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Kanzler-Triell: Wo konnten die Kandidaten punkten?

  • Beim zweiten TV-Triell sind am Sonntagabend die Spitzenkandidaten von SDP, CDU/CSU und Grünen aufeinandergetroffen.
  • Vor allem für Armin Laschet (CDU) steht viel auf dem Spiel.
  • Der Kommunikationswissenschaftler Martin Emmer und die Expertin für Körpersprache Veronika Langguth werfen einen Blick auf den Auftritt der Kandidaten und beantworten die Frage, wo die drei Spitzenkandidaten überzeugen konnten.
Antea Obinja
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Berlin. Am Sonntagabend sind die Spitzenkandidaten Annalena Bearbock (Die Grünen), Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (CDU/CSU) zum zweiten Mal in diesem Wahlkampf aufeinandergetroffen. Zwei Wochen vor der Bundestagswahl versuchten die Kanzlerkandidaten beim TV-Triell bei ARD und ZDF, die Wählerinnen und Wähler von sich zu überzeugen.

Wie die drei Kandidaten kommuniziert haben und was sich über ihre Gestik und Mimik sagen lässt, haben die Köperspracheexpertin Veronika Langguth und Martin Emmer, Kommunikationswissenschaftler an der Freien-Universität Berlin, analysiert.

Präsenz

Olaf Scholz (SPD)

Olaf Scholz, dem in den letzten Wochen des Wahlkampf eine staatsmännische Ruhe nachgesagt wurde, hat bei diesem Aufritt seine Gelassenheit etwas verloren: „Olaf Scholz wurde heute richtig aus der Reserve gelockt“, sagt Veronika Langguth. Deutlich wurde Scholz‘ Anspannung in der ersten Auseinandersetzung mit Armin Laschet, der versuchte, seinen Konkurrenten bei dem Thema Finanzaufsicht in die Ecke zu drängen.

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Armin Laschet (CDU)

Armin Laschet hingegen ist es in der Sendung gelungen, bestimmter und beherrschter aufzutreten. Das für den CDU-Politiker so typische abschwächende Lächeln konnte er zwar nicht immer unterdrücken, er hat es aber inzwischen gelernt, ernst zu bleiben, analysiert Langguth. Dadurch hat er an Präsenz dazugewonnen, so die Expertin. „Armin Laschet war gelassener und hat deutlich weniger Nervositätsbewegungen gemacht als bei früheren Auftritten.“

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Annalena Baerbock (Die Grünen)

Auch die Spitzenkandidatin der Grünen Annalena Baerbock hat sich ihrem Auftreten verbessert. Die ruhigere Gestik und ihr breiter Stand unterstreichen ihre Präsenz, so Langguth. Immer wieder sei es Baerbock gelungen, die Argumente der anderen aufzugreifen und geschickt auf ihre Themen zu lenken. „Annalena Bearbock war durchaus im Angriffsmodus und sie hat es geschafft, immer wieder beide Konkurrenten herauszufordern“, sagt Langguth.

Kommunikation

Olaf Scholz (SPD)

Besonders spannend seien die direkten Konfrontationen zwischen Laschet und Scholz gewesen, erklärt Kommunikationswissenschaftler Martin Emmer. Jedoch sei es Laschet nur einmal gelungen, den SPD-Spitzenkandidaten aus dem Tritt zu bringen: Bei der Diskussion um die Durchsuchungen im Finanz- und Justizministerium habe Scholz für seine Verhältnisse relativ aggressiv reagiert: „Da sah es kurz so aus, als könnte Scholz die Nerven verlieren.“ Alles in allem habe Scholz aber das Image bestätigen können, dass er nicht aus der Ruhe zu bringen ist.

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Annalena Baerbock (Die Grünen)

„Inhaltlich war Annalena Baerbock sicher“, sagt Emmer. Im Gegensatz zu ihren Konkurrenten habe sie sich nicht im Allgemeinen verloren, allerdings habe sie zum Teil Schwierigkeiten gehabt, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Es habe sich wieder gezeigt, dass sie nicht die beste Rhetorikerin ist, erklärt der Experte. Im Gegensatz zu ihren Konkurrenten sei sie in der Sendung aber nicht in Bedrängnis geraten.

Punkten konnte Baerbock in der Konfrontation mit Laschet zu Beginn der Sendung: „Sie hat die Widersprüche in der Abgrenzung der CDU nach rechts und nach links sehr gut aufgezeigt“, erklärt Emmer, damit habe sie den CDU-Spitzenkandidaten aus dem Konzept bringen können.

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Dass Armin Laschet und Olaf Scholz vor allem mit sich beschäftigt waren, war für die Performance der grünen Spitzenkandidatin allerdings nicht von Vorteil: „Sie hatte dadurch weniger Möglichkeiten, sich auszuzeichnen“, sagt Emmer.

Armin Laschet (CDU)

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Armin Laschet, so der Kommunikationswissenschaftler, sei aktiv und aggressiv aufgetreten. „Er ist immer wieder in die Offensive gegangen und hat so die Rolle des Herausforderers angenommen, eine Rolle, die ursprünglich gar nicht für ihn vorgesehen war“, sagt Emmer. „Er hat es aber nicht geschafft, sich als die bessere Alternative zu präsentieren.“ Vielmehr sei in der Sendung deutlich geworden, wie sehr die fehlenden Positionierung, die sich auch in dem schwachen Wahlprogramm zeige, zum Problem wird: „Er hatte einfach wenig Stoff, um Punkte zu machen“, sagt der Kommunikationswissenschaftler.

Laschet konzentrierte sich mit seinen Angriffen auf seinen SPD-Konkurrenten. „Es wird deutlich, dass er Annalena Baerbock nicht länger als Gefahr ansieht“, erklärt Emmer. Ein Risiko, dass der Kommunikationswissenschaftler in Laschets aggressiver Strategie sieht: „Laschet überspitzt in seinen Attacken und wirkt dadurch wenig partnerschaftlich“ – weder für einem möglichen Koalitionspartner noch für den Zuschauer.

Der Kommunikationswissenschaftler sieht keinen klaren Sieger des Triells: „Alle haben geliefert.“

Körpersprache

Olaf Scholz (SPD)

„Während der CDU-Spitzenkandidat bei früheren Aufritten oft steif und unbeweglich wirkte, ist es ihm in der Sendung gelungen, sich etwas davon zu lösen“, erklärt Veronika Langguth. „Er hat eine breitere Gestik verwendet und sich mit seinem ganzen Körper den anderen Kandidaten zugewendet, dadurch wirkt er offener.“

Allerdings erkennt die Expertin für Körpersprache auch Zeichen von Nervosität: „Seine Unsicherheit zeigte sich in seinem Hin-und-her-Wippen.“ Beobachten konnte man diese zu Beginn des Triells, als die Hausdurchsuchungen im Bundesfinanzministerium und dem Justizministerium Thema waren. „Seine Erregung war deutlich zu spüren“, stellt Langguth fest, trotz seines Make-ups habe sie gesehen, wie Scholz rot geworden sei.

Seine Souveränität und Präsenz habe Scholz allerdings im Laufe der Triells wiedergefunden, erklärt Langguth. „Wenn Scholz durch Argumente überzeugt, nimmt er seine gewohnte Körpersprache von Stabilität und Sicherheit wieder ein.“ Vor allem, dass er ab und zu vom Pult weggetreten ist, bewertet die Expertin positiv: „Er hat es geschafft, sich mehr zu zeigen und auch seine Komfortzone etwas zu vergrößern.“

Video
TV-Triell: Scholz, Baerbock und Laschet liefern sich heftigen Schlagabtausch
2:35 min
Die drei Kanzlerkandidaten Scholz, Baerbock und Laschet haben sich bei ihrem zweiten Aufeinandertreffen im Fernsehen einen heftigen Schlagabtausch geliefert.  © Reuters

Armin Laschet (CDU)

In der Körpersprache von Armin Laschet erkennt die Expertin an einer Stelle des Triells einen Widerspruch: „Es ist inkongruent, wenn Armin Laschet eine Aussage über seine Politik tätigt und gleichzeitig den Kopf schüttelt und sich seine Brille zurechtrückt“, erklärt Langguth, „er müsste nicken, nicht den Kopf schütteln.“ Insgesamt sei Laschet beherrschter gewesen, fast so, als hätte er sich das ein wenig von seinem Konkurrenten Olaf Scholz abgeschaut, sagt Langguth.

Annalena Baerbock (Die Grünen)

„Sie hat sich sehr gut nach rechts und links gewendet, wenn sie die anderen Kandidaten adressiert hat, und sie wirkte nicht so fahrig wie bei früheren Auftritten“, erklärt Langguth. Nur selten habe man der Kandidatin ihre Nervosität angemerkt, etwa wenn sie mit den Schultern gezuckt habe.

Positiv bewertet die Expertin auch das dunkelblaue, knielange Kleid der Spitzenkandidatin: „Das Kleid drückt mehr Ernsthaftigkeit aus als ihre mädchenhafte Kleidung bei manchen früheren Aufritten.“

Bei Pro Sieben, Sat 1 und Kabel 1 wird es am kommende Sonntag ein drittes TV-Triell geben, bevor eine Woche später am 26. September die Bundestagswahl stattfindet.

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