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Zwischen Davos und Washington – Robert Habeck lernt Außenpolitik

  • Grünen-Chef Robert Habeck hat mit seiner Kritik an US-Präsident Donald Trump in Davos viel Kritik auf sich gezogen.
  • Von dort reiste er in die USA weiter.
  • In Washington betonte Habeck: „Diese Reise ist mir umso wichtiger, als die deutsch-amerikanische Freundschaft gerade in Zeiten Donald Trumps gepflegt werden muss.“
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Berlin. Am Donnerstag stimmte auch CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer in die Kritik an Robert Habeck ein. „Was hat Herr Habeck mit seiner Äußerung im Interesse der Bundesrepublik Deutschland, im Interesse Europas, auch im Interesse des Klimaschutzes, mit dieser Äußerung verbessert? Nichts“, sagte die Verteidigungsministerin am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos und meinte den Vorsitzenden der Grünen.

Habeck, so viel steht fest, hat in dieser Woche viel Staub aufgewirbelt. Das verschafft seiner USA-Reise, die kurz nach der Visite in Davos begonnen hat, zusätzliche Aufmerksamkeit.

International aufholen

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Am Dienstag hatte Habeck in den Schweizer Bergen der Rede von US-Präsident Donald Trump gelauscht. Dieser hatte erklärt: „Wir müssen die ewigen Propheten des Untergangs und die Vorhersagen einer Apokalypse ablehnen“ – ohne das Wort Klimawandel auch nur in den Mund zu nehmen.

Direkt im Anschluss gab der Grünen-Politiker gegenüber einer ZDF-Reporterin spontan seinem Entsetzen Ausdruck. Trump sei „der Gegner, er steht für all die Probleme, die wir haben“, sagte er unter anderem.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Norbert Röttgen (CDU), warf Habeck daraufhin „mindestens eine erschreckende außenpolitische Einfältigkeit“ vor. Dieser gestand, „im ersten Brast“ reagiert zu haben, betonte aber: „Der Typ braucht Widerrede.“ Mit „der Typ“ ist Trump gemeint.

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Dass Habeck mittlerweile zu politischen Gesprächen in Washington weilt und am Freitag nach El Paso (Texas) weiter fliegt, war seit langem geplant. Habecks Ko-Vorsitzende Annalena Baerbock war als Schülerin mal ein Jahr in Florida, studierte an der London School of Economics und arbeitete später bei einer Europaabgeordneten. Schleswig-Holsteins ehemaliger Landwirtschaftsminister muss international manches aufholen.

Im vorigen Jahr besuchte Habeck also Brüssel, Paris und Rom, später auch Israel. In den USA stehen Gespräche mit den Europaberatern der demokratischen Präsidentschaftskandidaten Elizabeth Warren und Joe Biden, mit dem ehemaligen Stabschef des Weißen Hauses, John Podesta, und dem kalifornischen Gouverneur Jerry Brown an. Letzterer ist in der Klimaschutzpolitik aktiv. An der Georgetown-University wird Habeck eine Rede zur Zukunft der Europäischen Union halten.

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Streit erinnert an Merkel 2003

„Diese Reise ist mir umso wichtiger, als die deutsch-amerikanische Freundschaft gerade in Zeiten Donald Trumps gepflegt werden muss“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Dass die USA Deutschland und Europa vom Faschismus befreit, den Aufbau unserer Demokratie gestützt und die deutsche Einheit möglich gemacht haben, ist unvergessen.“ Die Länder verbinde „eine Wertegemeinschaft, die wir aufrecht erhalten müssen, auch wenn der US-Präsident offen an diesem Wertefundament rüttelt“, so Habeck. Die USA und die transatlantischen Beziehungen seien weit mehr als Donald Trump.

Habeck ist übrigens nicht der erste prominente Oppositionspolitiker, der sich mit Äußerungen zur US-Politik Ärger einhandelt. Im Frühjahr 2003 demonstrierte eine gewisse Angela Merkel in einem Beitrag für die „Washington Post" Sympathie für den bevorstehenden Angriff von Amerikanern und Briten auf den Irak. Das hängt ihr bis heute nach.