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Zu schwul, zu schwarz? Vize-Amtsarzt wirft AfD-Mann Diskriminierung vor und wird abgesetzt

  • Das Gesundheitsamt Treptow-Köpenick steht in Zeiten der Corona-Pandemie ohne Leitung dar.
  • Auf die Stelle als Amtsarzt hatte sich auch der Vize Denis Hedeler beworben und wurde abgelehnt.
  • Deswegen hat er eine Petition gestartet und wirft dem AfD-Gesundheitsstadtrat Diskriminierung im Bewerbungsverfahren vor.
Alina Stillahn
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Berlin. „‚Zu schwul, zu schwarz’: AfD verhindert Amtsartztsernennung“ – das steht über dem Aufruf von Denis Hedeler. Im Internet hat der Vize-Amtsarzt des Gesundheitsamtes Berlin Treptow-Köpenick eine Petition gestartet. Sein Vorwurf: Der AfD-Gesundheitsstadtrat Bernd Geschanowski hat seine Bewerbung auf die Stelle des Amtsarztes zu Unrecht abgelehnt.

Der Partei sei seine Hautfarbe und seine sexuelle Orientierung ein Dorn im Auge. Nun ist Hedeler aber auch vom Posten als Vize-Amtsarzt entbunden, und damit fehlt dem Gesundheitsamt nicht nur eine Leitung, sondern auch deren Stellvertreter.

Dabei hat Hedeler nach eigener Aussage die besten Voraussetzungen für den Job. Er war lange Jahre beim Gesundheitsamt Bremen beschäftigt und engagierte sich bei Ärzte ohne Grenzen. Im Zuge seiner Arbeit half er auch bei der Eindämmung der Ebola-Epidemie in Sierra Leone. Trotzdem bewarb er sich vergeblich und wirft nun AfD-Gesundheitsstadtrat Bernd Geschanowski vor, ihn aus persönlichen Gründen zu diskriminieren.

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„Sie passen nicht hierhin“

„Sie passen hier nicht“, mit diesen Worten soll AfD-Mann Geschanowski seine Bewerbung abgelehnt haben, berichtet Hedeler auf der Website der Petition. Während er das gesagt habe, habe Geschanowski auf seine Haut gezeigt und ihm empfohlen, seine „Außendarstellung zu ändern”, schreibt Hedeler. Geschanowski möchte zu den Vorwürfen nicht Stellung nehmen, bestätigt aber, dass Hedeler von seinen Pflichten als stellvertretender Amtsleiter und Fachbereichsleiter entbunden ist.

Gründe für die Absetzung möchte er nicht nennen, laut Recherchen des „Tagesspiegel” begründete die kommissarische Amtsleiterin die Absetzung mit der „Fürsorgepflicht gegenüber allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitsamt und der Sicherung des ordnungsgemäßen Betriebes”. Der Vize-Amtsarzt habe längere Zeit an keiner Dienstberatung teilgenommen und fachliche Anfragen nicht mehr selbst beantwortet. Hedeler widerspricht dieser Darstellung, heißt es weiter.

Sein Aufruf immerhin hat bereits über 34.000 Unterschriften und wurde vielfach in den sozialen Netzwerken geteilt. Auch die Fraktionen der Grünen, SPD und der Linken in der Bezirksverordnetenversammlung sprachen sich gegen Rassismus und Diskriminierung aus und forderten eine Aufklärung des Falls.

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Bezirksbürgermeister: Auswahlverfahren absolut diskriminierungsfrei

Die Vorwürfe ließen auch ihn nicht unberührt, sagt Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD), meint aber auch: „Dies ist ein sehr starker Vorwurf, der mich persönlich erschüttert. Wir nehmen diesen Vorwurf sehr ernst. Die dahinterliegenden möglichen Gründe werden selbstverständlich in aller Tiefe ermittelt.“

Das Auswahlverfahren für die neue Leitung des Gesundheitsamtes sei in einem transparenten Verfahren nach rechtsstaatlichen Gesichtspunkten und absolut diskriminierungsfrei durchgeführt worden. Keine Einzelperson habe dabei die Auswahlentscheidung getroffen. „Über einzelne Gründe in einem konkreten Auswahlverfahren wird zum Schutz der Kandidatinnen und Kandidaten selbstverständlich keine Auskunft gegeben.“

Auf der Website des Gesundheitsamtes ist die Ausschreibung der Stelle als Amtsarzt nicht mehr zu finden. Die Stelle wurde laut Geschanowski aber noch nicht wieder neu besetzt.




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