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Anklage: Weinstein fühlte sich als “Herr des Universums”

  • Nach wochenlangen Verhandlungen endet am Freitag der inhaltliche Teil des Weinstein-Prozesses.
  • Die Staatsanwaltschaft warf dem ehemaligen Hollywood-Mogul Machtmissbrauch vor.
  • Weinstein könnte möglicherweise den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen.
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New York. Die Staatsanwaltschaft hat Hollywood-Mogul Harvey Weinstein im Schlussplädoyer des Vergewaltigungsprozesses als macht- und sexbesessenen Tyrannen porträtiert, der sich für unantastbar hielt. Staatsanwältin Joan Illuzi-Orbon ahmte in ihrer Rede an die Geschworenen Weinstein nach, in dem sie erklärte: „Das Universum wird von mir betrieben und sie werden sich nicht beklagen, wenn sie getreten, bespuckt, demoralisiert und, ja, vergewaltigt und missbraucht werden - von mir, dem King.“

Weinsteins Verachtung für Frauen, die auf eine Filmkarriere hofften, sei so weit gegangen, dass er sie als „Wegwerfware“ betrachtet habe: „Sie würden niemals etwas in seiner Welt werden.“ Illuzi-Orbon illustrierte das mit Fotos von sechs Frauen, die Weinstein der sexuellen Nötigung bis hin zur Vergewaltigung beschuldigt hatten. Bis auf „Sopranos“-Schauspielerin Annabella Sciorra machte keine eine erfolgreiche Filmkarriere. Auch Sciorra sagt, sie sei von Weinstein vergewaltigt worden. Ihr Fall ist allerdings verjährt.

"Dies ist ein Verbrechen"

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Auf dem Bildschirm der direkt vor der Jury aufgestellt war, ließ die Staatsanwältin Seite an Seite die Aussagen Sciorras aus den 1990er Jahren und die der Frau abspielen, wegen deren mutmaßlicher Vergewaltigung 2013 Weinstein jetzt in New York vor Gericht stand: „Seine Augen wurden schwarz und ich dachte, er wird mich direkt hier schlagen“, sagte Sciorra als Zeugin aus. Mit einem Klick schaltete Illuzi-Orbon auf die Beschuldigerin, die aussagte: „Seine Augen veränderten sich und er war nicht da. Sie waren sehr schwarz und er zerriss mich.“

Damit konterte die Anklagevertretung das Schlussplädoyer von Weinsteins Verteidigerin Donna Rotunno, die erklärt hatte, die Staatsanwaltschaft erzähle eine „finstere Geschichte“ aus einem „alternativen Universum“, und dass die Beschuldigerinnen „Bedauern in Vergewaltigung“ umbenannt hätten. Die Jury solle die Geschichte der Staatsanwaltschaft nicht abkaufen, in der „Frauen keinen eigenen Willen haben“.

Illuzi-Orbon hielt dem entgegen: „Wenn Erwachsene in die Wohnung eines anderen Erwachsenen gehen, sollten sie dann erwarten, dass sie Sex haben müssen? Indem sie in Harvey Weinsteins Heim gingen, verdienten sie das, was sie dort bekamen?“ Es gebe hier keine unscharfen Linien: „Dies ist ein Verbrechen und mutwillige Missachtung anderer Menschen.“

Ins Hotelzimmer gelockt und überfallen

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Der 67-jährige Weinstein wird beschuldigt, eine Frau 2013 in einem Hotelzimmer in Manhattan vergewaltigt und 2006 eine andere zum Oralsex gezwungen zu haben. In dem Prozess brachten auch mehrere andere Frauen Vorwürfe gegen ihn vor, die aber nicht Teil der Anklage sind. Er hat stets beteuert, jegliche sexuelle Handlungen seien einvernehmlich gewesen. Die Vorwürfe gegen Weinstein hatten die #MeToo-Bewegung ins Rollen gebracht, bei der auch zahlreiche andere mächtige Männer aus der Unterhaltungsbranche und darüber hinaus sexueller Übergriffe beschuldigt wurden.

Zeuginnen hatten während des Prozesses ausgesagt, sie hätten eine berufliche Beziehung zu Weinstein gesucht. In oft emotionalen Aussagen hieß es, Weinstein habe die Frauen in seine Hotelzimmer gelockt und sie dann überfallen.

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Die aus sieben Männern und fünf Frauen bestehende Jury berät nun kommende Woche über Schuld oder Unschuld Weinsteins. Bei einem Schuldspruch droht dem 67-Jährigen lebenslange Haft.

RND/dpa