Zerstörung der CDU? Fällt aus wegen Corona

Die Corona-Chroniken.

Die Corona-Chroniken.

Die Wellen schlugen hoch im Mai vor einem Jahr. Und sie schienen die CDU in die Tiefe zu reißen, wie ein hilflos knarrendes altes Boot, das den Anforderungen der neuen Zeiten einfach nicht mehr gewachsen ist.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

“Die Zerstörung der CDU” hieß ein Video auf der Plattform Youtube, das mehr als nur viral ging. Es beherrschte wochenlang die politische Debatte im Land. Da saß ein junger Mann, der sich als Rezo vorstellte (und bis heute seinen echten Namen nicht nennen will), mit orangem Kapuzenpullover, schwarzer Basecap und blaugefärbtem Pony vor der Kamera und ließ eine knapp 55 Minuten dauernde Anklage gegen die Union vom Stapel. Nicht trotz, sondern offenbar gerade wegen dieses ebenso strengen wie schrägen Formats wurde das Video erst in sozialen Netzwerken ehrfurchtsvoll weitergereicht, dann auch in klassischen Medien hochgejazzt – und schließlich zu einer nationalen Katastrophe für die CDU erklärt.

Der Witz ist: Zur Katastrophe kam es tatsächlich, wenn auch nur in kommunikativer Hinsicht. Denn die CDU kam beim Versuch, irgendwie locker und lässig zu antworten, ins Trudeln. Sie konnte, kurz gesagt, nicht wechseln – und wurde nun umso mehr verhöhnt, in klugen Wochenblättern ebenso wie in der “heute show”.

Wie ein Ding aus einer anderen Ära

Das Video wurde mehr als 17 Millionen Mal aufgerufen, es wurde zur Legende, auch zum Lehrstück. Und es war, nebenbei gesagt, politisch wohl auch nicht völlig unwirksam. Veröffentlicht wurde es, Zufall oder nicht, Mitte Mai, eine Woche vor der Europawahl. Und es verstärkte dann eine von der damaligen Klimadebatte geprägte Gesamtstimmung in Deutschland. Die Grünen holten am 26. Mai 2019 ihr bestes Europawahlergebnis aller Zeiten (20,5 Prozent), die Unionsparteien ihr schwächstes (28,9).

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Heute, in der Viruskrise, erscheinen das Rezo-Phänomen wie das schwer erklärliche Konstrukt einer anderen Ära. Jetzt würde ein politisch einseitig daherredender Typ im Kapuzenpulli, blaugefärbter Pony hin oder her, nicht mehr so viel Aufmerksamkeit bekommen, geschweige denn irgendeine Autorität ausstrahlen. Warum damals alles so anders war, wäre eine historische und soziologische Untersuchung wert. Vielleicht bekommt Rezo ja bald eine kleine Ecke gewidmet im Bonner Haus der Geschichte.

In der neuen deutschen Gegenwart jedenfalls hat sich manches verschoben, da gewinnt derzeit die Union zu ihrer eigenen Überraschung kräftig dazu.

- Infratest Dimap (Auftraggeber: ARD-Deutschlandtrend) meldete für die CDU/CSU Ende dieser Woche 38 Prozent – das ist der höchste Wert seit drei Jahren.

- Forsa (RTL/n-tv-Trendbarometer) gab der Union in einer am Samstag veröffentlichten Umfrage sogar 39 Prozent – und rechnete vor, dies sei der gleiche Wert, auf den SPD, Grüne und Linkspartei zusammen kommen.

- Hinzu kommt, dass Unionspolitiker derzeit auch in den Persönlichkeitswertungen sehr gut abschneiden. Im Bund hat sich Angela Merkel wieder ganz nach vorn gearbeitet – als hätte es die “Merkel-muss-weg”-Kampagnen der letzten Jahre nie gegeben. In Bayern geben die Bürger Markus Söder gute Noten, in NRW Armin Laschet – vielleicht gerade weil jeder der beiden auch seine eigenen Akzente setzt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige


Sind die neuen Umfragen nur “Momentaufnahmen”, wie es interessanterweise auch Friedrich Merz ausdrückt, ein CDU-Mann ohne Amtsbonus?

Natürlich ist nichts von Dauer im ewigen Spiel der politischen Wellenbewegungen. Wichtig ist jedenfalls die Erkenntnis: Auch der Rezo-Hype war eine Momentaufnahme.

Die Dinge werden sich in Zukunft wieder neu einpendeln. Gewiss wird das Thema Klimaschutz zurückkehren – das könnte die Grünen wieder stärker machen. Doch auch die Angst um Jobs könnte zu einem großen kommenden Thema werden. Wer dann zu den Gewinnern und Verlierern zählt, ist noch völlig offen – hoffentlich nicht die AfD.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die “Zerstörung der CDU” jedenfalls gehört zu der Vielzahl von Veranstaltungen, die wegen der Corona-Krise erst mal abgeblasen sind. Enttäuschte können einander bei Bedarf mit der gleichen trotzigen Formel trösten, die man in diesen Zeiten auch in anderen Zusammenhängen häufig hört: Das wird alles nachgeholt!

RND

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Top Themen

Krieg in der Ukraine
 

Letzte Meldungen