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Zurück zur Meisterpflicht: Experten warnen vor steigenden Preisen für Verbraucher

  • Der Bundestag will eine Änderung der Handwerksordnung beschließen.
  • In vielen Berufen soll das zu einer Rückkehr der Meisterpflicht führen.
  • Die Monopolkommission warnt nun vor möglichen Folgen.
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Berlin. Die Monopolkommission hat vor negativen Folgen für Kunden bei einer Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Handwerksberufen gewarnt. "Aus Sicht der Verbraucher wird der Zugang zu Handwerksleistungen mit der Wiedereinführung der Meisterpflicht schwieriger. Die Wartezeiten und die Preise können steigen", sagte der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach, der Deutschen Presse-Agentur. "Zwar genießen die bereits gegründeten Nicht-Meister-Betriebe einen zeitlich unbegrenzten Bestandsschutz. Markteintritte durch neue Betriebe werden aber deutlich schwieriger, da das Ablegen einer Meisterprüfung kosten- und zeitintensiv ist."

Im Bundestag steht am Donnerstagvormittag die Verabschiedung von Änderungen der Handwerksordnung auf dem Programm. Dabei geht es darum, dass die Meisterpflicht für insgesamt zwölf Gewerke wieder eingeführt werden soll - darunter sind Fliesen- und Parkettleger, Rollladentechniker oder Orgelbauer.

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"Dieses Gesetz ist ein Schritt zurück", sagte Wambach. "Die hohe Dynamik, die nach der Abschaffung des Meisterzwangs in den deregulierten Handwerksbereichen zu beobachten war, wird nun ohne Not ausgebremst." Nicht ohne Grund mahne die Europäische Kommission regelmäßig, dass Deutschland den Wettbewerb bei reglementierten Berufen verstärken solle. Die Monopolkommission ist ein unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung.

Im Jahr 2004 war in mehr als 50 Berufen die Meisterpflicht weggefallen. Mit der Reform der Handwerksordnung wollte die Bundesregierung damals einfachere Tätigkeiten für Selbstständige öffnen. Bis dahin durften diese Betriebe nur von ausgebildeten Handwerksmeistern geführt werden.

Rückkehr zur Meisterpflicht stärke das Handwerk

Die schwarz-rote Koalition hatte argumentiert, die Rückkehr zur Meisterpflicht stärke das Handwerk. "Unser Ziel ist, mehr Qualität für die Kundschaft und mehr Nachwuchs im Handwerk durch eine bessere Ausbildung", hatten Unions-Fraktionsvize Carsten Linnemann und SPD-Fraktionsvize Sören Bartol Anfang September mitgeteilt. Bestehende Betriebe, die derzeit nicht der Meisterpflicht unterliegen, dürfen auch weiterhin ihr Handwerk selbstständig ausüben und sollen einen Bestandsschutz erhalten.

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Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hatte von einem "starken Signal" für Qualität und Qualifikation im Handwerk gesprochen. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks hatte sich seit langen für eine Rückkehr zur Meisterpflicht stark gemacht.

Fehlentwicklungen in einigen Gewerken

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Wollseifer hatte wiederholt vor Marktverzerrungen gewarnt. Im Handwerk gebe es eine zunehmend Zahl von Solo-Selbstständigen, dies führe zu massiven Problemen etwa bei der Qualität. Seit 2004 sei es in einigen Gewerken zu "Fehlentwicklungen" gekommen, hatte Wollseifer gesagt: "Weniger Auszubildende, weniger Fachkräfte, weniger Qualität, schneller vom Markt verschwindende Betriebe und infolge dessen ein geringerer Gewährleistungs- und Verbraucherschutz."

RND/dpa

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