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Tödlicher Schuss bei Filmdreh mit Alec Baldwin: die wichtigsten Fragen und Antworten

  • Der Schock über den Tod einer Kamerafrau bei einem Westerndreh hält an.
  • Die Polizei ermittelt, wie Schauspieler Alec Baldwin mit einer Requisitenwaffe den tödlichen Schuss abfeuern konnte.
  • Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Fall.
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Der tödliche Schuss aus der Requisitenwaffe des Schauspielers Alec Baldwin auf Kamerafrau Halyna Hutchins am Set eines Westernfilms gibt weiter Rätsel auf. Zu den genauen Umständen des Vorfalls im US-Bundesstaat New Mexico und dem fatalen Projektil gebe es noch immer offene Fragen, teilte die Polizei mit. Was bislang über den Vorfall bekannt ist.

Was genau ist vor dem tödlichen Schuss passiert?

In Gerichtsdokumenten ist die Situation, soweit sie bislang bekannt ist, beschrieben. Die Waffe, aus der der tödliche Schuss von Baldwin abgegeben wurde, war eine von dreien, die die Waffenmeisterin des Films, Hannah Guiterrez-Reed, auf einen Wagen außerhalb der Holzkonstruktion gelegt hatte, in der eine Szene gedreht wurde, wie es in den Gerichtsunterlagen heißt. Vor dem tödlichen Schuss auf Hutchins übergab ein Regieassistent die Waffe an Baldwin. Die Waffe sei sicher, sagte der Mitarbeiter zu Baldwin, es handele sich um eine „kalte Waffe“, wie aus dem Untersuchungsbeschluss vom Freitag hervorgeht. Laut „New York Times“ wird unter dieser Umschreibung normalerweise verstanden, dass in der Waffe keine Munition stecke.

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Tatsächlich habe die Waffe aber Munition erhalten und die Kamerafrau Halyna Hutchins tödlich verletzt. Regisseur Joel Souza, der den Dokumenten zufolge hinter ihr stand, wurde ebenfalls getroffen und und mit einer Schulterverletzung ins Krankenhaus gebracht.

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Hollywood-Requisiteur: „Scharfe Munition hat am Set nichts verloren“
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Hollywood-Requisiteur Guillaume Delouche kann sich nicht erklären, wie es zum Tödlichen Unfall am Filmset mit Alec Baldwin kommen konnte.  © AFP
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War die Waffe mit echter Munition geladen?

Das versucht zurzeit die Polizei zu ermitteln. Bislang ist noch unklar, um welche Art Munition es sich bei dem tödlichen Schuss handelte. „Wir haben noch keine Details zur Patrone, die in der Waffe war“, sagte ein Polizeisprecher zu der Frage.

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Die Gewerkschaft IATSE schrieb laut „Los Angeles Times“ in einer Mail, dass die Waffe mit einer einzigen Patrone bestückt gewesen sei, einer „single live round“. Dieser Begriff sei eine gebräuchliche Umschreibung in der Branche, die sowohl eine scharfe als auch eine Platzpatrone beschreiben kann. Unklar war zunächst auch weiterhin, wie eine einzige Patrone beide Opfer hatte treffen können.

Ein Sprecher von Baldwin hatte zunächst erklärt, es seien Platzpatronen verwendet worden. Doch um wirklich jemanden in einem gewissen Abstand zu töten, müsste schon ein Geschoss aus Metall abgefeuert werden.

Laut der „Los Angeles Times“ ist üblicherweise ein Requisiteur oder ein lizenzierter Waffenmeister für die am Set benutzten Waffen zuständig. Zu dessen Aufgaben gehöre es auch, diese mit Platzpatronen zu laden und den Schauspielern und Regieassistenten den Umgang damit zu erklären. Scharfe Munition sei am Set verboten.

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Wird gegen Alec Baldwin ermittelt?

Nein, zumindest zurzeit nicht. Es wurde bislang keine Anklage gegen den Hollywoodstar erhoben. Der Sprecher des Sheriffs in Santa Fe, Juan Rios, sagte, Baldwin sei ein freier Mann und dürfe auch reisen. Baldwin selbst kündigte an: „Ich kooperiere vollkommen mit der polizeilichen Untersuchung, um herauszufinden, wie diese Tragödie geschehen konnte.“

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Baldwin äußert sich nach tödlichem Zwischenfall an Filmset
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Nach dem tödlichen Schuss auf eine Kamerafrau an einem Filmset in New Mexico hat sich Schauspieler und Produzent Alec Baldwin per Twitter geäußert  © Reuters

Wie reagierte Alec Baldwin auf den Vorfall?

Der Schauspieler äußerte am Freitagvormittag (Ortszeit) sein tiefes Bedauern und Entsetzen. „Es gibt keine Worte, um den Schock und die Trauer auszudrücken angesichts des tragischen Unfalls, der das Leben von Halyna Hutchins beendet hat – Ehefrau, Mutter und zutiefst bewunderte Kollegin von uns“, schrieb Baldwin bei Twitter. „Ich stehe in Kontakt mit ihrem Ehemann, um ihm und seiner Familie meine Unterstützung anzubieten. Mein Herz zerbricht für ihren Ehemann, ihren Sohn und all diejenigen, die Halyna kannten und liebten.“

Wie die „New York Post“ berichtet, hat der Schauspieler am Samstag den Witwer Matt Hutchins sowie den gemeinsamen neunjährigen Sohn des Ehepaars getroffen. Am Samstagmorgen wurden die drei gemeinsam vor einem Hotel in Sante Fe im US-Bundesstaat New Mexiko gesehen. Laut Bericht frühstückten sie dort gemeinsam und gingen anschließend gemeinsam über das Hotelgelände. Dabei umarmten sich auch der Filmstar und der Witwer.

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Wie geht es dem verletzten Regisseur nach dem Unfall?

Der Regisseur Joel Souza (48) befindet sich auf dem Weg der Besserung. Er wurde am Freitag aus dem Krankenhaus entlassen, nachdem ihn einen Tag zuvor eine Patrone aus einer Requisitenwaffe im Schulterbereich getroffen hatte. Am Samstag äußerte er sich auch zum ersten Mal über den Tod der getöteten Kamerafrau. „Ich bin tieftraurig über den Tod meiner Freundin und Kollegin Halyna“, erklärte er am Samstag der Filmwebseite „Deadline“ und weiteren US-Medien. „Sie war freundlich, lebhaft, unglaublich talentiert, hat um jedes Detail gekämpft und mich immer ermuntert, mehr zu geben. Meine Gedanken sind in diesen schwersten Zeiten mit ihrer Familie.“

Gab es unzureichende Sicherheitsvorkehrungen beim Dreh des Films?

Laut einem Bericht der „Los Angeles Times“ haben sich Mitarbeiter am Set über mangelnde Sicherheitsvorkehrungen und schlechte Bedingungen wie lange Arbeitszeiten beschwert und aus Protest die Produktion verlassen. Ein Untersuchungsbericht der Polizei in New Mexico zitiert außerdem Aussagen des bei dem Unfall ebenfalls verletzten Regisseurs Joel Souza, der bestätigt hatte, dass am Donnerstagmorgen eine neue Kameracrew engagiert werden musste, weil ein davor eingesetztes Team die Produktion verlassen hatte.

Der Regieassistent, der Baldwin die Waffe gab, habe bereits bei einer früheren Produktion Sicherheitsstandards verletzt, hatte am Sonntag eine Technikerin für Spezialeffekte und Pyrotechnik dem Sender NBC gesagt. Sie hatte mit dem Assistenten demnach 2019 für die Reihe „Into the Dark“ beim Streaminganbieter Hulu gearbeitet. Das Produktionsteam dort erklärte, dass keine Beschwerden damals vorgebracht worden seien.

Doch Konsequenzen hat es nach der Produktion des Films „Freedom‘s Path“, der ebenfalls 2019 gedreht wurde, für den Regieassistenten gegeben. Er wurde gefeuert, nachdem sich unerwartet ein Schuss aus einer Waffe gelöst hat. Ein Mitglied der Filmcrew soll dabei leicht verletzt worden sein.

US-Medien berichteten zudem über Kritik an der 24 Jahre alten Waffenmeisterin, die für die ordnungsgemäße Handhabung aller Waffen am Set zuständig war. „Rust“ war erst der zweite Film, an dem sie in dieser Funktion beteiligt war. Sie hatte erst vor wenigen Wochen in einem Podcast von Selbstzweifeln berichtet. Zuvor war die 24‑Jährige beim Dreh von „The Old Way“ mit Nicolas Cage erstmals als Waffenmeisterin im Einsatz gewesen, berichtet die Nachrichtenseite „TMZ“. „Ich war anfangs sehr nervös und hätte den Job fast nicht angenommen, weil ich nicht sicher war, ob ich bereit war. Aber es ging wirklich reibungslos“, zitiert „TMZ“ aus einem Gespräch mit Reed im Podcast „Voices of the West“, der im vergangenen Monat veröffentlicht wurde.

Die Produktionsfirma Rust Movie Productions wies die Vorwürfe zurück. Es seien keine offiziellen Beschwerden über die Sicherheit von Waffen oder Requisiten am Set bekannt gewesen, zitierte die „New York Times“ aus einer Mitteilung.

Wer ist die erschossene Kamerafrau Halyna Hutchins?

Laut ihrer Webseite wurde Hutchins (42) in der Ukraine geboren, wuchs aber auf einer sowjetischen Militärbasis im arktischen Polarkreis auf – umgeben von „Rentieren und nuklearen U-Booten“. Sie studierte Journalismus in der Ukraine und soll als Investigativjournalistin an britischen Dokumentarproduktionen mitgewirkt haben. Später folgte ein Filmstudium in den USA, das sie 2015 am American Film Institute in Los Angeles abschloss.

Die getötete Kamerafrau Halyna Hutchins. © Quelle: @HALYNAHUTCHINS via REUTERS

2019 wurde Hutchins von der Branchenzeitschrift „American Cinematographer“ zu einem „aufstrebenden Star“ gekürt. Zuletzt hatte sie bei dem Film „Archenemy“ als Kamerafrau gearbeitet. Sich selbst beschrieb sie in den sozialen Medien als Adrenalinjunkie, als ruhelose Träumerin.

Bei „Rust“ hatte sie die Position als „Director of Photography“ inne - und war als Chef-Kamerafrau für die gesamte Bildgestaltung verantwortlich.

Worum geht es in dem Film „Rust“?

In dem Western „Rust“ geht es um einen 13-Jährigen, der für sich und seinen jüngeren Bruder sorgen muss, nachdem seine Eltern im Kansas der 1880er Jahre ums Leben kommen, wie aus einem Eintrag in der Internet Movie Database hervorgeht. Baldwin spielt den Großvater des Jungen. Eigentlich hätte der Dreh außerhalb von Santa Fe noch bis in den November dauern sollen. Gedreht wurde auf der Bonanza Creek Ranch, die bereits für eine Reihe von Western als Schauplatz verwendet wurde, zuletzt unter anderem in „Neues aus der Welt“ mit Tom Hanks in der Hauptrolle.

Gehen die Dreharbeiten weiter?

Nein, die zuständige Filmproduktionsfirma stoppte Dreharbeiten für „Rust“ unmittelbar nach dem Vorfall. „Die gesamte Besetzung und die Crew sind von der heutigen Tragödie zutiefst erschüttert“, teilte die Produktionsfirma am Donnerstagabend mit. „Wir haben die Dreharbeiten auf unbestimmte Zeit unterbrochen und kooperieren voll und ganz mit der Polizei von Santa Fe und deren Ermittlungen“, hieß es weiter. Ob und wann der Dreh fortgesetzt wird, ist nach wie vor nicht bekannt.

RND/seb/jst/dpa/AP/hsc

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