der liebe Herr Jauch ja eigentlich Bundespräsident ist. Die Fallhöhe aus dieser vermeintlichen Perfektion und Volksnähe ist super.

Eigene TV-Sendungen, Musik, Galamoderationen, ihr Magazin, Werbedeals: Gibt es etwas, worauf Sie verzichten müssen, um all das zeitlich unter einen Hut zu bringen?

Ich muss auf gar nichts verzichten. Ich kann nicht jeden Nachmittag einen Stadtbummel machen und Latte Macchiato trinken. Aber wer will das schon? Man kann viel schaffen, wenn man sich gute Partner sucht. Ich bin kein Kontrollfreak, ich bin keiner, der Leuten erklärt, wie sie ihren Job zu machen haben. Ich lebe kein entbehrungsreiches Leben, in dem ich sagen muss: „Leider habe ich meine Kinder nicht aufwachsen sehen.“ Ich schmiere meinen Kindern morgens ihre Pausenbrote, wecke sie, begleite sie in die Schule, bin in der Regel an zwei bis drei Nachmittagen die Woche da, wenn sie zurückkommen, und ansonsten ist die Mutter eben mal weg. Im Gegenzug gibt‘s auch ein recht komfortables Nest mit coolen Turnschuhen und einem großen Garten.

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