Alyssa Milano: Von der Schauspielerin zur Aktivistin

  • Alyssa Milano ist eine der Schlüsselfiguren der MeToo-Bewegung.
  • Als sie vor genau drei Jahren „#MeToo“ (deutsch: „Ich auch“) tweetet, folgen Millionen Frauen und Männern ihrem Aufruf.
  • Sie ist keine zufällige Aktivistin, schon seit vielen Jahren engagiert sich die Schauspielerin politisch.
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Schauspielern und aktivistisch arbeiten schließt sich nicht aus. Das beweist Alyssa Milano (47), die aus New York City stammt, seit Beginn ihrer Karriere. Doch in den letzten Jahren zieht sie sich aus der Filmwelt immer mehr zurück. Stattdessen entwickelt sie sich zu einer der größten Hollywoodkritikerinnen, die soziale Gerechtigkeit erreichen möchte.

Gegen das Stigma von HIV

Alles beginnt in den 1980er-Jahren, während Milano in der Serie „Wer ist hier der Boss?“ (1984-1992) mitspielt. Sie erfährt von dem 13-jährigen Jungen Ryan White, der sich durch eine Bluttransfusion mit HIV infiziert hat und deswegen in seiner Schule gehänselt wird. In den 1980er-Jahren ist das Stigma um HIV und Aids groß, die Scham der Infizierten noch größer. Milano kontaktiert White, gemeinsam sind sie in der Talkshow „The Phil Donahue Show“ zu Gast. Während der Sendung gibt Milano ihm ein Küsschen auf die Wange.

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Damit will sie zeigen, dass White ein ganz normaler Junge ist und HIV nicht durch Küsse übertragbar ist. Milano ist zu dem Zeitpunkt selbst noch ein Teenager. Auf Twitter erinnert sich die Schauspielerin im Juli diesen Jahres: „Ich habe Ryan White im Fernsehen geküsst, als ich 15 Jahre alt war, um zu beweisen, dass man durch gelegentlichen Kontakt HIV und Aids nicht bekommen kann.“

White stirbt nur fünf Jahre nach der Ausstrahlung der Talkshow – im Alter von 18 Jahren. „Es gibt nichts an meinem Aktivismus, was nicht direkt durch meine Liebe zu Ryan White motiviert ist“, sagt Milano 2017 zu „NBC News“. So habe White ihr gelehrt, dass sie als Prominente die Macht habe, Dinge zu ändern und für das einzustehen, was richtig sei. Auch in ihrem Tweet schreibt sie, dass der Moment des Kusses sie realisieren lassen habe, dass sie ihre Stimme nutzen kann, um die Welt positiv zu beeinflussen.

Engagement für die Demokratische Partei

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So setzt sich Milano auch während sie in der TV-Serie „Charmed“ (1998-2006) die Hexe Phoebe Halliwell und in „Mistresses“ (2013-2016) Karrieristin Savannah Davis spielt weiterhin für soziale Gleichheit ein. Sie engagiert sich unter anderem für HIV-Erkrankte, sauberes Wasser und den Tierschutz. Auch privat scheint es gut zu laufen: Drei Jahre nach dem Ende von „Charmed“ heiratet sie den Talentmanager David Bugiliari (39). Gemeinsam haben sie einen Sohn und eine Tochter, sie sind mittlerweile neun und sechs Jahre alt.

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Einen großen Schwerpunkt legt Milano bei ihrem Engagement auch auf die niedrige Wahlbeteiligung in den USA und die Demokratische Partei. So fährt die Schauspielerin 2017 und 2018 beispielsweise Menschen zu den Wahlbüros in den Bundesstaaten Georgia und Alabama. Außerdem nimmt sie am sogenannten Phone Banking teil, um unentschlossene Wähler zu überzeugen, die Demokraten zu wählen. Das ist eine gängige Wahlkampfstrategie in den USA.

#MeToo und die Nachwirkungen

2017 ist für Hollywood und Milano ein besonderes Jahr: Berichte der „New York Times“ und des „New Yorkers“ beschuldigen Filmproduzent Harvey Weinstein des sexuellen Fehlverhaltens. Milano setzt einen historischen Tweet ab: „Wenn Sie sexuell belästigt oder angegriffen wurden, schreiben Sie ‚Ich auch‘ als Antwort auf diesen Tweet.“ Millionen von Menschen, vor allem Frauen, antworten mit eigenen #MeToo-Geschichten. Zurück geht der Begriff auf die New Yorker Aktivistin Tarana Burke (47), die das Konzept bereits seit 2006 verbreitet.

Im Interview mit dem Branchenblatt „Variety“ im Jahr 2017 zeigt Milano sich von der Resonanz nicht überrascht. „Es gibt so viele Menschen, die in ihrem Leben dieser Art von Belästigung oder Missbrauch ausgesetzt waren, dass mich die Zahlen leider überhaupt nicht wirklich überraschen“, so die Schauspielerin.

Doch Milanos MeToo-Aktivismus bringt ihr auch Kritik ein. Besonders ihre Nähe zu Georgina Chapman, Ex-Frau von Harvey Weinstein, wird kritisiert. Chapman und Milano sind gut befreundet: 2012 lernen sie sich in der durch Weinstein produzierten Sendung „Project Runway: All Stars“ kennen. Einige Leute, darunter „Charmed“-Kollegin Rose McGowan, sehen auch bei Chapman eine Mitschuld. Die Ex-Frau von Weinstein beteuert wenige Monate nach dem Skandal in der „Vogue“ aber, dass sie von seinen Taten nichts gewusst habe. Milano hält zu ihrer Freundin. In der „Today“-Show sagt sie im Dezember 2017: „Sie ist eine tolle Frau und eine tolle Mutter.“

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Auch für ihre Unterstützung des aktuellen Demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden wird die Schauspielerin angegriffen. Tara Reade, eine ehemalige Mitarbeiterin von Biden, beschuldigt den heute 77-Jährigen, er habe sie 1993 in einem Senatsgebäude gegen eine Wand gedrückt, unter ihren Rock gegriffen und sei mit seinen Fingern in sie eingedrungen.

Biden bestreitet den Vorfall vehement. In einem Radiointerview im April diesen Jahres erklärt Milano, warum sie trotz dieser Anschuldigung für Biden stimmen wird: „Frauen zu glauben bedeutet nicht, Männern nicht die Möglichkeit eines ordentlichen Prozesses zu geben, [...] es muss in beide Richtungen fair sein.“

Das macht Milano heute

Neben ihrer Wahlkampfarbeit für Biden erlangt Milano seit einiger Zeit wegen ihrer Corona-Infektion große Aufmerksamkeit. So kämpft sie auch fünf Monate nach der Erkrankung mit Folgebeschwerden: Sie leidet laut eigener Aussagen an Gehirnnebel und Haarverlust. Auf Instagram gibt sie ihre Fans regelmäßige Updates.

Was für Milano als nächstes kommt, ist unklar. Momentan moderiert sie ihren Podcast „Sorry, not sorry“. Darin behandelt sie gesellschaftliche Themen und lädt Menschen aus der Politik zu Gesprächen ein. Außerdem hat sie eine Rolle in der Netflix-Serie „Insatiable“, die aber keine dritte Staffel bekommen wird.

Was nahe liegt bei ihrem Engagement, ist die Politik: So schließt Milano ein politisches Amt nicht aus, wie sie „NBC News“ sagt. Sie hat aber eine Bedingung: „Erst wenn meine Kinder erwachsen sind.“


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