Zentrum für Politische Schönheit sucht verschwundene Waffen

  • Mutmaßlich rechtsextreme Netzwerke in Sicherheitsbehörden könnten gestohlene Waffen und Munition horten.
  • Die Künstlergruppe Zentrum für Politische Schönheit gibt sich jetzt als Militärischer Abschirmdienst aus und geht auf Waffensuche.
  • Auch Aktionen rund um die Gruppe Nordkreuz sind geplant.
Anzeige
Anzeige

Berlin. Das Künstlerkollektiv Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) protestiert mit einer neuen Aktion gegen Rechtsextremismus in der Bundeswehr. Unter dem Titel „Wo sind unsere Waffen?“ ruft die Gruppe zu Hinweisen auf den Verbleib von verschwundenen Waffen und Munition der Bundeswehr auf. Am Montag errichtete die Gruppe vor dem Bundeskanzleramt in Berlin eine „Waffen-Rückgabe-Container-Station“, wo verschwundene Kampfmittel zurückgegeben werden könnten, wie es hieß.

Teil der neuen Aktion des ZPS ist die Website unsere-waffen.de, auf der unter anderem verschwundenes Waffenmaterial der Bundeswehr aufgelistet ist. Zudem seien von der Künstlergruppe bundesweit 97 Dörfer und Landkreise zu „Kampfmittelverdachtszonen“ erklärt worden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Ab Mittwoch werde zudem ein „Waffenmobil“ im „Nordosten des Landes“ unterwegs sein, kündigten die Kunstaktivisten auf der Website an. Damit sind Aktionen im Zusammenhang mit der Prepper-Gruppe Nordkreuz gemeint.

Eine Gruppe um Marco G., der beim Spezialeinsatzkommando des Landeskriminalamts Mecklenburg-Vorpommern tätig war, soll über Jahre Waffen aus Beständen von Bundeswehr und Polizei abgezweigt und gehortet haben. Der frühere Bundeswehr-Scharfschütze G. wurde Ende 2019 wegen illegalem Waffen- und Kriegswaffenbesitz zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt.

„Seit Jahren entwenden rechtsextreme Netzwerke in der Bundeswehr ungestraft Munition und schwere Waffen, um sich für einen Bürgerkrieg auszustatten“, erklärte das ZPS. Die Künstler verwiesen auf Angaben der Bundeswehr, wonach bei der Truppe unter anderem 60 Kilogramm Sprengstoff Nitropenta, über 74.000 Schuss Munition diverser Kaliber, acht Gewehre G36, elf Gewehre G3, sechs Maschinengewehre MG3, fünf Pistolen P8, zwei Fliegerfäuste, eine Maschinenpistole MP7, acht Waffenrohre und 23 Sprengkapseln verschwunden seien.

Das ZPS hatte in der Vergangenheit immer wieder mit umstrittenen Kunstaktionen Schlagzeilen gemacht. 2017 errichtete die Gruppe einen Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals neben dem Privathaus des AfD-Politikers Björn Höcke im thüringischen Bornhagen. 2019 stellte das ZPS in der Nähe des Bundestags eine Gedenkstele auf, die angeblich Asche von NS-Opfern enthielt. Die Aktion wurde auch von jüdischer Seite scharf kritisiert.

Video
Zentrum für Politische Schönheit sucht verschwundene Waffen
1:12 min
Die Künstlergruppe gibt sich als Militärischer Abschirmdienst aus und geht auf die Suche nach den Waffen, die bei der Bundeswehr verschwunden sind.  © Marc Hofmann/RND

Hintergrund der neuesten Aktion ist der angekündigte Zwischenbericht der Bundeswehr zu rechtsextremen Umtrieben beim Kommando Spezialkräfte (KSK). Dieser soll bis Ende der Woche vorliegen.

Auch wenn sich das ZPS in der Aktion als der Bundeswehr-Geheimdienst Militärischer Abschirmdienst (MAD) ausgibt, will das Verteidigungsministerium nicht gegen die Gruppe vorgehen. Man bewerte die Aktion als Satire, hieß es gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

RND/jps/epd

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen