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Ziehen sich die USA auch aus Somalia zurück? Das steht auf dem Spiel

  • Die USA mischen im Anti-Terror-Kampf in Somalia stark mit - aus der Luft und am Boden.
  • Jetzt erwägt der scheidende Präsident Trump einen Abzug der etwa 700 US-Soldaten im Land.
  • Manche Experten meinen, dass der Zeitpunkt für einen solchen Schritt nicht schlechter sein könnte.
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Nairobi. Somalia hat drei Jahrzehnte Chaos erlebt, konfrontiert mit regionalen Kriegsherren, der mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundenen islamistischen Miliz Al-Shabaab und dem Auftauchen einer Gruppe, die der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nahesteht. Jetzt beginnt Somalia wieder auf etwas festerem Boden zu stehen, einen funktionierenden Staat aufzubauen.

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Mehr als 20 Tote bei Islamisten-Angriffen in Somalia
0:41 min
In Somalia sind bei Angriffen von Islamisten auf ein Luxushotel und einen Militärstützpunkt mehr als 20 Menschen getötet worden.  © Reuters

Aber es ist ein mühsamer Prozess, große Herausforderungen bleiben. Auf das Land kommt eine angespannte Wahlsaison zu, zunächst geht es ums Parlament, dann um den Präsidenten. Al-Shabaab mit 5000 bis 10.000 Kämpfern ist UN-Experten zufolge dabei, ihre Fähigkeiten zum Bombenbauen zu verbessern. Und Amisom, die 19.000 Soldaten umfassende Eingreiftruppe der Afrikanischen Union, hat mit ihrem Abzug aus Somalia begonnen - dessen eigene Kräfte nach verbreitetem Urteil aber noch nicht in der Lage sind, selber volle Verantwortung für die Sicherheit zu übernehmen.

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Es ist bislang unklar, ob US-Präsident Donald Trump, der kürzlich Truppenverringerungen in Afghanistan und im Irak angeordnet hat, die etwa 700 US-Soldaten in Somalia lässt oder nicht. Aber die Erwägungen im Weißen Haus gelten als ernsthaft, auch wenn erwartet wird, dass die US-Drohnenangriffe in Somalia gegen Al-Shabaab und IS-Kämpfer weitergehen werden.

Das steht in Somalia auf dem Spiel:

Terrorabwehr

Ein Abzug wäre katastrophal für die Sicherheitslage in Somalia, es stelle sich die Frage: „Warum jetzt?“ sagt Samira Gaid, eine somalische Sicherheitsspezialistin, die als Beraterin des Ministerpräsidenten und der Amisom-Führung gedient hat. Sie warnt davor, bereits erzielte Fortschritte aufs Spiel zu setzen.

Ein Abzug in dieser Phase wäre nach ihren Worten besonders fragwürdig, da sich der Sicherheitssektor in den vergangenen dreieinhalb Jahren wirklich verbessert und man sich bemüht habe, eng mit den USA zusammenzuarbeiten, sagte sie der Nachrichtenagentur AP.

Gaid verweist unter anderem auf einen gemeinsamen „Kriegsrat“, in dem die USA beim Entwerfen militärischer Pläne helfen würden. US-Soldaten bildeten auch Somalias Elite-Spezialeinheit Danab aus, die mittlerweile auf ungefähr 1000 Mitglieder gewachsen sei, sicherten sie aus der Luft ab und unterstützten sie mit Aufklärungsdaten.

Ein Verlust von US-Truppen wird verbreitet als Gewinn für Al-Shabaab und die kleinere Gruppe von Kämpfern mit IS-Verbindungen im Norden Somalias betrachtet. Auch Omar Mahmood von der Denkfabrik National Crisis Group sieht das so. Aus ihrer Perspektive „brauchen sie nur durchzuhalten“, meint der Analyst. Gaid pflichtet bei. Al-Shabaab habe stets ihr Durchhaltevermögen betont, „Kräfte von außen gehen immer weg“, sagt sie.

Somalia, Mogadischu: Sanitäter versorgen einen Mann, der bei einem Selbstmordanschlag in der Nähe einer Polizeiakademie verletzt wurde. © Quelle: Farah Abdi Warsameh/AP/dpa

Sicherheit

Ohne US-Kräfte werde Al-Shabaab „es leichter finden, Amisom zu überrollen, von der somalischen Armee ganz zu schweigen“, meint Vanda Felbab-Brown von der US-Denkfabrik Brookings Institution. Hinzu komme, dass der Konflikt in Äthiopien, wo Regierungseinheiten eine abtrünnige Provinz bekämpfen, den Druck erhöhe, die äthiopische Militärpräsenz in Somalia zu verringern. Vor diesem Hintergrund käme ein US-Abzug „wirklich zum schlechtesten Zeitpunkt“. Die USA hätten auch Amisom „enorm“ unterstützt, gibt Gaid zusätzlich zu bedenken.

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Die USA selbst sagen, dass es mit der Umsetzung des Planes, dem zufolge die somalischen Kräfte im nächsten Jahr die Verantwortung für die Sicherheit im Land übernehmen sollen, nicht gut aussehe. Die Somalis könnten die Bedrohung durch Al-Shabaab nicht allein eindämmen, hieß es im jüngsten Bericht des Pentagon-Generalinspekteurs. Sie seien weiterhin von finanzieller Unterstützung der internationalen Gemeinschaft abhängig und blieben trotzdem „monatelang unbezahlt“.

Die USA hätten sich als engagiertester Sicherheitspartner in Somalia erwiesen, bereit, „sich auch schmutzig zu machen“, sagt Mahmood von der International Crisis Group. Kein anderes Land scheine willens zu sein, das zu ersetzen, was die USA auf dem Boden leisteten.

Stabilität

Im Dezember soll in Somalia ein neues Parlament gewählt werden und im Februar dann der nächste Präsident. Es sollten eigentlich die ersten direkten Wahlen im Land seit Jahrzehnten werden, aber Streitigkeiten zwischen der Zentralregierung und regionalen Regierungen haben dazu geführt, dass wieder indirekt gewählt wird, nach einem seit Jahren verwendeten System: Von den Clans nominierte Delegierte wählen die Parlamentsmitglieder, die dann wiederum den Präsidenten wählen.

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Felbab-Brown warnt, dass es nach den Wahlen zu Gewalt kommen oder Al-Shabaab jegliches Chaos für sich nutzen könnte. Die US-Kräfte sollten daher zumindest im Land bleiben, bis die Wahlen vorbei seien, empfiehlt die Expertin.

RND/cle/AP

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