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Ermittlungen gegen Attila Hildmann: Eine Chronologie der Radikalisierung

Für den Verschwörungsideologen Attila Hildmann könnte es jetzt ernst werden (Archivbild).

Für den Verschwörungsideologen Attila Hildmann könnte es jetzt ernst werden (Archivbild).

Berlin. Die Staatsanwaltschaft Berlin hat die Ermittlungen gegen den Verschwörungsideologen Attila Hildmann übernommen. Laut NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ umfassen die Akten 60 Bände sowie weitere 33 Fallakten. Bereits am Dienstag hatten Beamte Hildmanns Wohnung durchsucht und zahlreiche Geräte und Speichermedien des Brandenburgers beschlagnahmt.

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Was genau in den Akten steht, ist nicht bekannt. Klar ist: Gegen den Vegan-Koch stapeln sich die Anzeigen. Allein zwischen dem 19. September und 25. Oktober seien laut dem Bericht mehr als 40 Anzeigen gegen ihn eingegangen, unter anderem wegen Volksverhetzung, Androhung von Straftaten, Beleidigung und Bedrohung.

In den vergangenen Monaten hatte Hildmann zudem zahlreiche antisemitische Aussagen verbreitet. Wurden diese zunächst noch vergleichsweise subtil formuliert, wurde Hildmann mit der Zeit immer radikaler. Eine Chronologie der Eskalation.

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Hetze gegen Juden

Im Frühjahr hatte Hildmann mit aufsehenerregenden Instagram-Posts seine Karriere als Corona-Verschwörer gestartet. Hildmann sprach damals von einem angeblichen „Stichtag“ am 15. Mai, der auch heute, sieben Monate später, noch nicht eingetreten ist. Auch antisemitische Verschwörungstheorien waren damals schon Thema in seiner Telegram-Gruppe, jedoch wurden sie vergleichsweise subtil formuliert.

Später radikalisierte sich Hildmann immer mehr. Im Juni behauptete der Vegan-Koch etwa, jüdische Familien hätten den Holocaust finanziert und Hitler habe Deutschland lediglich gegen „Zionisten“ verteidigen wollen. Wie der Berliner „Tagesspiegel“ berichtete, wurde in Hildmanns Telegram-Gruppe von Anhängern auch die antisemitische Propagandaschrift „Protokolle der Weisen von Zion“ verbreitet.

Im selben Monat bezeichnete Hildmann Adolf Hitler als „Segen“. „Adolf Hitler war ein Segen für Deutschland im Vergleich zu Angela Merkel, dieser Kommunistin!“, schrieb Hildmann in seiner Telegram-Gruppe. „Sie plant mit dunklen Eliten den globalen Überwachungsstaat und Genozid weiter Teile der Menschheit. Sollte irgendwer diese Zeit überleben, wird er mir recht geben, was ich zur ihr und Hitler sagte!“

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Drohungen gegen Politiker und Journalisten

Kurz darauf bedrohte Hildmann auf einer Demo in Berlin Journalisten. „Ihr seid Faschisten und wir werden eure Namen finden und dann gucken wir mal weiter“, so Hildmann zu den Pressevertretern. Ein Demonstrationsteilnehmer schlug kurz daraufhin gegen die Kamera eines Pressevertreters. Der Fall wurde in einem Video festgehalten.

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Im Juli drohte Hildmann dem Grünen-Politiker Volker Beck mit dem Tode. Auf einer Demo mit rund 200 Anhängern in Berlin sagte Hildmann: „Wenn ich Reichskanzler wäre, dann würde ich die Todesstrafe für Volker Beck wieder einführen, indem man ihm die Eier zertritt auf einem öffentlichen Platz.“ Auf einem im Netz verbreiteten Video ist zu sehen, wie das Publikum ihm lautstark zustimmt. Die gleiche Drohung hatte Hildmann bereits zuvor auf seinem Telegram-Kanal verbreitet. Beck hatte Hildmann daraufhin angezeigt.

Im Oktober erließ die Pressekammer des Landgerichts Frankfurt in einem Eilverfahren eine einstweilige Verfügung gegen Hildmann. Auf seinem Telegram-Kanal hatte der Vegan-Koch ein Video von Ursula Haverbeck verbreitet, in dem diese den Holocaust leugnet. Das Gericht untersagte Hildmann, die Äußerungen wörtlich oder sinngemäß wiederzugeben. Der Grund: Er hatte Haverbeck auf Telegram als „sehr intelligente Frau“ bezeichnet und habe sich deren Aussagen damit zu eigen gemacht. Die Plattform Youtube, auf der Haverbecks Video gelöscht worden, war bezeichnete Hildmann im selben Post als „Yuden-Youtube“.

Volksverhetzung im Konjunktiv

Des Weiteren verwendet Hildmann immer wieder in seinen Telegram-Posts Begriffe, die dem Tatbestand der Holocaust-Relativierung entsprechen dürften. Dazu gehört etwa der Begriff „Corona-KZs“. Eine Audiobotschaft überschrieb der Kochbuchautor etwa mit dem Begriff „Mein Kampf“, in Anlehnung an das gleichnamige Manifest Adolf Hitlers.

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Gegen Hildmann vorzugehen ist trotz allem nicht ganz einfach – denn der Vegan-Koch weiß, was er tut. Viele von Hildmanns Aussagen sind bewusst schwammig formuliert, und die Strategie hat er auch selbst bereits eingeräumt. Als Hildmann etwa Volker Beck drohte, sagte er „Wenn ich Reichskanzler wäre“. Dieser Konjunktiv könnte die juristische Verfolgung erschweren.

Laut Berliner Staatsanwaltschaft wolle man aber dennoch eine gerichtliche Klärung erreichen. Generalstaatsanwältin Margarete Koppers sagte der „Süddeutschen Zeitung“, man wolle eine klärende, möglichst obergerichtliche Rechtsprechung erreichen. „Auch wenn jemand scheinbar im Konjunktiv spricht, kann das unter Umständen dieselbe aufhetzende Wirkung bei den Zuhörenden auslösen“, so Koppers.

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