• Startseite
  • Politik
  • Zwischenfall auf Mittelmeer: Türkei hindert deutsche Soldaten an Schiffs-Durchsuchung vor Libyen

Türkei hindert deutsche Soldaten an Schiffs-Durchsuchung vor Libyen

  • Auf dem Mittelmeer ist es zu einem Zwischenfall mit Beteiligung deutscher Marinesoldaten gekommen.
  • Diese hatten die Anweisung, ein verdächtig wirkendes türkisches Frachtschiff zu durchsuchen, um das Waffenembargo gegen Libyen zu überwachen.
  • Die Soldaten waren bereits auf dem Schiff, als die Türkei sich einschaltete.
Anzeige
Anzeige

Berlin/Brüssel. Die Türkei hat den Abbruch eines Einsatzes deutscher Marinesoldaten zur Kontrolle des UN-Waffenembargos gegen Libyen erzwungen. Nach Angaben des Einsatzführungskommandos waren die deutschen Soldaten am Sonntag im Mittelmeer an Bord eines verdächtigen türkischen Frachtschiffes gegangen, um die Ladung zu kontrollieren.

Wenig später habe dann allerdings die Türkei als Flaggenstaat ein Veto gegen die Durchsuchung des Schiffes eingelegt. Die deutschen Soldaten mussten daraufhin den Einsatz abbrechen.

Laut Bundesverteidigungsministerium konnten bis zum Abbruch der Untersuchung „an Bord dieses Frachters keine verbotenen Güter festgestellt werden“. Ein Sprecher des Ministeriums sagte am Montag in Berlin, die Soldaten hätten sich rund 200 Kilometer nördlich der Stadt Bengasi per Hubschrauber auf das Schiff abgeseilt, nachdem es binnen vier Stunden gegen die Durchsuchung zunächst keinen Widerspruch seitens des Flaggenstaates Türkei gegeben habe.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Er betonte, die Entscheidung, den Frachter zu durchsuchen, sei nicht etwa auf der deutschen Fregatte getroffen worden, sondern von der Einsatzleitung in Rom. Da es zunächst keinen Widerspruch gegeben habe, sei „hier verfahrensmäßig alles sauber gelaufen“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes.

Video
Türkei und Deutschland streiten über Kontrolle von Frachter auf dem Weg nach Libyen
1:15 min
Die deutsche Fregatte "Hamburg" ist als Teil der EU-Überwachungsmission Irini im Mittelmeer unterwegs, die Waffenschmuggel unterbinden soll.  © Reuters

Deutschland beteiligt sich seit August mit der Fregatte „Hamburg“ an der EU-Operation Irini zur Kontrolle des Libyen-Embargos. Neben Waffen soll der Einsatz auch das Schmuggeln von Öl und Kraftstoff verhindern.

Im Libyen herrscht seit dem Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Bürgerkrieg. Die Regierungstruppen werden von der Türkei unterstützt, ihr Gegner, General Chalifa Haftar, von Ägypten, Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Russland. Zuletzt einigten sich die Konfliktparteien Ende Oktober auf einen Waffenstillstand.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, Deutschland, Großbritannien, Italien und Frankreich unterstützen das laufende libysche Dialogforum. Es sei gut, dass es jetzt eine Roadmap hin zu Wahlen im Dezember 2021 gebe. Dies sei ein wichtiger Schritt, um „Libyens Souveränität wieder zu etablieren“.

RND/dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen